Foto: Wim Woeber

Spaß ist Trumpf


Kinder zwischen Förderung und Überforderung

Wie viel Programm soll sein, damit ein Kind sich möglichst früh gut entwickelt? Welche Fähigkeiten sollten die Kleinen möglichst schon im Vorschulalter erwerben? Oder droht am Ende gar die große Überlastung, wenn Sohn und Tochter von Kurs zu Kurs hetzen? Weil es in Deutschland nach wie vor institutionelle Defizite bei der Early Education gibt, fühlen sich viele Eltern verunsichert. Vielleicht brauchen sie nur etwas mehr Vertrauen ins Leben.

 

Die kleine Josephine kam schon als Zweijährige in Kontakt mit der klassischen Erziehung: Jede Woche ging sie dreimal zu ihrer Tagesmutter. Das Mädchen lernte den Umgang mit Porzellan und Silber, musizierte mit Waldhorn und Klavier und lauschte der studierten Theologin, die Geschichten auf Französisch und Englisch vorlas. Am Kaffeetisch präsentierte die Tagesmutter – eine einstige Internatsschülerin – stolz die Früchte ihrer Arbeit. „Weiß noch jemand, was Small-Talk ist?“, fragte sie die fünf Kinder aus ihrer Gruppe – und diese hatten die Kunst der seichten Gesprächseröffnung schon gelernt. Ein Mädchen aus der Gruppe, knapp vier Jahre alt, hatte gerade ihren ersten Knigge-Kurs in einem Hotel mit Tanzlektionen hinter sich. Sie glaubte zu wissen, was jenen blüht, die weniger frühe Förderung genossen: „Die könnten den Job verlieren.“

 

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