szmtag

Unsere Magazine:

junge-familie.jpg

baby.jpg

kind.jpg

KiNDER.jpg

KiNDERmag.jpg

Kita-news.jpg

Sie sind hier: Startseite Expertenforum Stillen, Babyzeit & Schreibabys Weint Baby vor Hunger?

Expertenforum: Stillen, Babyzeit & Schreibabys


Datum:
04.01.2011
Name:
Lin
Fragestellung: 
Weint Baby vor Hunger?
Erklärung:

Sehr geehrte Frau Kühn,

ich wohne in Irland, mein Sohn ist 18 Wochen alt und ich stille voll. Das Stillen lief zunächst immer sehr gut aber seit ca. vier Wochen fingen die Probleme damit an, dass er tagsüber gar nicht mehr und nur noch nachts getrunken hat. Da er nicht mehr zugenommen hat, wurde er im Krankenhaus untersucht, wo ein Nierenreflux festgestellt wurde.

Mittlerweile isst er tags wieder, allerdings ist er bereits alle zwei bis drei Stunden hungrig. Aber die Nächte und das Einschlafen sind eine absolute Tortur geworden. Seit zehn Tagen schläft er nachts nicht mehr ein und wacht alle zwei Stunden schreiend auf - es ist ein gepresstes Schreien, bei dem er die Beine anzieht.

Ich versuche ihn durch Herumtragen oder den Schnuller zu beruhigen oder nehme ihn zu mir ins Bett - aber nichts hilft. Wenn ich ihn stille, beruhigt er sich manchmal - er trinkt aber nicht lange, schläft dann auch wieder ein, aber nur für eine Stunde und wacht wieder auf.

Die Ärzte hier sagen, ich muss da durch und es wird vorbei gehen. Das Problem ist, dass ich seit zehn Nächten nicht mehr als zwei Stunden am Stück geschlafen habe und mein Mann den ganzen Tag von acht bis 20 Uhr arbeitet und wir hier auch keine Familie haben.

Die Flasche nimmt mein Sohn nicht. Ich versuche, mich tagsüber mit ihm hinzulegen. Wenn er mal schlafen sollte, bin ich an einem Punkt, an dem ich nicht mehr einschlafen kann: Ich bin sehr angespannt und fahre bei jedem lauten Atemgeräusch wieder hoch.

Ich habe den Zustand mittlerweile akzeptiert, muss aber sagen, dass ich körperlich immer schwächer werde. Ich weiß, dass solche unruhigen Babys einen Tagesrhythmus brauchen, der aber durch die schlimmen Nächte nicht mehr gut funktioniert. Ich erhalte hier leider keine Hilfe, außer, dass ich durchhalten und zufüttern soll. Ich habe das Gefühl und die Angst, irgendetwas falsch zu machen.

Die ganzen Ratgeberbücher setzen mich eher unter Druck und verunsichern anstatt zu helfen. Ich bin wirklich verzweifelt und im Kopf gehen immer die selben Fragen umher:

Ist es normal, dass ein 4,5 Monate altes Baby alle zwei bis drei am Tag Stunden hungrig ist?

Weint er und wacht nachts wegen Hunger auf?

Soll ich anfangen, Reis zuzufüttern?


Zahnt er und in ein paar Tagen ist alles besser?

Steckt er in einem Wachstumsschub, der bald vorbei geht?


Soll ich ihn jedes Mal stillen, auch wenn’s nur kurz ist, wenn er nachts wach wird oder lieber nicht?


Ich bin Ihnen für jegliche Tipps dankbar.

Mit freundlichem Gruß aus Irland

Lin

Antwort:

Liebe Lin,

es fällt mir schwer, Ihre Fragen aus der Ferne zu beantworten! Grundsätzlich möchte ich Ihnen empfehlen, sich eine fachkundige Person zu suchen, die Ihnen direkt vor Ort helfen kann. Das könnte eine Hebamme, ein Osteopath oder eine Heilpraktikerin sein oder eine Institution, die Eltern mit "Schreibabys" berät. Hier in Deutschland gibt es "Schreiambulanzen", dort würden Sie sicher gut beraten. Ob es das in Irland gibt, weiß ich nicht.

Ich kann mir Ihre Not jedenfalls sehr gut vorstellen, und will versuchen, in verschiedene Richtungen zu überlegen, wie sich die Situation für Sie beide entspannen könnte. 

Kinder in diesem Alter machen unglaublich viele Entwicklungsphasen durch: Zahnen, Wachsen, die Welt begreifen, sich in die Welt hinein bewegen usw. Jede Phase kann Unsicherheit, Ängste und auch konkrete Schmerzen mit sich bringen, was sich in Unruhe, Wachhalten und Schreien äußert. Solange ein Kind körperlich gesund ist, in wachen Zeiten fröhlich und neugierig die Welt erkundet, gut isst und auch zunimmt, brauchen Eltern sich keine Sorgen zu machen. Sobald sich das Kind wieder sicher fühlt, wird es wieder ruhiger werden. Das Trink- bzw. Essverhalten ändert sich dann in der Regel auch wieder. Oft entlastet es, die eigenen Eltern zu befragen, wie man selbst oder der Partner als Baby war. Wenn es Parallelen gibt, gehört es wohl zum "Familienprogramm", dann kann man es einfach besser aushalten.

