Frühling, Sommer, Herbst und Winter

Mit Kindern die Jahreszeiten erleben

Licht und Farben! Frisches Gras – wie das duftet! Nach einem langen Winter sehnen sich alle nach Sonnenlicht und Farbe. Für die kindliche Entwicklung ist das Erleben der Jahreszeiten besonders wichtig. Ihr verlässlicher Rhythmus bietet Orientierung und Halt. Naturpädagogen sprechen dem Jahreskreislauf daher einen besonderen Wert zu.

Draußen grünt, blüht und zwitschert es bereits, der Frühling kommt – und mit ihm Licht, Farbe und frische Gerüche. Die Menschen in Mitteleuropa haben das Glück, die Jahreszeiten sehr intensiv erleben zu können. Sind sie auch durch den Klimawandel etwas verwischt, hat doch jede Zeit im Jahreslauf ihre ganz besonderen Naturereignisse.

Im Wald und auf Wiesen entdecken Kinder ihre Welt im Frühling, Sommer, Herbst und Winter immer wieder neu. „Wenn Kinder die Besonderheiten der Jahreszeiten bewusst kennenlernen, bekommen sie auch eine Bedeutung für die Kinder“, sagt Irmgard Kutsch, Naturpädagogin und Gründerin der Natur-Kinder-Garten-Werkstatt im Bergischen Land. „Den Kindern hilft das, einen Bezug zu der Umgebung zu bekommen, in der sie aufwachsen, und sich in ihr immer mehr zu Hause zu fühlen.“

Sicherheit und Sinnesanregung

Auf das Kommen und Gehen der Jahreszeiten ist Verlass: Eine folgt auf die andere, jede von ihnen hat ein bestimmtes und wiederkehrendes Gesicht. Kindern gibt das Sicherheit, wenn etwas wieder kommt, was sie schon erlebt haben.
Und es ist für Kinder und Erwachsene gleichermaßen anregend zu beobachten: Wo geht jetzt im Frühling die Sonne auf? Dann entdeckt man, dass sie jeden Morgen über dieser einen Häuserecke steht. Und nächstes Jahr ist das wieder so.
„Wenn sich Vertrautes wiederholt, ist das sehr wesentlich für Kinder“, sagt Irmgard Kutsch. „Es bietet ihnen Verlässlichkeit und das Wissen um Beständigkeit – und damit Orientierung und Sicherheit.“

Diese Stärken der Natur wissen auch Gründer und Pädagogen von Waldkindergärten zu schätzen. Die Waldkindergartenpädagogik gewann in Deutschland innerhalb der letzten zehn Jahre immer mehr an Bedeutung. Seit dem Jahr 2000 entstanden gut 400 Waldkindergärten in Deutschland. Inzwischen gibt es ungefähr 530 solcher Einrichtungen.
„Die Jahreszeiten hautnah und ganzheitlich zu erleben, hat eine ganz andere Qualität, als sie nur durchs Fenster zu beobachten“, weiß auch Elisabeth Lacis, Vorsitzende des Landesverbandes der Wald- und Naturkindergärten NRW e. V. „Im direkten Erleben werden die Sinne der Kinder angeregt und gepflegt.“
Wenn Kinder die Natur im wahrsten Sinne des Wortes begreifen, verstehen sie die Zusammenhänge ihrer Umwelt besser – und finden so auch leichter ihren eigenen Platz in der Welt.

Auf Entdeckungsreise gehen

Sobald Erwachsene sich für die Jahreszeiten interessieren, tun Kinder das auch, da sie sich am Tun der Eltern orientieren. Denn Kinder brauchen Vorbilder. „Es ist ganz wichtig, dass sich auch die Erwachsenen der Natur zuwenden und Kindern das Erleben der Natur vorleben und sie dabei begleiten“, weiß Irmgard Kutsch. Allerdings haben viele junge Eltern ihre Kindheit selbst wenig naturbezogen erlebt. Wie können sie da Vorbild für ihren Nachwuchs sein?
„Es gibt neben den Waldkindergärten auch eine Vielzahl an Natur-, Umweltverbänden und Familienbildungswerken, die Kurse und Freizeitangebote in der Natur anbieten“, sagt Elisabeth Lacis. „Aber man kann auch ohne große Vorbereitung direkt vor der Haustüre auf Entdeckungsreise gehen - im nächstgelegenen Wald, auf Nachbars Feld oder in umliegenden Parks und Gärten.
Es ist spannend, dort die Bäume in ihren jahreszeitlichen Kleidern gemeinsam zu beobachten oder den Nestbau der Vögel zu Beginn des Sommers und ihren Flug gen Süden im Spätsommer zu verfolgen. Ebenso die unterschiedlichen Blüten und Früchte im Jahreslauf auszumachen.
Fragen Sie einmal ein Kind, wann bei uns Erdbeeren oder Tomaten wachsen, wann die ersten Kartoffeln oder Getreide geerntet werden. Nur wenige Kinder wissen das. Damit bringt man sie jedoch um einen großen Erfahrungsschatz.“
Kinder ziehen in diesen hektischen, schnelllebigen Zeiten große Kraft und Standhaftigkeit aus der Ruhe der Natur. Zudem regt ihr wiederkehrender Wandel die Phantasie der Kinder an und schenkt ihnen einen nahezu endlosen Lern- und Entwicklungsspielraum.

