Besser ohne Kerzen?

Besser ohne Kerzen?
Zu einer stimmungsvollen Weihnachtsfeier gehören Lichterglanz und Kerzenduft einfach dazu, meinen die einen. Viel zu gefährlich! Sagen die anderen. Wie sollten Kindergartenkids feiern?
Sie zählen zu den Highlights des Jahres und bleiben für viele Kinder ein Leben lang in Erinnerung: Die Weihnachtsfeiern im Kindergarten. Kein Wunder, dass die kleinen Feste meist mit viel Liebe und großem Aufwand organisiert werden. So war es auch in der Kita von Benjamin und Emma. Die beiden Geschwister (6 und 4) freuen sich bereits im November darauf und basteln zu Hause mit ihrer Mutter eifrig bunte Sterne, kleine Kerzenständer und weihnachtliche Gestecke. Das war in den letzten Jahren immer so.
Doch diesmal mussten Benjamin und Emma die Kerzenständer erstmalig zu Hause lassen. „Wir erlauben kein offenes Feuer mehr“, lautete die Ansage im Kindergarten. Das Erzieherteam hatte lange diskutiert, nachdem der Trägerverband einer benachbarten Kita Kerzen in allen seinen Einrichtungen verboten hatte, weil es den Verantwortlichen zu gefährlich erschien.
Viele Kinder und knappe Personalbesetzung (insbesondere in der typischen Krankheitszeit Dezember) – da könne man nicht gewährleisten, dass Erwachsene ständig ein Auge auf die echten Lichter haben. Die Kleinen sollen künftig ohne den Duft und ohne Kerzenschein feiern. Stattdessen werden Lichterketten sicher an den Wänden befestigt – und zwar in einer Höhe, die kein Kind erreichen kann.
Viele Eltern, Kinder und Erzieher finden diese Entscheidung schade. Sollten Mädchen und Jungen nicht besser rechtzeitig den Umgang mit Feuer lernen, als ihn einfach zu verbieten? Sollen echte Kerzen im Kindergarten erlaubt oder verboten werden? Wie halten Sie es in Ihrer Einrichtung?
Das sagen unsere Leser dazu:
Selbst gebastelte Pappflammen als Alternative
Ich erinnere mich immer wieder gerne an meine eigene Kindergartenzeit zurück. Der Tag, an dem man Geburtstag hatte und der Geruch der brennenden oder gerade ausgeblasenen Kerzen in der Nase, gehörte einfach dazu.
Vom Träger her sind Kerzen in unserer Einrichtung leider verboten. Einerseits finde ich dies gut, denn wie schnell vergisst man einen Adventskranz auszupusten? Andererseits denke ich, dass es wichtig ist, den Kindern den richtigen Umgang mit Feuer (ähnlich wie mit scharfen Schneidemessern) beizubringen. Gerade Dinge die verboten sind, reizen Kinder. Daher denke ich greifen sie viel schneller zu einer Streichholzschachtel, die unbeaufsichtigt daliegt und probieren diese aus.
Wichtig finde ich jedoch, dass man ihnen ganz genau den richtigen Umgang erklärt und wie wichtig es ist, dass ein Erwachsener dabei ist.
Unsere Lichter-Alternative auf dem Adventskranz besteht aus kleinen, gebastelten Pappflammen. Andere Möglichkeiten sind auch Lichterketten oder Teelichter, die mit Batterien betrieben sind.
Sabine Mewißen, Mönchengladbach, per E-Mail
Kinder immer im Auge behalten
Ich rate stets dazu, brennende Kerzen im Auge zu behalten. Wird ein Zimmer von einem Erwachsenen verlassen, muss die Kerze gelöscht werden. Kinder sollten nicht mit offenem Feuer allein gelassen werden. Die zahlreiche Unfälle mit Verbrennungen und Bränden, die sich unkontrolliert ausbreiten, zeigen, dass Neugier und Abenteuer Kinder reizen, mit dem Feuer zu spielen! Sie tun das, obwohl sie immer wieder auf die Gefahren hingewiesen worden sind und ihr Versprechen gegeben haben, es nicht anzurühren. Sie sind Kinder! Richtig ist es, Kindern ab einem entsprechenden Alter den Umgang mit Streichholz und Kerzen zu zeigen und ihnen zu vermitteln, wie das Feuer sich ausbreitet und wie wichtig deshalb Vorsicht und Aufmerksamkeit sind.
Wichtigste Regel: Feuer anzünden ist nur in Anwesenheit von Erwachsenen erlaubt!
Weitere Regel: Erwachsene sollten mit gutem Beispiel vorangehen und einen verantwortungsvollen Umgang vorleben. Kerzen im Kindergarten sollten nicht eben mal so brennen, sondern mit den Kinder bewusst angezündet und danach wieder gelöscht werden! Allein schon im Gruppenraum ist eine besondere Aufsicht notwendig.
Arij Sarhan, per E-Mail
Die Feuerwehr vermittelt Kinder den richtigen Umgang mit Kerzen
Kerzen gehören natürlich zur Weihnachtszeit. Wenn die Erzieher in der Kita jedoch das Gefühl haben, sie könnten kein Auge auf die Kerzen haben und bei so vielen Kindern schnell etwas passieren kann, ist es mir lieber, wenn darauf verzichtet wird. Stattdessen kann mit künstlichen „Kerzen" dekoriert werden.
In unserem Kindergarten findet jedes Jahr ein Aktionstag mit der Feuerwehr statt. Die älteren Kinder werden an diesem Tag im Umgang mit Feuer und Kerzen unterrichtet und dürfen als Highlight selbst mal eine Kerze anzünden. Im Rahmen dieser Veranstaltung ist es sicher einfacher, alles im Blick zu haben und den Kindern den Umgang mit Feuer zu erklären. Vielleicht kann als Kompromiss an einer zentralen Stelle im Kindergarten, wo aber nicht ständig zu viele Kinder herumrennen, ein Adventskranz mit echten Kerzen aufgestellt werden. Der wäre leichter im Blick zu behalten.
Alexandra Hagen, per E-Mail







