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Expertenforum: Stillen, Babyzeit & Schreibabys


Datum:
16.02.2011
Name:
Sonja
Fragestellung: 
Warum wehrt sich unsere Tochter gegen das Einschlafen?
Erklärung:
Hallo, unsere Tochter ist nun etwas über vier Monate alt. Von Anfang an hatte sie Schwierigkeiten einzuschlafen. Als sie fünf Wochen alt war, waren wir bei einer Osteopathin, da sie abends von 18 Uhr an schrie, bis sie dann endlich gegen Mitternacht einschlief. Tagsüber kam sie genauso wenig in den Schlaf. Die Behandlung dort brachte Besserung. Jedoch ist es immer noch so, dass sie sich gegen das Einschlafen so sehr wehrt, und wenn sie dann nicht einschlafen kann und nicht nur schreit, sondern regelrecht kreischt und dann auch keinen Schnuller mehr nimmt. Eine zeitlang gaben wir ihr Lefax auf den Schnuller damit sie noch ein bisschen mehr daran nuckelte und dann schläft sie auch sofort ein. Eine Zeit lang haben wir sie auf den Bauch gelegt - da hat sie sich auch schneller beruhigt. Doch nun klappt das auch überhaupt nicht mehr, sie schreit dann wie am Spieß. Mittlerweile schläft sie besser auf dem Rücken. Ich habe schon oft gelesen, dass man Babys hinlegen soll, bevor sie über ihren Punkt hinaus sind. Das probieren wir auch immer wieder, doch dann schreit sie entweder oder "redet" mit sich selbst. Ich weiß auch, dass man Rituale einführen soll, aber das funktioniert auch nicht. So langsam bin ich wirklich verzweifelt und weiß nicht, wie ich sie zum Schlafen bringen soll. Sie reibt sich immer die Augen, fuchtelt mit den Armen und Beinen, dreht ihren Kopt ständig hin und her. Und wenn sie dann mal die Augen zu macht und es so aussieht, als ob sie einschläft, schreit sie sofort los - und schreit sich quasi wach. Einmal klappt eine Methode, dann wieder nicht. Momentan schläft sie nur auf dem Arm ein, was sie zuvor noch nie getan hat. Zuvor habe ich sie einfach ins Bett gelegt (auf den Bauch), sobald sie müde wurde. Warum wehrt sie sich immer noch gegen das Schlafen, obwohl sie vier Monate alt ist? Wird das irgendwann von selbst besser? Nachts schläft sie so ab ca. 21 Uhr bis morgens 8 Uhr, wird einmal in der Nacht wach und bekommt ihre Flasche. Tagsüber bekommt sie alle vier Stunden ihre Flasche. Bin ich zum Beispiel bei einer Freundin, schläft sie dort überhaupt nicht. Ich hoffe, das war einigermaßen verständlich beschrieben und hoffe, dass sie mir einen Rat geben können. Viele Grüße Sonja
Antwort:

Liebe Sonja,

das klingt ja wirklich sehr anstrengend, was Sie beschreiben! Sie haben ja schon viele Methoden ausprobiert, um Ihre Tochter zum Schlafen zu bekommen. Leider ist es nahezu unmöglich, jemanden zum Einschlafen zu bringen, wir können ihn eigentlich nur einschlafen lassen! Wir alle (insbesondere ein kleines Kind von vier Monaten) brauchen zum Einschlafen Ruhe, Sicherheit und Vertrauen. Und natürlich müssen wir satt und müde sein.

Ihre Kleine hat ja scheinbar grundsätzlich kein Problem mit dem Einschlafen, denn nachts klappt es ja doch sehr gut! Auch scheint sie ausreichend Nahrung zu haben. Sie scheinen gut zu erkennen, wenn sie müde ist, da ist sie offensichtlich auch sehr deutlich. Und auf dem Arm scheint es ihr zu gelingen, in den Schlaf zu finden, offenbar gibt ihr das zurzeit am meisten Ruhe, Sicherheit und Vertrauen. Könnte das so sein? Vielleicht nimmt sie schon so viel von der Welt um sie herum auf, lernt so viel Neues, dass sie davon fast ein bißchen überwältigt ist. Ganz oft machen Kinder Schritte nach vorn und wenn sie sich weit vorgewagt haben, müssen sie sich vergewissern, dass der sichere Ort, am Anfang meist die Mama, noch da ist. Denken Sie nur an das sogenannte Fremdeln, das ja auch erst später kommt. Die Entwicklung in die Selbständigkeit verläuft meist spiralförmig: Die Bewegung geht nach vorne, dann kommt eine gewisse Unsicherheit und eine scheinbare Rückwärtsbewegung. Sobald sich das Kind, das ja groß und unabhängig werden will, gemerkt hat, dass der sichere Ort noch da ist, kann es wieder weitergehen.

Ich würde Ihnen daher empfehlen, es einfach anzunehmen, dass Ihre Tochter im Moment tagsüber die Körpernähe braucht, um einschlafen zu können. Vielleicht nehmen Sie ein Tragetuch oder einen Tragesack und gehen mit ihr spazieren, da haben Sie beide etwas davon. Legen Sie sie aber immer wieder auch allein hin, vielleicht können Sie ein Kuscheltier oder ein Tuch einführen, das Ihrer Tochter beim Einschlafen hilft. Manchmal hilft es, ein Tuch, z. B. eine Mullwindel, über die Augen zu legen. Und beruhigen Sie sich selbst damit, dass auch ihr Kind irgendwann selbständig und groß sein möchte.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Tochter viel Ruhe und Vertrauen miteinander und reichlich gemeinsame Freude. Alles Gute!

D. Kühn

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