Exklusiv: Ein Schnuller spricht

Gestatten: Nuckel

Mein Name ist Nuckel. Meine Mission: Das Baby zu trösten und ihm in den Schlaf zu helfen. Irgendwann ist mein Auftrag erfüllt – und für das Kind heißt es dann, „adieu“ zu sagen. Meine Tipps für einen Abschied ohne Tränen.

 

Ich habe mal im Internet gesurft, um eine Antwort auf die Frage „Schnuller – ja oder nein?“ zu finden. Eine Userin schreibt zum Beispiel in ein Forum: „Wir haben unserem Sohn von Anfang an den Schnuller gegeben. Würde ich auch wieder machen.“ „Also, wir haben nie einen Schnuller gegeben“, antwortet dagegen crazy503. Und Merams Sohn hat den Schnuller verschmäht: „Ich hätte liebend gerne einen Schnuller gegeben, aber Noa wollte keinen.“

Ob Babys mich brauchen oder nicht, darüber gehen die Meinungen also auseinander. Fakt ist: Die Kleinen haben einen angeborenen Saugreflex und lutschen schon im Mutterleib am Daumen. Es wirkt beruhigend, wenn sie an mir nuckeln. Allerdings nur für eine bestimmte Zeit. Ich bin nämlich nur ein Lebensabschnittsgefährte, von dem sich das Kind zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr wieder trennen sollte.

Solange Eltern mich ihrem Sprössling nur kurzzeitig geben und mich nicht als „Stopfen“ missbrauchen, den sie ihm bei jeder Gelegenheit in den Mund stecken, um für Ruhe zu sorgen, spricht allerdings nichts gegen mich. Ich trete meinen Job am besten etwa ab der vierten Lebenswoche an, wenn das Baby ein gutes Trinkverhalten entwickelt hat.

Typsache

Es gibt mich in den verschiedensten Farben, Formen und Größen. Unter meinen Schnullerkollegen sind stylishe Typen und sogar richtige „Superhelden“ mit ergonomisch geformten Saugern, die helfen sollen, Zahnfehlstellungen vorzubeugen. Eigenlob stinkt zwar, aber weil ich einen asymmetrischen, abgeflachten Sauger habe, der sich Babys Gaumen anpasst, ist meine Wenigkeit besonders empfehlenswert.

Weil mein Sauger aus Silikon und damit weicher ist als Sauger aus Latex, bin ich gerade für kleine Babys gut geeignet. Meine Nuckelkollegen mit Latex-Saugern sind deutlich robuster, wenn Babys, die schon Zähne haben, auf ihnen herumkauen. Ob rot, mit Blümchen, aus Latex oder Silikon: Eltern haben die Qual der Wahl. Aber sie sollten sich nicht mehr als zwei Schnuller anschaffen und ihr Baby testen lassen, welcher ihm „schmeckt“.

Handling

Bevor ich zum ersten Mal den Weg in Babys Mund finde, muss ich natürlich gereinigt und ausgekocht werden. In den ersten Lebensmonaten sollte man mich täglich auskochen, um Bakterien den Garaus zu machen.

Wenn der Sauger Veränderungen oder Risse aufweist, ist es an der Zeit, mich zu entsorgen, da sich die Keime dort festsetzen. Tipp: Tausche mich etwa alle zwei Monate aus. Wenn ich mal auf den Boden falle, reinige mich bitte unter fließendem Wasser. Komm bloß nicht auf die Idee, mich im „Schnellwaschgang“ in deinem Mund zu reinigen - so könnte ich nämlich ruckzuck schädliche Kariesbakterien auf dein Kind übertragen.

Zum Abgewöhnen

So gerne ich meinen Job mache: Irgendwann ist es Zeit, Abschied zu nehmen. Denn Dauernuckeln hat schwerwiegende Folgen. Zum Beispiel Verformungen des Kiefers und Gaumens, Zahn- und Zungenfehlstellungen, die wiederum zu Lispeln und anderen Sprechfehlern führen. Zudem erhöht es das Risiko für Hals-, Nasen- und Ohreninfekte. Weil ich das natürlich unter allen Umständen vermeiden will, ist es unabdingbar, das Kind frühzeitig von mir zu entwöhnen.

Ein guter Zeitpunkt zum Abschiednehmen ist, wenn Babys Beißerchen ab etwa dem sechsten Monat durchbrechen. Weil Kinder dann gerne auf allem herumkauen, was ihnen in die Quere kommt, kann man mich ganz einfach durch einen Beißring ersetzen. Tschüüüüüss!

 

1, 2, 3 schnullerfrei!

Tipps gegen den Abschiedsschmerz

  • Kommunikation ist alles: Dem Kind  erklären, dass es schon groß ist und den Schnuller nicht mehr braucht. Und: dass seine Zähne viel schöner aussehen werden, wenn es nicht mehr nuckelt.
  • Hilfe von der Schnullerfee: Sie tröstet Kinder schon seit Jahrzehnten über den Abschiedsschmerz hinweg. Wenn das Kind der Schnullerfee seinen lieb gewonnen Begleiter aushändigt, bekommt es im Gegenzug ein Geschenk. Manche Familien feiern auch ein Abschiedsfest zu Ehren des Schnullers – mit Kuchen, Gästen und einer kleinen Zeremonie. In Dresden, Münster und anderen deutschen Städten gibt es einen Schnullerbaum, an den Kinder ihre Wegbegleiter hängen können.
  • Shopping-Stop: Eltern sollten defekte Schnuller entsorgen und nicht mehr durch  neue ersetzen.
  • Ortsgebundenheit: Der Nachwuchs darf den Nuckel nur noch an bestimmten Orten benutzen, zum Beispiel im Bett.
  • Neue Freunde: Der Schnuller ist für das Kind oft ein Freund, zu dem es im Laufe der Zeit eine emotionale Beziehung aufbaut. Wenn die Schnullerära vorbei ist, sollte also unbedingt ein Ersatz her, zum Beispiel ein kuscheliger Teddy.

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