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Das Trotzkopfalter

Trotzanfälle stellen Eltern mitunter auf harte Geduldsproben. Besonders zwischen zwei und drei Jahren geraten Kinder manchmal völlig außer Rand und Band. Kinderpsychologen raten, in solchen Fällen die Ruhe zu bewahren. Und immer daran zu denken, dass das Trotzalter eine der wichtigsten Entwicklungsphasen überhaupt ist.

Gerade hat Luzia vier Mini-Windbeutel verdrückt. Trotzdem will die Kleine noch mehr und bekommt von ihrer Mutter eine halbvolle Tüte Erdnussflips. Jetzt ist alles gut – bis Bruder Onias etwas abhaben möchte.

Innerhalb von Sekunden verwandelt sich sein süßes Schwesterchen in eine Furie, die sirenenartig „Nein, meins!“ kreischt, schluchzt und sich so in ihre Wut hineinsteigert, dass die irritierte Mama zehn Minuten lang nichts ausrichten kann. Kinder außer Kontrolle, hilflose Eltern.

Diese Situation ist im zweiten und dritten Lebensjahr keine Seltenheit. In dieser Zeit entwickelt sich nämlich der eigene Wille, erfolgt der Schritt vom symbiotischen Wir-Gefühl der Babyzeit zum Wahrnehmen des eigenständigen Ichs.

„Dass in dieser Phase der beginnenden Selbstständigkeit aus dem umgänglichen Kleinkind auch ein Zornickel werden kann, ist normal und gesund“, erklärt die Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin Doris Heueck-Mauss. „Vielen Eltern fällt es allerdings schwer gelassen zu bleiben, wenn ihr Liebling tobt und um sich tritt, nur weil sein Bauklötzchen-Turm nicht stehen bleiben will. Oder der Schokoriegel im Supermarkt-Regal bleiben soll.“

Ausraster dieser Art sind Ausdruck dafür, dass das Kind von heftigen Emotionen überrollt wird, die es erst zu zügeln lernen muss. Insofern sind sie weder ein persönlicher Angriff auf die Bezugspersonen noch zielgerichtet, während kindliche Aggressionen, die sich zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr verstärken, dem Kind dazu dienen, seine Wünsche durchzudrücken und Grenzen brauchen.

„Der Schlüssel liegt im Umgang mit diesem kindlichen Verhalten“, regt die Münchnerin und selbst Mutter zweier Kinder an. „Ich durfte früher ganz viel in der Natur spielen und habe so gut wie gar nicht getrotzt. Solche Freiräume sind heutzutage leider rar, wären aber wichtig, damit sich kleine Kinder ausprobieren können. Wer die Welt entdecken will, aber ständig auf Einschränkungen stößt, ist frustriert und braucht den Wutausbruch oft als Ventil.“

 

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