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Flaschenkinder

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Wer seinem Kind nicht die Brust gibt, wird kritisch beäugt, manchmal sogar offen angefeindet. Die größten Kritiker: andere Mütter. Dabei gibt es gute Gründe, nicht zu stillen.

Keine Frau muss sich dafür rechtfertigen, dass sie stillt (außer sie zählt zu den Langzeitstillenden). Stillt sie nicht, wird allerorts eine Rechtfertigung verlangt.

Eines vorweg, liebe Leserin: Die Autorin hat ihre beiden Kinder sechs Monate voll gestillt und damit beste Erfahrungen gemacht. Nichts würde ihr ferner liegen, als eine (werdende) Mutter vom Stillen  abhalten zu wollen. Sie bittet dennoch um Toleranz und Verständnis gegenüber Frauen, die sich gegen das Stillen entschieden haben.

Stillen, ein Diktat des Zeitgeists
Wie alles andere ist auch das Stillen Moden unterworfen. Während unsere Mütter und unsere Großmütter ihren Kindern meist gar nicht oder nur kurz die Brust gaben – Pulvermilch galt als Zeichen des Fortschritts und der Emanzipation –, ist Stillen heute zur Norm geworden.

In jeder Arztpraxis, Geburtsklinik, Schwangerenberatung wird für die „natürlichste Sache der Welt“ geworben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt die international verbindliche Empfehlung „sechs Monate Vollstillen“. Darüber hinaus hat sie einen Kodex ausgearbeitet, der die Unterzeichnerländer daran bindet, Werbung für Säuglingsnahrung streng zu reglementieren und das medizinische Personal anzuhalten, die Vorzüge des Stillens zu  betonen.

Es gibt sogar Stiftungen zur Förderung des Stillens, die zu „Weltstillwochen“ aufrufen, und ein Unicef-Label, das Geburtsstationen und Geburtshäuser als „stillfreundlich“ zertifiziert. Stillen ist zu so etwas wie einer moralischen Verpflichtung geworden, der sich kaum eine Mutter zu entziehen wagt.

 

Fotos: Thinkstock

Muttermilch, ein Supercocktail
Muttermilch gilt längst nicht mehr bloß als Nahrungsmittel für Babys. Sie ist zum Supercocktail gegen Allergien, Diabetes, Übergewicht oder Krebs hochstilisiert worden.

Sie soll außerdem den Geschmackssinn des Babys schulen und seine Intelligenz fördern. Und der Stillvorgang soll die Mutter-Kind-Beziehung festigen.

Wer diese Tatsachen kennt und trotzdem nicht stillt, muss doch egoistisch und lieblos sein, oder? Dabei spielt es keine Rolle, dass einige Vorzüge der Muttermilch längst wissenschaftlich relativiert oder sogar infrage gestellt wurden.

Zum Beispiel haben inzwischen britische Forscher festgestellt, dass Zufüttern ab dem vierten Monat mehr zur Allergieprävention beiträgt als sechsmonatiges Vollstillen – zumindest in den Industrieländern.

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