Die Jahreszeiten ins Haus holen

Feste sind ebenfalls eine gute Möglichkeit, die Jahreszeiten stärker in den Familienalltag zu integrieren. Das Feiern bestimmter Anlässe, wie sie im Kalender stehen, aber auch der kleinen, die offiziell gar keine sind: Der Beginn einer Jahreszeit und ihre Festtage können zelebriert werden mit gemeinsamen Aktivitäten in der Familie: einen Frühlingszopf backen, einen Drachen basteln oder in der Nacht zum Pfingstsonntag kleine Pfingstbüsche aufhängen. So wird aus jeder Jahreszeit ein Fest für die Sinne.
Darüber hinaus kann ein „Jahreszeitenplatz“ in der Wohnung – auf einem Tisch, einer Kommode oder einem Regalboden – jahreszeitliche Schätze wie bunte Blätter, Tannenzweige, Zapfen oder Gräser zeigen. Kinder bekommen durch das tägliche Anschauen und die Freude am Mitgestalten die Möglichkeit, das Jahresgeschehen noch intensiver mitzuempfinden. So werden sie mit ihrer Umwelt von Jahreszeit zu Jahreszeit und von Jahr zu Jahr vertrauter.

Der Frühling

Ritual mit Tradition
Bereits ab dem 2. Februar wird das Licht stärker. Das fast vergessene Fest Maria Lichtmess feiert an diesem Tag das neu erwachte Tageslicht, das Besondere dieser Jahreszeit.
Früher hat man zu diesem Anlass aus dem Talg der im Herbst geschlachteten Tiere Kerzen gefertigt und sie zu Lichtmess als Symbol des neuen Lichts geweiht und aufgestellt.
Warum also nicht auch in einem morgendlichen Ritual eine Kerze anzünden, um gemeinsam das Tageslicht zu begrüßen! Wirklich erleben können Eltern und Kinder das neue Licht jedoch erst, wenn sie auf Exkursion gehen – am besten in den Wald oder in den Park – und sich die Lichtspiele der Sonne anschauen, die ersten Blütenknospen entdecken und die Bäume und Sträucher dabei beobachten, wie sie ihre graubraune Winterfarbe verlieren.

Das Gras wachsen hören
Wer einige Samenkörner in Erde und Tontöpfen aussät, kann das Getreide beim „Wachsen ans Licht“ bestaunen. Stehen die Samen hell und warm und erhalten ausreichend Wasser, zeigen sich die ersten Keime meist schon nach fünf bis zehn Tagen.
Danach werden sie jeden Tag ein bisschen größer. Zu Ostern haben die Kinder dann ein selbst gezüchtetes Osternest, in dem man wunderbar ein buntes Osterei oder einen kleinen Hasen verstecken kann.
Für die Ostereier einfach gemeinsam mit den Kindern in der Natur oder auf dem Markt auf Färbematerialjagd gehen und die Eier mit Efeu oder Brennesseln (grün), roter Beete (rotviolett) und Zwiebelschalen (gelb) einfärben.

Nisthilfen für Vögel
Ebenso farbenfroh zeigen sich auch die Vögel, die jetzt im Frühjahr langsam aus dem Süden zu uns zurückkehren. Immer seltener finden sie jedoch in den Städten und Gärten geeignete Nistgelegenheiten.
Mit dem Bauen von Nistkästen können Eltern und Kinder daher die „Wohnungsnot“ der Vögel lindern und gleichzeitig die Vögel an einem bekannten Ort - aus sicherer Entfernung mit einem Fernglas – beim Brüten, Futter beschaffen und Aufziehen der Vogelkinder beobachten.