Vielleicht setzen Sie sich einmal ganz bewusst hin (mit einer guten Tasse Tee oder Kakao!) und beobachten Ihr Kind ganz genau: Wie geht es ihm, wenn es wach und satt ist? Macht es auf Sie einen zufriedenen Eindruck? Kann es sich mit sich selbst beschäftigen? Wenn nicht, was glauben Sie, fehlt ihm? Braucht Ihr Sohn Körpernähe, will er gern getragen werden, möchte er Ansprache? Das können Sie ihm vielleicht einfach geben. Oder glauben Sie, dass er Schmerzen hat? Dann sollten sie dem nachgehen und abklären lassen, ob er - vielleicht bedingt durch den Nierenreflux - z. B. eine Entzündung an der Blase hat? Hat er Antibiotika bekommen? Dann könnte der Magen-Darm-Trakt geschwächt sein. Nehmen Sie ganz ernst, was Sie wahrnehmen!

Ebenso können Sie sein Trinkverhalten beobachten: Macht er nach dem Trinken einen satten Eindruck oder haben Sie nach der Mahlzeit das Gefühl, Ihr Kind hat noch Hunger? Bei einem Kind mit 4 1/2 Monaten könnte man erwarten, dass es nach der Mahlzeit satt, aber auch noch eine Weile wach ist. Dann kann es natürlich schneller wieder Hunger haben. Allerdings können viele Kinder in diesem Alter nachts schon fast durchschlafen. Es spricht nichts dagegen, abends einen Brei einzuführen, aber nur, wenn Sie glauben, dass er schon für andere Nahrung als Muttermilch bereit ist und Sie sicher sind, dass es Hunger ist, was ihn quält. Sie können es auch immer wieder mal mit einem Fläschchen probieren, das würde Sie vielleicht etwas entlasten. Geben Sie es ihm am besten nicht, wenn er großen Hunger hat. Vielleicht bieten Sie es ihm lieber zwischendurch mal an mit etwas Wasser, damit er sich einfach daran gewöhnen kann. Sie sollten alles aber nur tun, wenn Sie selbst überzeugt sind, dass es richtig ist für Sie und ihn. Sonst wird es nicht funktionieren!

Das plötzliche Aufwachen und Schreien in der Nacht könnte auf Schmerzen hindeuten, die vielleicht mit dem Nierenreflux oder der Verdauung zusammenhängen. Oder er hat schlechte Träume - könnte das sein? Oder braucht er gerade beim Einschlafen Körpernähe? Beobachten Sie ihn vielleicht auch beim Einschlafen oder besser Nicht-Einschlafen? Was meinen Sie, fehlt ihm? Ist er unglücklich, wütend oder leidend? Trauen Sie auch hier Ihrer Wahrnehmung! Und trauen Sie sich, ganz nach ihrem Gefühl zu reagieren: trösten Sie ihn, begleiten Sie ihn, wenn Sie glauben, sein Weinen hat mit Ihnen nichts zu tun, halten Sie ihn (aus!) oder lassen Sie ihn auch einfach mal weinen. Und wenn Sie es nicht oder nur schlecht aushalten, wenn Sie selbst dabei wütend oder verzweifelt werden, kann vielleicht Ihr Mann das Einschlafritual übernehmen.

Zum Abschluss möchte ich den vielleicht wichtigsten Punkt ansprechen: Jenseits aller Ratgeber und aller Möglichkeiten, die als Gründe für das viele Weinen und häufige Trinken in Frage kommen, wäre es wichtig, dass Sie selbst gut für sich sorgen! Schlafmangel kann krank machen und zuviele Sorgen auch! Es gelingt schwer, einen anderen Menschen zu beruhigen, wenn man sich selbst unsicher und schwach fühlt. Das gilt für kleine Kinder ebenso wie für Erwachsene, bei Kindern eher noch mehr, weil sie noch feinere Antennen haben. Wenn der Kleine schläft, legen Sie sich auch hin, nehmen Sie ein Bad, trinken oder essen Sie etwas Leckeres, verwöhnen Sie sich selbst oder noch besser: lassen Sie sich verwöhnen. Suchen Sie sich selbst eine "Tankstelle", jemanden, der Ihnen Kraft und Zuversicht geben kann, dem Sie von Ihrem Frust und Ihrer Angst erzählen können. Das geht auch telefonisch. Die eigenen Eltern, eine Schwester, Freundin, wer auch immer. Das kann sehr entlastend sein.

Damit hoffe ich, Ihnen ein paar Überlegungen an die Hand gegeben zu haben, die Ihnen möglicherweise weiter helfen. Ich wünsche Ihnen viel Kraft und bald wieder sehr viel Spaß und Freude mit Ihrem kleinen Sohn.

Viele Grüße und alles Gute

D. Kühn

 

Video: Das passiert in der 28. bis 32. SSW

null

Kochen wie die Meister – aber für Kinder und mit Kindern! Im Kinderkochklub stellen Ihnen Starköche leckere und kinderleichte Rezepte vor.

Jetzt zum Kinderkochklub!

null

Sollte die Kita eine schnullerfreie Zone sein? Was tun, wenn ein Kind immer nicht mitspielen darf? Und wie erkenne ich gute Kindergärten? In den KiNDERgartennews nehmen Eltern und Erzieher Stellung zu aktuellen Fragen aus dem Kita-Alltag.

Diskutieren Sie mit!

Hier geht's zum Abo

Lead_300x250