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Expertenforum: Schulmedizin


Datum:
15.03.2011
Name:
Anika
Fragestellung: 
Kind gegen Meningokokken impfen lassen?
Erklärung:

Guten Tag,

unser Sohn ist nun gut zwei Jahre alt und unser Kinderarzt empfiehlt, ihn bis zur Mitte des Jahres gegen Meningokokken impfen zu lassen. Allerdings hat unser Sohn auf alle Impfungen - vor allem auf die letzte MMR-Impfung - mit starken Stimmungsschwankungen, Weinerlichkeit, Angstzuständen und Unruhe (meist über sechs Wochen) reagiert.

Deshalb sind wir uns nicht sicher, ob diese Impfung ratsam ist. Wie stehen Sie dazu? Und warum soll diese Impfung eigentlich nicht (zeitnah) mit der MMR-Impfung verabreicht werden?

Vielen Dank für Ihre Mühen.

Anika K.

Antwort:

Guten Tag, Frau Anika K.,

klar können Impfungen zu Nebenwirkungen führen. Aber diese stehen in keinem Verhältnis zu den fatalen Folgen der Erkrankung, die mit der Impfung verhindert werden können. Die Erkrankung durch Meningokokken ist dafür ein Musterbeispiel.

Wenn ich  im Folgenden mit Zahlen hantiere, bitte ich um Nachsicht. Aber diese Zahlen machen verständlich, warum eine Impfung gegen Meningokokken der Gruppe C mehr als ratsam ist.

Jährlich erkranken in Deutschland ca. 600 bis 800 Menschen an einer Infektion durch Meningokokken, vor allem Kinder und Jugendliche. Erkrankungen durch diese gefährlichen Bakterien gehören zum Super-GAU einer kinder- und jugendmedizinischen Praxis oder Klinik.

Die höchste Inzidenz (Erkrankungshäufigkeit) mit mehr als zehn Erkrankungen pro 100.000 Einwohner wird im 1. und 2. Lebensjahr beobachtet. Aber auch im frühen Kindergartenalter und bei Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren gibt es noch deutlich erhöhte Erkrankungszahlen.Bei uns spielen vor allem zwei Untergruppen der Meningokokken eine Rolle:

Die Mehrzahl wird durch Erreger der Serogruppe B (ca. 65 %) und C (ca. 25 %) verursacht.

Meningokokken-Erkrankungen verlaufen in ca. zwei Drittel der Fälle als Hirnhautentzündung (Meningitis) und in ca. einem Drittel der Fälle als Blutvergiftung (Sepsis), die bei 10 bis 15 % im gefürchteten septischen Schock (Waterhouse-Friderichsen-Syndrom) endet. Bei der alleinigen Hirnhautentzündung liegt die Sterblichkeit bei ca. 3 %, bei einer Sepsis bei ca. 10 % und beim Waterhouse-Friderichsen-Syndrom bei ca. 35 %, insgesamt bei ca. 10%.

Erkrankungen durch Meningokokken der Gruppe C führen im Vergleich zu Erkrankungen druch Meningokokken der Gruppe B in einem etwas höheren Prozentsatz zum Tod.

Die STIKO (Ständige Impfkommission) empfiehlt seit Juli 2006 die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe C für alle Kinder im 2. Lebensjahr (also ab dem ersten Geburstag) zum frühestmöglichen Zeitpunkt.

Eine Impfung gegen die häufigere Serogruppe B wird derzeit entwickelt bzw. geprüft.

Ich schließe mich dieser Empfehlung der frühen Impfung uneingeschränkt an.

Aus meiner nicht zu kleinen Erfahrung als impfender Kinder- und Jugendarzt wird die "Men "-Impfung übrigens von den meisten Kindern sehr gut vertragen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Klaus Rodens

 

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