Den Sommer erleben
Foto: Barbara von Woellwarth

Kräutergärtchen
Die meisten Kräuter lieben Sonne und trockene Standorte, einige aber leichten Schatten und feuchte Erde. Deshalb eignet sich für einen Kräutergarten am besten die Form einer Spirale. Sie kann jedem Kraut den passenden Lebensraum bieten.
An einem sonnigen Platz im Garten wird zunächst der innere Bereich der Spirale mit Kieseln oder Bauschutt aufgeschüttet und mit Steinen in Kreisform in mehreren Schichten umlegt, so dass der aufgeschüttete Bereich gestützt wird und eine Rundung erhält. Der Bereich bekommt eine dünne Erdschicht für anspruchslose und wärmebedürftige Kräuter wie zum Beispiel Thymian oder Lavendel.
Die weitere Rundung der Spirale sollte im Schatten liegen und ebenfalls mit Steinen umlegt werden. Dieser Teil der Spirale wird mit Gartenerde und Kompost aufgefüllt für schattenverträgliche mit höherem Nährstoffbedarf (z. B. Petersilie und Basilikum).
Am Fuße der Spirale kann, umringt von einer Steinlage, eine Kuhle ausgehoben werden und ein kleiner Teich angelegt werden als Standort zum Beispiel für Brunnenkresse und Minze.
Die Kräuter können frisch geschnitten in Speisen und einfach auf Brot verarbeitet oder getrocknet etwa in selbst genähte Stoffsäckchen gefüllt werden.

Spielteiche und Wasserläufe
Für viele Kinder ist die Begegnung mit einem plätschernden Bach oder das Spiel an Fluss oder See keine Selbstverständlichkeit. Ein kleiner Spielteich oder Wasserlauf ist daher für Kinder ein schöner Lebens- und Erfahrungsraum zur Sinnesentfaltung.
Ein Wasserteich kann schon in einer simplen Zinkwanne entstehen, aber noch schöner ist es, mit Kindern gemeinsam einen Spielteich im Garten (mit 10 bis 15 cm Wassertiefe) anzulegen oder Ausflüge zu nahe gelegenen Bächen oder Flüssen zu machen. Dort kann man Wasserläufe und Staudämme bauen oder ein kleines, selbst gebautes Floß - aus alten Korken, einer Holzkiste oder einer halbierten, ausgehöhlten Melone - auf Seefahrt schicken.

Beerenmarmelade
Himbeeren, Erdbeeren, Johannisbeeren, Brombeeren oder Heidelbeeren haben jetzt Hochsaison und finden sich im Wald und selbst in Städten an manchem Wegesrand zum Pflücken. Mit ausreichend Eimern, Dosen oder Schüsseln bewaffnet, wird daraus eine reizvolle Familienaktion.
Ebenso schön ist die gemeinsame Verarbeitung der gesammelten Beeren. Heidelbeeren schmecken zum Beispiel fantastisch in Pfannkuchen. Zu Marmelade verarbeitet, hat man von den Beeren allerdings das ganze Jahr noch etwas.
Dazu 1 kg Beeren und 500 g Rohrzucker in einem großen Topf zum Kochen bringen. Etwa zehn Minuten unter ständigem Rühren weiterkochen und 1 TL Agar Agar (zuvor in 3-5 EL Wasser auflösen, in Reformhäusern erhältlich) und etwas Zitronensaft zufügen. Nochmals aufkochen und dann die heiße Marmelade in Schraubgläser einfüllen, fest zudrehen und das Glas auf den Kopf stellen.

Den Herbst erleben
Foto: Barbara von Woellwarth

Drachenvogel
Aus alten Zeitschriften Seiten ausreißen, die Seiten halbieren und mit der Schere Fransen einschneiden (1 cm Rand lassen). Nun mit den Fransenblättern eine leere Küchenrolle bekleben. Dabei mit einem Blatt am unteren Ende der Rolle anfangen, den nicht zerfransten Papierrand mit Klebstoff einschmieren und das Papier um die Rolle legen.
Das nächste Papier etwas höher ansetzen und ebenfalls ankleben. Nach und nach mit den Papierseiten die Papprolle bekleben und das letzte Drittel frei lassen. Diese Fläche mit buntem Papier umkleben und an das vordere Ende der Rolle mit Klebeband einen aus Karton geschnittenen Schnabel anbringen.
Auf dem Klebeband können noch Augen aus Wattekugeln angebracht werden. Im vorderen Teil in beide Seiten zwei kleine Löcher machen und einen festen, etwa 15 cm langen Gummi durchziehen und fest verknoten.
Nun im Freien einen stabilen Stock suchen, das Gummi über die Stockspitze legen, am Ende der Papprolle ziehen – so spannt sich das Gummi – loslassen und schon fliegt der Drachenvogel!

