Alles ohne Zucker?

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Alles ohne Zucker?
Schokoriegel oder Pudding als Pausenmahlzeit sind im Kindergarten tabu. Aber bei Schokocreme oder Marmelade auf dem Frühstücksbrot gehen die Meinungen auseinander.
Vincent (4) liebt Käsebrote mit Gurken und Tomaten. Wurst mag er hingegen gar nicht. Deshalb gibt ihm seine Mutter zur Abwechslung hin und wieder Brote mit Schokoaufstrich oder Marmelade mit in den Kindergarten. Doch jetzt hat sich das Erzieherteam bei der Familie gemeldet. Neben Schokoriegeln & Co. seien jetzt auch süße Brotaufstriche zum Frühstück tabu.
Die Mutter ist perplex, denn Vincent hat zudem immer Obst und Gemüse dabei. „Ich achte auf eine gesunde Ernährung meines Sohnes. Dass es wegen Marmelade oder Schokocreme Ärger gibt, verstehe ich nicht. Ab und zu finde ich süße Brote für meinen Kleinen völlig in Ordnung“, sagt sie.
Doch das Erzieherteam sieht das anders. „Gesunde Ernährung beginnt im Kindergarten. Was die Eltern ihren Kleinen zu Hause geben, können wir nicht beeinflussen. Aber bei uns herrscht Süßkramverbot – und das gilt auch für den Brotaufstrich.“ Die Leiterin der Einrichtung weist darauf hin, dass andere Kinder neidisch auf die süßen Mitbringsel von Vincent seien. Das entscheidende Kriterium gegen Marmelade und andere süße Brotaufstriche ist allerdings der enthaltene Zucker.
Für die Mutter ist das keine zufriedenstellende Antwort. Denn im Kindergarten gibt es die Möglichkeit, dass die Kleinen ihre Zähne putzen. Vincent nutzt dieses Angebot regelmäßig. Seine Mutter findet, dass das Erzieherteam in diesem Fall zu streng ist. „Es ist richtig, dass in der Einrichtung auf gesunde Ernährung geachtet wird. Aber dieses Verbot geht mir zu weit. Ich möchte selbst bestimmen, was mein Sohn isst.“ Ist sie im Recht? Wie viel Einfluss darf ein Erzieherteam auf die Ernährung der Kinder haben?
Das sagen unsere Leser dazu
Den Erzieherinnen dankbar sein
Es gibt sie also noch, die Kindergärten in denen mit (Sach-)Verstand auf eine gesunde Ernährung der Kleinen geachtet wird! Ich wäre anstelle der unzufriedenen Mutter überaus dankbar über die durchaus vernünftige Einstellung der Erzieherinnen. In dem Kindergarten unseres Sohnes ist die Handhabung leider eine ganz andere. Es gibt ein Frühstücksbüffet, an dem sich die Kinder über einen mehrstündigen Zeitraum jederzeit und meistens ohne Aufsicht bedienen können. Ursprünglich hieß es, das Büffet, bei dem auch Obst und Gemüsestückchen angeboten wird, verhindere, dass Kinder eventuell Ungesundes, wie zum Beispiel Süßkram und Naschereien von zu Hause mitbringen und unterstütze so die gesunde Ernährung. Die Realität sieht leider ganz anders aus. Neben den gesunden Sachen werden regelmäßig Marmelade, Nussaufstrich, Honig, stark zuckerhaltiges Schokomüsli und sogar oftmals Pudding und Kuchen angeboten. Und das, ohne dass sich irgendjemand die Zähne danach putzt! Und da sich die Kleinen nach belieben bedienen dürfen (meist, ohne dass es jemand registriert), kommt es durchaus vor, dass unser Junior (und nicht nur er) nach Hause kommt und außer vier (!) Bechern Pudding nichts gefrühstückt hat!
A. Biehl per E-Mail
Sind Süßigkeiten erlaubt, nehmen sie überhand
Vor einem Jahr habe ich ein Praktikum in einem Kindergarten gemacht. Dort war absolutes Süßigkeitenverbot, gegen Marmelade hatte aber keiner etwas ... Nutella und ähnliches finde ich grenzwertig, deshalb kann ich verstehen, dass der Kindergarten einfach alle süßen Brotaufstriche verbietet. Zurzeit mache ich wieder ein Praktikum. In dieser Einrichtung sind Süßigkeiten erlaubt und ich war schon geschockt, als ich bemerkte, dass die meisten Kinder täglich was Süßes dabeihaben. Als erstes schoss mir die Frage durch denn Kopf: "Würde nicht etwas Obst reichen?!"
Das mit dem Neidischsein ist aber kein Problem, vielleicht liegt es daran, dass jedes Kind etwas Süßes dabei hat ...Ich bin immer noch der Meinung: So lange die Kinder es gewöhnt sind, dass es im Kindergarten (mit Ausnahmen von Geburtstagen) keine Süßigkeiten gibt, so werden sie sie weder vermissen noch brauchen.
Anna S. (Schülerin, 15 Jahre), per E-Mail
Klare Regeln müssen sein
Ich bin Gruppen-Erzieher in einer Kita in Stuttgart. Als Erzieher hat man eine Gruppe von Kindern, die Eltern mit unterschiedlichen Ansichten bezüglich Süssigkeiten haben. Jetzt hat Kind A (Eltern strikt gegen Süßes) Karotten mit, Kind B (Eltern für Süßes) hat Gummibären mit und Kind C (Eltern weder pro noch contra) einen Apfel und eine Milchschnitte dabei. Durch dieses Beispiel will ich verdeutlichen: Das macht die Kinder untereinender nur neidisch! Man möchte ja denn Eltern gerecht werden und ihre Wünsche erfüllen. Doch wenn die Eltern keine Vorgaben haben, was sie mitbringen sollen/dürfen, entsteht ein Chaos. Deshalb gibt es bei uns Regeln, was mitgebracht werden darf und was nicht. Bei uns in der Einrichtung ist süßer Brotaufstrich (Nutella, Marmelade usw.) erlaubt. Allerdings keine süßen Getränke oder abgepackte Süssigkeiten. Aber es gibt eine Ausnahme, wenn ein Kind Geburtstag hat. Dann darf das Kind etwas Süßes mitbringen. Und das darf dann gemeinsam mit den anderen gegessen werden.
Michael W., per E-Mail







