Foto: www.bellybutton.de

Vorsorgeuntersuchungen

„Manches bleibt auch wohlwollenden Eltern verborgen“


Zehn Vorsorgeuntersuchungen bieten Eltern die Sicherheit, Probleme in der Entwicklung ihres Kindes rechtzeitig zu erkennen. Eine Chance, die möglichst viele Eltern wahrnehmen sollten, meint Professor Dr. Harald Mau.

In Deutschland hat jedes Kind innerhalb der ersten fünf Lebensjahre Anspruch auf kostenfreie Vorsorgeuntersuchungen: die U1 bis U9.
Die Untersuchungen sind nicht verpflichtend. Warum sind sie dennoch wichtig?

Professor Mau: Weil mit regelmäßigen Untersuchungen Mängel in der Entwicklung und der Gesundheit des Kindes frühzeitig erkannt und behandelt werden können, die auch wohlwollenden Eltern mitunter durchaus verborgen bleiben können. Selbstverständlich belasten die
Untersuchungen die Kinder in keiner Weise. Sie sind vielmehr beruhigend für Mütter und Väter. Denn in den meisten Fällen lautet das Untersuchungsresultat dass sich iht Kind altersgemäß entwickelt. Also bieten die U-Untersuchungen den Eltern auch Sicherheit und Bestätigung.

Mit der U7a wurde eine zusätzliche Vorsorgeuntersuchung geschaffen, die die Zeit zwischen der U7 und der U8 verkürzen soll. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte hält die neue U jedoch für unzureichend. Kindesmisshandlung und -vernachlässigung würden hier ebenso unzulänglich erfasst wie die Untersuchung des Sehvermögens.

Professor Mau: Kein Mediziner ist daran gehindert, den Dingen intensiv nachzugehen. Wenn ein Arzt nur ein Schema abarbeitet und den familiären Hintergrund nicht berücksichtigt, macht er einen Fehler. Dennoch: Häufig kristallisieren sich erst in einem längeren Gespräch familiäre oder soziale Problem heraus. In dieser Hinsicht gewährleisten die U-Untersuchungen keinen umfassenden Gesundheitscheck. Der Kinderarzt, der es sich aufgrund seiner wirtschaftlichen Situation und Arbeitsbelastung leisten kann, nimmt sich mehr Zeit für die Familien. Er behebt jedoch so den grundlegenden Missstand im Kindergesundheitswesen nicht. Hier muss eine angemessene Vergütung erfolgen, um jedem Kind die bestmögliche Gesundheitsprophylaxe zu ermöglichen. Und so bleibende Schäden und auch Folgekosten zu verhindern.

Lesen Sie hier weiter