Vogelfutter selbst herstellen
Vogelfutter für den Winter wird im Herbst gesammelt und gut getrocknet. Hierfür an Wegrändern nach stehen gebliebenen Getreideähren, Samen von Gräsern, Brennnesseln, Schafgarbe und Margeriten und im Wald nach Beeren, Bucheckern, Zapfensamen von Kiefern, Fichten, Lärchen oder Tannen Ausschau halten.
Um aus den gesammelten, getrockneten Samen und Beeren Vogelfutter herzustellen, müssen diese zunächst in 3-5 kg erhitztem Pflanzenfett, z. B. Kokosfett oder Pflanzenmargarine, getränkt werden. Durch die kurze Erhitzung wird eine spätere Schimmelbildung verhindert.
Danach die Futtermischung in eine feuerfeste Schale füllen. Während die Mischung abkühlt, an umgedrehten Tontöpfen kleine Anflughölzer für die Vögel mit Blumendraht oder Klebstoff befestigen.
Danach ein stabiles Band oder Seilstück durch das Tontopfloch im Boden ziehen und mit einem dicken Knoten eine Aufhängschlinge herstellen.
Zum Schluss die Tontöpfe mit dem Futter auffüllen und den Inhalt gut festdrücken. Die Töpfe stehen lassen, bis die Futtermischung ausgehärtet ist. Wenn im Winter Frost und Schnee den Vögeln den Zugang zu natürlichem Futter verwehren, die Töpfe einfach in die Bäume hängen.

Früchte trocknen als Wintervorrat
Äpfel und Birnen werden gewaschen und können entweder mit oder ohne Schale getrocknet werden. Mit einem Apfelstecker das Kerngehäuse entfernen und dann 3-5 mm dicke Ringe schneiden. Die Ringe jeweils mit einer Lücke dazwischen auf eine Kordel fädeln und in einem beheizten Raum – am besten über der Heizung oder dem Kachelofen – aufspannen.
Fühlen sie sich ledrig an, lassen sich aber noch biegen, sind die Obstringe genügend getrocknet.  Das getrocknete Obst in Gläsern oder Plastiktüten aufbewahren und den ganzen Winter über genießen.

Den Winter erleben
Foto: Hilde Vogtländer, pixelio

Gefrorene Kunst
Schnee ist eine wunderschön formbare Masse und hervorragend geeignet für das Bauen von Schneeskulpturen. Da es allerdings nicht in allen Breitengraden schneit, doch fast überall schon mal Minusgrade herrschen, können auch andere winterliche Kunstwerke entstehen.
Als Hilfsmittel benötigt man lediglich ein tiefes Backblech und Naturmaterialien wie liegen gebliebene Herbstblätter oder kleine Äste. Das Backblech mit Wasser volllaufen lassen und die Materialien in das Wasser legen.
Das Backblech ins Freie stellen und gefrieren lassen. Schwerere Materialien erst auflegen, wenn sich bereits eine dünne Eisschicht gebildet hat. Wird auf die Materialien erneut Wasser gegeben, sind sie später ganz im Eis eingeschlossen.
Über Nacht gefrieren lassen und das viereckige Eisgebilde aus dem Backblech heben. Fertig ist das Kunstwerk!

Adventskranz binden
Kinder helfen beim Binden des Adventskranzes in der Vorweihnachtszeit gerne mit.  Äste von möglichst nicht nadelnden Bäumen, zum Beispiel von der Nordmannstanne oder der Kiefer, nehmen. Außerdem können Buchsbaum, Kirschlorbeer und Efeu verwendet werden.
Die Spitzen schneidet man auf circa 20 cm Länge ab, das übrige Astholz mit Blumenbindedraht zu einem ringförmigen, stabilen Kranzunterbau zusammenbinden. Nun die vorbereiteten Zweige schichtweise um den Kern des Kranzes legen und spiralförmig mit Bindedraht festwickeln.
Den duftenden Kranz mit Kerzen und Weihnachtsschmuck schmücken und in der Familie das zunehmende Licht der vier Adventskerzen erleben.

Barbarazweige
Der 4. Dezember ist der „Barbaratag“. Die Zweige vom Kirsch-, Apfel-, Pflaumen-, Mandelbaum oder der Rosskastianie werden an diesem Tag geschnitten, über Nacht in lauwarmes Wasser gelegt und dann in einem Krug mit Wasser in ein mäßig warmes Zimmer gestellt.
Das Wasser nun alle drei Tage wechseln und die Zweige gelegentlich etwas anspitzen. Am Weihnachtstag erfreuen die Barbarazweige dann die ganze Familie mit ihren Blüten.

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