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Junge Mutter - alte Mutter

Man sieht ihnen fast 30 Jahre Altersunterschied nicht an. Soraia (21), Adrienne (49) und Martha (22) mit ihren Kids auf dem Spielplatz. Fotos: Peter Pototzki

Das beste Alter zum Kinderkriegen ist immer

Auf dem Spielplatz sieht man heute häufiger Mütter und Väter, die rein theoretisch Omas und Opas sein könnten. Manche sind es, andere haben erst spät ein Baby bekommen.

Manch ältere Mutter hat schon zu hören bekommen: „Sie haben aber ein süßes Enkelkind!“ Wenn eine Frau heute dagegen mit 20 Jahren ein Kind bekommt, wird sie gefragt: „Oh war das ein Unfall?“ Tatsache ist: Mütter werden im Durchschnitt immer älter, bevor sie ihr erstes Kind zur Welt bringen. Das hat mit dem gesellschaftlichen Wandel der letzten 40 Jahre zu tun.

Heute sind Frauen in der Regel gut ausgebildet, und viele wollen Berufser­fahrung sammeln und Karriere machen, bevor sie eine Familie gründen. Wer Kinder bekommen will, wartet oft damit, bis das Studium beendet, ein Haus gebaut und der richtige Mann gefunden ist. Doch was ist besser fürs Baby? Eine junge Mama oder eine mit Lebenserfahrung?

Der wahrscheinlich größte Vorteil, mit dem Kinderkriegen zu warten, ist, dass eine Frau Zeit hat, sich zu entwickeln und die Welt zu sehen, finanziell abgesichert zu sein und die berufliche Karriere gemacht zu haben. Wer schon seit einiger Zeit mit seinem Partner zusammenlebt, kennt ihn gut und kann die Beziehung einschätzen. Eine solide Grundlage für eine Familie. Während das Durchschnittsalter der Frauen bei der Geburt des ersten Kindes in Westdeutschland in den 60er-Jahren bei 23 lag (in Ostdeutschland bei 21), sind wir heute bei 30 Jahren angekommen – Tendenz weiter steigend.

Im Jahr 2009 haben vor allem Frauen im Alter zwischen 33 und 40 Jahren durchschnittlich mehr Kinder bekommen als die gleichaltrigen Frauen in den Jahren davor. In den jüngeren Jahrgängen nahm die  Geburtenhäufigkeit weiter ab. Studien belegen, dass ältere Mütter häufig gebildeter sind als junge Mütter und überlegtere Entscheidungen bei der Kindererziehung treffen. Ältere Mütter stillen eher und ernähren sich auch gesünder. Das heißt aber nicht, dass sie die besseren Mütter sind.

Mit Kindern zu warten, hat zudem finanzielle Vorteile. Laut einer Forschungsstudie sparen in Vollzeit beschäftigte Frauen in Deutschland rund 20.000 Euro pro Jahr – einfach dadurch, dass sie das Kinderkriegen verschieben. Frauen, die zuerst Erfahrungen am Arbeitsplatz sammeln, kehren nach dem Mutterschaftsurlaub schneller an ihren Arbeitsplatz zurück. Sie fühlen sich ihrem Arbeitgeber verbunden. Es ist leichter für sie, eine Teilzeitstelle zu bekommen als dem Arbeitsmarkt den Rücken zu kehren.

Eltern um die 40 konzentrieren sich mehr auf ihre Kinder als jüngere Eltern. Sie hatten Zeit, Lebenserfahrung zu sammeln, sind reifer, und haben viele Erfahrungen gemacht, bevor sie Kinder bekamen. Sie haben kein Problem damit, mal eine Party zu verpassen, weil sie schon genug gefeiert haben. Sie haben zwar weniger Energie, aber mehr Geduld.

Der größte Nachteil beim Aufschieben einer Schwangerschaft bis jenseits der 40 ist: Je länger Sie warten, desto schwieriger ist es, schwanger zu werden. Denn 15 Jahre bevor eine Frau in die Wechseljahre kommt, verringert sich die Anzahl der Eizellen. Die gereiften Eizellen haben öfter chromosomale Defekte, die Risiken wie Fehlgeburten und Geburtsschädigungen hervorrufen können.

Eine neue Studie in der medizinischen Fachzeitschrift Fertility and Sterility (Fruchtbarkeit und Sterilität) untermauert dieses Argument. Forscher fanden heraus, dass 40-jährige Frauen, die wegen Unfruchtbarkeit behandelt wurden, mit einer 25-prozentigen Chance mit eigenen Eizellen schwanger werden konnten. Im Alter von 43 Jahren fiel diese Zahl auf 10 Prozent und mit 44 Jahren war sie auf 1,6 Prozent gesunken. Von den Frauen, die schwanger wurden, lag die Rate der Fehlgeburten bei 24 Prozent bei den 40-Jährigen, bei 38 Prozent bei den 43-Jährigen und 54 Prozent bei den 44-Jährigen.

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