Expertenforum: Väter-Experte
| Datum: | 05.06.2008 |
| Name: | Nina |
| Fragestellung: | Muss Mann mit zur Geburt |
| Erklärung: | Lieber Herr Schäfer,
|
| Antwort: | Liebe Nina, aus meiner Sicht gibt es keinen Zwang für einen Mann, bei der Geburt seines Kindes dabei zu sein. Bei Ihnen sieht die Angelegenheit klar aus: Ihr Mann möchte nicht bei der Geburt dabei sein und Sie finden das okay. Er herrscht bei Ihnen als Paar Einvernehmen, und daher sollten Sie beide sich von niemandem unter Druck setzen lassen. Es ist Ihre Sache. Es gibt keine Norm, die hier irgendetwas vorschreibt. Lassen Sie mich noch kurz ausführen, was ich bei vielen Gesprächen mit frischgebackenen Eltern gehört habe. Bei der Frage, ob der Partner bei der Geburt dabei sein soll, existiert eine Reihe von Scheinklarheiten. Aus meiner Sicht und Erfahrung ist es für die meisten Paare heute selbstverständlich, dass der Partner bei der Geburt dabei ist. Viele Paare sprechen gar nicht mehr miteinander darüber, ob es für beide wirklich das Richtige ist, dass der Partner bei der Geburt dabei ist; es ist "einfach" klar. Manche Männer, die bei der Geburt ihres Kindes dabei waren, berichten mir hinterher, wenn sie gewusst hätten, was sie da erwartet, dann wären sie nicht mitgegangen. Natürlich berichten dies insbesondere Männer, die schwere und/oder komplizierte Geburten miterlebt haben. Dazu kommt aber häufig, dass die Männer mitgegangen sind, ohne sich vorher darüber zu informieren, was sie "da" erwartet, d.h. sie haben nicht am Geburtsvorbereitungskurs teilgenommen und sich auch nicht anderweitig - etwa durch Lektüre oder Gespräche - über das Geschehen rund um die Geburt informiert und fallen dann aus allen Wolken. Ich empfehle deshalb allen Männern, die Väter werden, dass sie sich gut darüber informieren, was sie bei der Geburt ihres Kindes erwartet. Ein Geburtsvorbereitungskurs ist eine gute Gelegenheit dafür (häufig werden Geburtsvorbereitungskurse mit einem oder zwei "Partnerabenden" angeboten; hier in Berlin bieten wir "Crashkurse" speziell für werdende Väter an). Man kann auch Freunde, den Bruder oder auch den eigenen Vater fragen, wie es war, "dabei" zu sein. Ich empfehle desweiteren allen Männern, sich mit Ihren Partnerinnen darüber zu unterhalten, wie sie - beide - zur Anwesenheit des Mannes bei der Geburt stehen. In den meisten Fällen berichten sowohl Männer als auch Frauen nach der Geburt, dass das gemeinsame Erleben der Geburt für beide Partner eine neue Qualität in der Paarbeziehung mit sich bringt. Das gemeinsame Erleben der Geburt scheint die Beziehung vieler Paare zu intensivieren. Auf jeden Fall würde ich Ihnen und Ihrem Mann empfehlen, dass Ihr Mann möglichst bald nach der Geburt dabei sein kann, um sein Kind zu begrüßen und kennenzulernen. Die Phase kurz nach der Geburt - die erste Stunde im Leben ihres Kindes - sollten Sie zu dritt erleben und genießen. Dies ist nicht nur die beste Gelegenheit, sich über das gemeinsame Baby zu freuen und darüber, dass man nun ein Elternpar ist, sondern in dieser sogenannten Bonding-Phase werden auch wichtige psychologisch-emotionale Grundlagen für die Beziehung zwischen Mutter und Kind sowie - ebenso wichtig - zwischen Vater und Kind gelegt. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Mann alles Gute auf dem Weg zur glücklichen Familie! Ihr Eberhard Schäfer |







