Überflieger
Hochbegabte Kinder
Ein Kind entwickelt sich schneller als andere. Schon früh hat es ein Gespür für Buchstaben oder Zahlen und besitzt ein gutes Gedächtnis. Manche Eltern kommen gar nicht auf den Gedanken, andere hegen eine gewisse Vermutung: Ist ihr Kind vielleicht hochbegabt? Die Begabung ist ein Geschenk, wenn sie die Möglichkeit hat, sich in einem geeigneten Umfeld zu entfalten. Sie kann für Eltern und Kinder aber auch zur Belastung werden – denn die Schule ist für die Blitzgescheiten nicht zwangsläufig ein Kinderspiel.
Atomphysiker!“ Vincents Berufswunsch kommt wie aus der Pistole geschossen. „Es muss auf jeden Fall etwas mit Rechnen zu tun haben“, findet der hochbegabte Neunjährige. Nicht verwunderlich, Mathe ist schließlich sein Steckenpferd. Noch bevor er sprechen konnte, löste er Rechenaufgaben, mit vier Jahren ratterte er das kleine Einmaleins herunter. Wie Vincent gelten etwa zwei Prozent der Jungen und Mädchen in Deutschland als hochbegabt. Sie sind in der Lage, außergewöhnliche intellektuelle Leistungen zu erbringen. Das Potenzial schimmert mitunter schon im Kleinkindalter durch. So wie bei Victoria, die sich früh das Lesen beibrachte oder bei Alexander, der als Vierjähriger die Hausaufgaben von Erstklässlern erledigen konnte.
Gemischte Gefühle
Als erste Anlaufstelle zur Orientierung dienen interessierten Eltern Verbände wie die „Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind e. V.“, die viele regionale Vertretungen hat. Beratungslehrer oder Schulpsychologen können in der Regel ebenfalls Einstiegsinformationen geben oder explizit Beratungsstellen nennen. Christiane Fischer-Ontrup, kommissarische Geschäftsführerin des „Internationalen Centrums für Begabungsforschung“ der Universität Münster, stellt fest, dass Familien den Weg zu einer Beratungsstelle häufig dann finden, wenn ihr Kind Schwierigkeiten in der Schule hat und sie sich Aufklärung über die Ursachen erhoffen.
Auch Fragestellungen wie „Sollen wir unsere Tochter früher einschulen?“ oder „Soll mein Sohn eine Klasse überspringen?“ sind gängige Anlässe, Expertenrat einzuholen. „Wir führen zunächst Gespräche, ermitteln das Begabungsprofil und schauen konkret: Was kann das Kind gut, wo hat es Schwierigkeiten?“, sagt Christiane Fischer-Ontrup. In unterschiedlichen Testverfahren werden Stärken und Schwächen ermittelt. Steht schließlich die Diagnose „Hochbegabung“, durchleben Eltern eine Bandbreite der Emotionen: Manche hatten schon so ein Gefühl, andere Eltern können nicht nachvollziehen, warum ein hochbegabtes Kind schlecht in der Schule ist, wieder andere freuen sich oder sind überfordert.
Lernpotenziale richtig ausschöpfen