Expertenforum: Stillen, Babyzeit & Schreibabys
| Datum: | 04.01.2011 |
| Name: | Lin |
| Fragestellung: | Weint Baby vor Hunger? |
| Erklärung: | Sehr geehrte Frau Kühn,
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| Antwort: | Liebe Lin, es fällt mir schwer, Ihre Fragen aus der Ferne zu beantworten! Grundsätzlich möchte ich Ihnen empfehlen, sich eine fachkundige Person zu suchen, die Ihnen direkt vor Ort helfen kann. Das könnte eine Hebamme, ein Osteopath oder eine Heilpraktikerin sein oder eine Institution, die Eltern mit "Schreibabys" berät. Hier in Deutschland gibt es "Schreiambulanzen", dort würden Sie sicher gut beraten. Ob es das in Irland gibt, weiß ich nicht. Ich kann mir Ihre Not jedenfalls sehr gut vorstellen, und will versuchen, in verschiedene Richtungen zu überlegen, wie sich die Situation für Sie beide entspannen könnte. Kinder in diesem Alter machen unglaublich viele Entwicklungsphasen durch: Zahnen, Wachsen, die Welt begreifen, sich in die Welt hinein bewegen usw. Jede Phase kann Unsicherheit, Ängste und auch konkrete Schmerzen mit sich bringen, was sich in Unruhe, Wachhalten und Schreien äußert. Solange ein Kind körperlich gesund ist, in wachen Zeiten fröhlich und neugierig die Welt erkundet, gut isst und auch zunimmt, brauchen Eltern sich keine Sorgen zu machen. Sobald sich das Kind wieder sicher fühlt, wird es wieder ruhiger werden. Das Trink- bzw. Essverhalten ändert sich dann in der Regel auch wieder. Oft entlastet es, die eigenen Eltern zu befragen, wie man selbst oder der Partner als Baby war. Wenn es Parallelen gibt, gehört es wohl zum "Familienprogramm", dann kann man es einfach besser aushalten. Vielleicht setzen Sie sich einmal ganz bewusst hin (mit einer guten Tasse Tee oder Kakao!) und beobachten Ihr Kind ganz genau: Wie geht es ihm, wenn es wach und satt ist? Macht es auf Sie einen zufriedenen Eindruck? Kann es sich mit sich selbst beschäftigen? Wenn nicht, was glauben Sie, fehlt ihm? Braucht Ihr Sohn Körpernähe, will er gern getragen werden, möchte er Ansprache? Das können Sie ihm vielleicht einfach geben. Oder glauben Sie, dass er Schmerzen hat? Dann sollten sie dem nachgehen und abklären lassen, ob er - vielleicht bedingt durch den Nierenreflux - z. B. eine Entzündung an der Blase hat? Hat er Antibiotika bekommen? Dann könnte der Magen-Darm-Trakt geschwächt sein. Nehmen Sie ganz ernst, was Sie wahrnehmen! Ebenso können Sie sein Trinkverhalten beobachten: Macht er nach dem Trinken einen satten Eindruck oder haben Sie nach der Mahlzeit das Gefühl, Ihr Kind hat noch Hunger? Bei einem Kind mit 4 1/2 Monaten könnte man erwarten, dass es nach der Mahlzeit satt, aber auch noch eine Weile wach ist. Dann kann es natürlich schneller wieder Hunger haben. Allerdings können viele Kinder in diesem Alter nachts schon fast durchschlafen. Es spricht nichts dagegen, abends einen Brei einzuführen, aber nur, wenn Sie glauben, dass er schon für andere Nahrung als Muttermilch bereit ist und Sie sicher sind, dass es Hunger ist, was ihn quält. Sie können es auch immer wieder mal mit einem Fläschchen probieren, das würde Sie vielleicht etwas entlasten. Geben Sie es ihm am besten nicht, wenn er großen Hunger hat. Vielleicht bieten Sie es ihm lieber zwischendurch mal an mit etwas Wasser, damit er sich einfach daran gewöhnen kann. Sie sollten alles aber nur tun, wenn Sie selbst überzeugt sind, dass es richtig ist für Sie und ihn. Sonst wird es nicht funktionieren! Das plötzliche Aufwachen und Schreien in der Nacht könnte auf Schmerzen hindeuten, die vielleicht mit dem Nierenreflux oder der Verdauung zusammenhängen. Oder er hat schlechte Träume - könnte das sein? Oder braucht er gerade beim Einschlafen Körpernähe? Beobachten Sie ihn vielleicht auch beim Einschlafen oder besser Nicht-Einschlafen? Was meinen Sie, fehlt ihm? Ist er unglücklich, wütend oder leidend? Trauen Sie auch hier Ihrer Wahrnehmung! Und trauen Sie sich, ganz nach ihrem Gefühl zu reagieren: trösten Sie ihn, begleiten Sie ihn, wenn Sie glauben, sein Weinen hat mit Ihnen nichts zu tun, halten Sie ihn (aus!) oder lassen Sie ihn auch einfach mal weinen. Und wenn Sie es nicht oder nur schlecht aushalten, wenn Sie selbst dabei wütend oder verzweifelt werden, kann vielleicht Ihr Mann das Einschlafritual übernehmen. Zum Abschluss möchte ich den vielleicht wichtigsten Punkt ansprechen: Jenseits aller Ratgeber und aller Möglichkeiten, die als Gründe für das viele Weinen und häufige Trinken in Frage kommen, wäre es wichtig, dass Sie selbst gut für sich sorgen! Schlafmangel kann krank machen und zuviele Sorgen auch! Es gelingt schwer, einen anderen Menschen zu beruhigen, wenn man sich selbst unsicher und schwach fühlt. Das gilt für kleine Kinder ebenso wie für Erwachsene, bei Kindern eher noch mehr, weil sie noch feinere Antennen haben. Wenn der Kleine schläft, legen Sie sich auch hin, nehmen Sie ein Bad, trinken oder essen Sie etwas Leckeres, verwöhnen Sie sich selbst oder noch besser: lassen Sie sich verwöhnen. Suchen Sie sich selbst eine "Tankstelle", jemanden, der Ihnen Kraft und Zuversicht geben kann, dem Sie von Ihrem Frust und Ihrer Angst erzählen können. Das geht auch telefonisch. Die eigenen Eltern, eine Schwester, Freundin, wer auch immer. Das kann sehr entlastend sein. Damit hoffe ich, Ihnen ein paar Überlegungen an die Hand gegeben zu haben, die Ihnen möglicherweise weiter helfen. Ich wünsche Ihnen viel Kraft und bald wieder sehr viel Spaß und Freude mit Ihrem kleinen Sohn. Viele Grüße und alles Gute D. Kühn
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