Wie schaffen wir es, dass unser Kleiner (5 Monate) länger als zwei Stunden am Stück schläft?
Erklärung:
Hallo, Frau Kühn.
Unser Sohn ist 21 Wochen alt und schläft tags und nachts nie länger als zwei Stunden am Stück. Mein Mann schläft mittlerweile in einem anderen Raum, um überhaupt Schlaf zu bekommen, weil unser Sohn aktiv ist. Am Tag schläft unser Kleiner nur auf dem Arm ein, abends manchmal im Bettchen.
Ich stille voll, aber nicht immer will unser Sohn nachts auch trinken. Manchmal genügt es, ihn auf den Arm zu nehmen und er schläft sofort wieder ein.
Ich bin aber mittlerweile so übermüdet und möchte einfach mal wieder mehr als zwei Stunden am Stück schlafen. Was kann ich tun?
Vielen Dank für Ihre Hilfe.
Katja
Antwort:
Liebe Katja,
zuerst müsste natürlich abgeklärt werden, ob Ihr Sohn vielleicht Schmerzen beim Liegen hat. Gründe dafür könnten zum Beispiel sein: ein Reflux (Rückfluss des Mageninhalts in die Speiseröhre), eine Verspannung im Hals-/Nacken-Bereich (könnte durch Physiotherapeuten oder Osteopathen festgestellt und behoben werden), starke Verdauungsprobleme oder natürlich, dass er nicht mehr satt wird.
Da die Kinder in diesen Fällen „leidend“ wirken, nicht gut trinken und wenig zunehmen, wäre Ihnen so etwas aber sicher schon aufgefallen. Ist Ihr Söhnchen aber ein ansonsten aufgewecktes Kind, das gut gedeiht und die Welt erkundet, kann es sein, dass er sich einfach daran gewöhnt hat, dass Mamas Arm ein guter Ort zum Einschlafen ist. Es scheint für ihn ein Ort der Ruhe und Sicherheit zu sein, sodass er hier wunderbar einschlafen kann.
Was am Anfang für ein Neugeborenes sicher notwendig ist – viel Körpernähe und – Kontakt, das braucht ein fünf Monate altes Kind eigentlich nicht mehr unbedingt. Ihr Sohn hat ja sicher schon viel Zuwendung und Nähe „getankt“ und könnte jetzt lernen, allein einzuschlafen. Legen Sie ihn einfach mal in sein Bett, wenn er müde ist. Das wird ihm sicher erst mal gar nicht gefallen, denn eine gute alte Gewohnheit geben wir alle nicht gern auf. Vermutlich wird er lautstark protestieren. Und Weinen ist das Einzige, womit er das kann. Aber es tut ihm nichts weh und Sie brauchen auch kein schlechtes Gewissen zu haben. Wenn er älter ist, und an der Supermarktkasse Süßigkeiten haben möchte, werden Sie ihm diese sicher auch nicht immer kaufen, evtl. wird er dann ebenso schreien. Das müssen Sie dann einfach aushalten. Elternsein ist manchmal ganz schön hart!
Wenn Sie ihn in sein Bett gelegt haben, bleiben Sie da, legen Ihre Hand auf seinen Kopf, seinen Bauch, halten seine Hände oder Füße - je nachdem, was er gerne mag. Sie können ein Lied singen oder summen oder ihm etwas erzählen. Gut wäre, wenn Sie sich selbst von seinem Weinen etwas ablenken könnten. Weinen ist nicht schlimm! Wenn Ihr Sohn nicht allein ist und Sie wissen, er ist satt und müde, dann muss er ja nur noch einschlafen, und das muss er selbst tun. Denken Sie an etwas Schönes oder Nützliches oder spüren Sie Ihren Atem. Sie werden sehen: Nach einer Weile wird sich ihr Kleiner beruhigen und einfach einschlafen.
Eine Theorie besagt, dass Kinder beunruhigt sind, wenn sie nicht am selben Ort aufwachen, wo sie eingeschlafen sind. Da ist sicher etwas dran. Wenn ihr Kind auf dem Arm einschläft und in der Nacht im Bett aufwacht, erschreckt es sich vielleicht. Außerdem haben Kinder im Alter Ihres Sohnes viel weniger Tiefschlafphasen und mehr REM-Phasen. In den REM-Phasen träumen wir und verarbeiten alle neuen
Erfahrungen und Erlebnisse des Tages ("REM" steht für "Rapid Eye Movement"). Aus den REM-Phasen wachen wir leicht auf.
Ihr Sohn erlebt gerade eine ungeheuer aufregende Zeit: Er entdeckt die Welt und
beginnt, sie zu erobern. Er kann greifen, sich Sachen in den Mund stecken; vielleicht rollt er sich schon herum und beginnt, sich im Raum zu bewegen.
Welche Abenteuer jeden Tag! Das muss nachts verarbeitet werden. Und gerade da muss er sich immer wieder vergewissern, dass die Mama als feste „Sicherheitsstation“ noch da ist. Deshalb wacht er nachts so oft auf, nicht, weil er so einen großen Hunger hat. Das haben Sie ja schon festgestellt.
Sie können, sobald er sich regt, zu ihm hingehen, leise zu ihm sprechen,
ihn berühren und ihm zeigen: Es ist alles gut, die Mama ist da. Dann wird er
wahrscheinlich schnell wieder einschlafen, noch bevor er anfängt zu schreien. Wichtig bei all dem ist, dass Sie entschieden sind, ihn in seinem Bett schlafen zu lassen und ihn nicht mehr so viel herum tragen. Erst dann sollten Sie solche Maßnahmen ergreifen, sonst klappt es nicht.
Vielleicht „verbünden“ Sie sich mit Ihrem Mann, sodass Sie sich beide liebevoll
aber bestimmt Ihren Schlaf und Ihre Gemeinsamkeit wieder zurück erobern. Das wird sicher für alle gut sein. Wenn alles nichts hilft, suchen Sie doch eine Schreiambulanz auf, vielleicht kann Ihre Hebamme oder Ihr Kinderarzt Ihnen auch weiterhelfen.
Ich wünsche Ihnen baldmöglichst wieder mehr Schlaf, die Rückkehr Ihres Mannes ins Schlafzimmer und Ihnen beiden sehr viel Freude mit Ihrem Sohn!
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