Expertentipps

Das richtige Spielzeug

Ist Holz besser als Plastik? Worauf sollte man in puncto Spielzeug-Sicherheit achten? Antworten von Entwicklungspsychologin Emanuela Iacchia.

Aus Plastik oder doch lieber aus Holz? Spielzeug sollte vor allem eines sein: altersgerecht.
Aus Plastik oder doch lieber aus Holz? Spielzeug sollte vor allem eines sein: altersgerecht.
©iStock.com / nickehallgren

wireltern.de: Frau Iacchia, wie wichtig ist Spielen für die Entwicklung des Babys?

Emanuela Iacchia: Spielen ist für das Kind die Chance, sich auszuprobieren, zu kommunizieren und sich auszudrücken. Dabei erkundet es die Beziehung zu sich selbst, zu seinem Körper, seinen Gefühlen und seinem sozialen Umfeld. Kurzum: Spielen ist ein wichtiger Baustein für die körperliche, kognitive, emotionale und soziale Entwicklung des Kindes.

Und wie lernt es durch Spielen?

Durch die grundlegende Aktivität des Spielens. Dieses bereitet dem Kind Freude und ist umgehend erfüllend, fordert aber oft auch seine volle Konzentration. Dabei bringt das Kind seine geheimsten Gedanken und Gefühle zum Ausdruck und legt seine Wünsche, Neigungen und Widersprüche offen. Spielen prägt die Persönlichkeit des Kindes dauerhaft.

Welches Spielzeug ist das richtige?

Altersgerecht muss es sein! Zu jeder Entwicklungsstufe des Kindes gehören bestimmte Interessen, Fähigkeiten, Wünsche und Anforderungen, auf die man mit sorgfältig ausgewähltem Spielzeug eingehen kann. Spielzeug, das man zu früh oder zu spät anbietet, erzeugt weder Interesse noch jene positive Wirkung, die Spielzeug hat, das den Anforderungen des Kindes entspricht.

Es heißt immer „pädagogisch wertvoll“ soll es sein. Was macht gutes Spielzeug aus?

Je unterschiedlicher die Anreize, die das Kind erhält, desto besser entwickelt es sich: Ein Spielzeug sollte seinen Tast-, Seh-, Hör- Geruchs- und Geschmackssinn anregen – mit immer anspruchsvolleren und komplexeren Formen. Die Anreize müssen aber wohl dosiert sein; es dürfen weder zu viele, noch zu wenige sein.

Und was ist besser: Spielzeug aus Holz oder Kunststoff?

Kunststoff- und Holzspielzeug steht nicht in Konkurrenz zueinander – es ergänzt sich viel mehr! Kunststoffspielzeuge etwa lassen sich abwaschen und eignen sich daher besser für den ersten Lebensabschnitt, wenn das Baby alles in den Mund steckt. Sie sind farbenfroh und verfügen meist über zahlreiche Funktionen. Holzspielzeuge sind schwerer als ihre Verwandten aus Kunststoff. Sie regen das spontane und unstrukturierte Spielen und damit die kognitiven Fähigkeiten an, zum Beispiel Steckpuzzles oder Tischspiele.

Oft spielen Kinder ja am liebsten mit Gegenständen, die eigentlich gar kein Spielzeug sind – etwa mit dem guten, alten Pappkarton.

Das stimmt. Alltägliche Gegenstände üben auf die Kleinen einen großen Reiz aus. Kinder können jede Art von Gegenstand und Material zum Spielzeug umfunktionieren. Spielen sie damit, fördert das ihre Ausdrucksfähigkeit und Kommunikation. Am besten kombiniert man den Pappkarton mit „richtigem“ Spielzeug, das dem Kind gezielte und altersgerechte Anreize bietet.

Puppen für Mädchen, Spielzeugautos für Jungen?

Kinder bevorzugen in der Regel Spielzeuge, die ihrer Fantasie und Kreativität den meisten Raum lassen. Es gibt keine geschlechtsspezifischen Unterschiede bei ihrer Verwendung. In den ersten Lebensjahren ist es dem Nachwuchs völlig egal, ob man ihnen typisches „Mädchen- oder Jungenspielzeug“ anbietet. Deshalb spielen kleine Jungen eben manchmal mit Puppen und kleine Mädchen mit Spielzeugautos. Durch das symbolische Spiel haben Kinder die Möglichkeit, ihre Identität zu entdecken und dabei „geschlechtstypische“ Rollen einzunehmen. Gleichzeitig können sie aber auch in andere Rollen schlüpfen oder gar Fantasiefiguren erfinden.

Einige Kinderzimmer sind vollgestopft mit Spielsachen. Wie viel Teddy, Auto & Co. braucht der Nachwuchs?

Wenn ein Kind zu viele Spielsachen besitzt, wechselt es ruhelos zwischen diesen hin und her, nutzt sie immer nur für kurze Zeit und wird schnell unzufrieden – sein Spieltrieb jedoch bleibt unerfüllt. Mein Tipp: Geben Sie Ihrem Kind immer nur wenige Spielsachen. So wird es nicht von der Menge überwältigt, sondern kann sich auf die Qualität des einzelnen Spielzeugs konzentrieren und sich in Ruhe damit beschäftigen. Alle anderen Spielsachen sollten Sie in einer Kiste aufbewahren, damit das Kind dann hin und wieder gemeinsam mit Ihnen etwas auswählen kann. Im Gegenzug wandert dann ein anderes Spielzeug in die Kiste.

Stichwort Sicherheit.

Die neue europäische Richtlinie zur Sicherheit von Spielzeug ist in vielerlei Hinsicht die strengste Gesetzgebung der Welt. Sie definiert klar sowohl besonders strenge Sicherheitsanforderungen, die die mechanischen, chemischen, akustischen und viele weitere Eigenschaften eines Produkts betreffen, als auch die Verantwortlichkeiten für die verschiedenen Akteure – Hersteller, Importeure und Einzelhändler.

Worauf müssen Eltern beim Spielzeugkauf achten?

Dass das Produkt das CE-Siegel trägt. Damit garantiert der Hersteller beziehungsweise der Importeur, dass die Sicherheitsanforderungen der EU-Richtlinie eingehalten werden. Darüber hinaus sollten Mütter und Väter – falls vorhanden – die weiteren Warnhinweise beachten, zum Beispiel solche, die anzeigen, dass das Produkt nicht für Kinder unter drei Jahren geeignet ist. Abgesehen davon ist es natürlich unabdingbar, dass Eltern ihren Nachwuchs beim Spielen beaufsichtigen – und: bei der Wahl des Spielzeugs die Wünsche und Neigungen des Kindes berücksichtigen.

Haben Sie noch einen letzten Tipp für Eltern?

Nehmen Sie sich Zeit für das Spielen mit Ihren Kindern! Es macht die Kleinen sehr glücklich, wenn sie sehen, dass sich Mama und Papa mit Interesse einer Tätigkeit widmen, die von ihnen als ernst betrachtet wird. Schließlich stärkt es ihren Sinn für Sicherheit und Geborgenheit. Durch das Spielen mit ihnen beginnen wir, unsere Kinder zu verstehen; wir entdecken sie immer wieder neu – und nicht zuletzt auch ein Stück von uns selbst.

Unsere Expertin

Dottoressa Emanuela Iacchia, Entwicklungspsychologin und Psychotherapeutin, Osservatorio Chicco, Baby Research Center

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