Vom Familienthron gefegt
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Wenn das Geschwisterkind zur Welt kommt, geht für die Erstgeborenen manchmal die Welt unter: Wie Eltern am besten mit der Eifersucht der entthronten Prinzen und Prinzessinnen umgehen, wenn das neue Baby da ist, erklärt unsere Autorin Dr. Katja Iken.

Bis zur Geburt seiner kleinen Schwester war Finn der artigste Junge, den man sich denken kann. Nur manchmal zornig, selten laut, niemals rabiat. Ein richtiger kleiner Engel, mit seinen blonden Löckchen und dem sonnigen Wesen. Doch dann kam Anna. Und Finn mutierte zum Monster, das seine stillende  Mutter und das Neugeborene mit Spielzeugautos bewarf, auf den Teppich pinkelte und gegen die Wiege trat.

Was war passiert? Finn hatte das erlitten, was Psychotherapeuten das „Entthronungstrauma“ der Erstgeborenen nennen. Während der kleine Junge von Geburt an stets die unangefochtene Nummer eins gewesen war, schubste ihn seine kleine Schwester mir-nichts-dir-nichts vom Königsthron der Familie. All die Aufmerksamkeit, die ihm Eltern, Großeltern, Onkel und Tanten bis dato geschenkt hatten, musste er von nun an mit dem kleinen, schreienden Bündel namens Anna teilen.

Keine einfache Sache für einen Zweieinhalbjährigen. Auch wenn lange nicht alle Erstgeborenen so aggressiv wie Finn auf die Geburt eines kleinen Geschwisterkindes reagieren: Die Eifersucht auf das Neugeborene bleibt fast nie aus – und hat sogar ihre Berechtigung. „Die Eifersucht ist evolutionär sinnvoll, damit das Erstgeborene überhaupt überleben kann. Das Kind signalisiert damit, dass es auch weiterhin Aufmerksamkeit von den Eltern braucht, wahrgenommen und respektiert werden möchte“, sagt der Schweizer Entwicklungspsychologe Professor Jürg Frick.

Der an der Pädagogischen Hochschule in Zürich lehrende Wissenschaftler warnt davor, Rivalität und die damit verbundene Eifersucht als per se schlecht zu verurteilen. Vielmehr liegen Wut und Liebe im Kinderzimmer naturgemäß nah beieinander. „Indianer sind entweder auf dem Kriegspfad oder rauchen die Friedenspfeife“, bemerkte einst Kurt Tucholsky, „Geschwister können beides.“ In einem gesunden Maß ist Eifersucht auf Geschwister sogar ein Entwicklungsmotor, etwa dann, wenn ein Geschwister dem anderen nachstrebt.

 

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