Expertenforum: Schulmedizin
| Datum: | 13.06.2011 |
| Name: | Rieger |
| Fragestellung: | Wie kann ich eine Milchunverträglichkeit bei einem Baby feststellen? |
| Erklärung: | Guten Tag, Herr Dr. Rodens.
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| Antwort: | Guten Tag, Frau Rieger. Ihre Frage zu beantworten, ist gar nicht so einfach. Die Ablehnung der Pre-Nahrung allein ist kein ausreichendes Kriterium für den Verdacht auf eine Kuhmilcheiweißallergie. Kuhmilch (das verstehen Sie wahrscheinlich unter "Milch") ist das Nahrungsmittel, das im Säuglings- und Kleinkindalter am häufigsten zu Allergien führt. Etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung leiden darunter. Neben Problemen des Magen-Darm-Trakts (wie Durchfall, Nahrungsverweigerung, Erbrechen, Koliken usw.) kann die Kuhmilcheiweißallergie auch zu Hautreaktionen (Nesselsucht, Ekzeme usw.) oder Komplikationen in den Atemwegen (z. B. zur Einengung der Bronchien) führen. Wenn solche Symptome im Zusammenhang mit der Kuhmilchnahrung auftreten, sollte eine diagnostische Eliminationsdiät erfolgen, d. h., man sollte auf Milchnahrungen und Beikost auf der Basis von Kuhmilcheiweß, Sojaeiweiß und anderen tierischen Eiweißen (beispielsweise Ziegenmilch) verzichten. Bei Säuglingen ersetzt man diese am besten durch eine stark hydrolysierte Milchnahrung (eHF) oder eine Aminosäuren-Formula (AAF). Die von Ihnen angesprochenen so genannten hypoallergenen Säuglingsnahrungen sind hierfür nicht geeignet. Die spezifischen Antikörpern (IgE) im Blut des betroffenen Kindes nachzuweisen, ist ein weiterer Baustein in der Allergiediagnostik. Bessert sich die klinische Symptomatik des Kindes unter dieser Eliminationsdiät, sollte nach Rücksprache mit Ihrem Kinder- und Jugendarzt die Diagnose einer Kuhmilcheiweißallergie mit einer so genannten oralen Provokation mit Kuhmilcheiweiß bestätigt werden. Diese Provokation, bei der dem Kind Kuhmilcheiweiß zugeführt wird, darf nie ohne ärztliche oder in schweren Fällen stationäre Beobachtung in Notfallbereitschaft durchgeführt werden. Säuglinge mit gesicherter Kuhmilcheiweißallergie sollten bis zum vollendeten zwölften Lebensmonat eine therapeutische Nahrung in Form einer eHF oder AAF erhalten. Übrigens darf man eine Allergie gegen Kuhmilch nicht mit einer Milchzucker (Laktose)- Unverträglichkeit verwechseln. Diese hat nichts mit einer Allergie zu tun und tritt eher bei größeren Kindern (und Erwachsenen) auf.
Mit herzlichem Gruß Ihr Dr. Klaus Rodens |







