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Expertenforum: Schulmedizin


Datum:
01.08.2011
Name:
Sonja Gastinger
Fragestellung: 
Warum will meine Tochter (11 Monate) keine feste Kost?
Erklärung:

Guten Tag, Herr Dr. Rodens.

ich habe ein Problem mit meiner elf Monate alten Tochter. Sie hat überhaupt kein Interesse an stückiger Gläschen- bzw. an unserer Familienkost. Sobald ich ihr den Löffel anbiete, spuckt sie sofort wieder alles aus und fängt an zu weinen. Sie isst nur die Gläschen ab dem vierten und sechsten Monat, Breis, Pudding, Suppen, Joghurt usw.

Was mir auch schon seit längerer Zeit auffällt ist, dass sie sehr oft ihre Zunge rausstreckt, sei es beim Plappern, Krabbeln oder Spielen. Meiner Meinung nach entwickelt sie sich altersgerecht und tut alles, was ein Kind in ihrem Alter tun sollte. Ihre Körpergröße von ca. 74 cm (KU ca. 43 Zentimeter) und ihr Gewicht von 9,2 Kilogramm sind normal. Nur ihr Essverhalten macht mir Sorgen.

Vielen Dank für Ihre Antwort.

Mfg
Sonja Gastinger

Antwort:

Liebe Frau Gastinger,

Fütterstörungen können ziemlich belastend sein. Sie sind nicht selten und gehören wie z. B. auch Schlafstörungen zu den so genannten Regulationsstörungen im Säuglingsalter.

Sie schreiben, dass – abgesehen vom Essverhalten - die Entwicklung des Kindes sonst regelrecht verläuft. Damit lässt sich schon einiges an größeren Folgeproblemen, z. B. eine Gedeihstörung, ausschließen. Viele Säuglinge strecken übrigens gerne die Zunge heraus. Meistens hat diese Beobachtung keine größere Bedeutung. Aber sprechen Sie doch Ihre/n Kinder- und Jugendärztin/arzt bei der U6-Früherkennungsuntersuchung darauf an.

Gott sei Dank handelt es sich bei der Mehrzahl der Fälle um passagere Probleme, die sich von selbst wieder geben. Schnelle und einfache Lösungen gibt es leider nicht.

Ihr wichtigstes Rezept heißt Geduld. Lassen Sie die Fütterung nicht zu einem Machtkampf werden. Druck von Ihrer Seite baut nur Widerstand beim Kind auf. Lassen Sie sich Ihren Stress nicht anmerken.

Mischen Sie immer wieder in die von ihrer Tochter gelittene passierte Beikost kleinere Stückchen hinein. Lassen sie sie an einer Brezel oder ähnlichem beißen (was oft besser angenommen wird  als feste Löffelkost).  Manchmal klappt es auch, wenn das Kind das Nahrungsmittel mit den eigenen Händen in seinen Mund führen kann.

Das Mädchen sollte an den Mahlzeiten der anderen Familienmitglieder teilnehmen. Zuschauen und nachahmen: Irgendwann "schnackelt" es vielleicht doch einmal.

Vielleicht hilft Ihnen der folgende Link noch ein wenig weiter:                                           http://www.bzga-essstoerungen.de/index.php?id=37

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg. Lassen Sie sich nicht entmutigen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Dr. Klaus Rodens

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