Braucht Maxi eine Auszeit?

Sollen Mädchen und Jungen eine Zeit lang zu Hause bleiben, wenn sie keine Lust auf den Kindergarten haben?
Tränen kullern über Maxis kleines Gesicht. Seine Mutter mag gar nicht hingucken. Schließlich drückt sie ihm ein Küsschen auf die Wange, dreht sich um und geht, obwohl es ihr das Herz bricht.
Zum vierten Mal in dieser Woche lässt sie ihren Sohn weinend im Kindergarten zurück. Der Vierjährige will im Moment alles – nur nicht in die Kita. Dabei war er mehr als ein Jahr lang ein fröhliches Kindergartenkind. Er kam mit drei Jahren in die Gruppe, lebte sich gut ein, hatte immer Spielkameraden und keine Probleme, sich von Mama oder Papa zu trennen.
Doch jetzt ist alles anders. Maxi selbst sagt jeden Morgen: „Ich will zu Hause bleiben.“ Mehr nicht. Seine Mutter hat bereits die Erzieher, andere Eltern und auch Maxis besten Freund befragt, ob irgendetwas passiert ist, das ihm Angst oder Unbehagen macht. Doch niemandem ist etwas aufgefallen. Nach Aussagen der Betreuer hört Maxi zwar meist nach zehn Minuten auf zu weinen, ist aber trotzdem den ganzen Tag stiller als früher – so, als ob der nachdenkt oder ihn etwas bedrückt.
Maxis Eltern überlegen, ob sie ihm eine Auszeit gönnen sollten. Vielleicht ist einfach alles zu viel für ihn, vielleicht braucht er Ruhe und weniger Trubel um sich herum? Rein organisatorisch könnte er durchaus mal vier Wochen zu Hause bleiben. Wenn die Eltern nicht da sind, würde die Großmutter kommen.
Doch das sollte nicht das einzige Entscheidungskriterium sein. Maxis Vater befürchtet: „Wenn wir jetzt nachgeben, will er später vielleicht nie wieder in den Kindergarten.“ Wie sollen die Eltern sich entscheiden?
Das schreiben unsere Leser dazu:
Einmal Mamas Arbeit kennen lernen
Ich hatte mit meiner dreieinhalbjährigen Tochter das gleiche Problem. Seit sie zwei ist, war sie ein glückliches Kindergartenkind - und plötzlich wollte sie lieber daheim bleiben. Ich habe ihr gesagt, dass ich arbeiten muss und sie viel mehr Spaß im Kindergarten hat. Das hat sie mir aber nicht geglaubt. Also habe ich sie bei mir zu Hause gelassen und stundenweise mit in die Arbeit genommen. Das fand sie schnell furchtbar langweilig und wollte bald wieder in den Kindergarten – ganz ohne Tränen. Somit hatte sich dieses Thema erledigt.
Alexandra Ohrmann, per E-Mail
Nach acht Wochen Urlaub wurde alles besser
Meine Tochter war drei und ging ein halbes Jahr wirklich gerne in den Kindergarten. Von einem Tag auf den anderen war dies aber ganz anders. Sie war krank, hatte eine Erkältung und blieb ein paar Tage zu Hause. Anschließend wollte sie nicht mehr in den Kindergarten. Ein täglicher Kampf begann. Er dauerte Monate. In dieser Zeit versuchte ich fast alles. Von Gut-Zureden über Versprechungen bis zur Radikal-Methode war eigentlich alles dabei. Erfolglos. Zum Schluss waren wir alle seelisch am Ende. Sie wollte nicht einmal mehr bei den Großeltern bleiben. Bis ich meinen Homöopathen aufsuchte und ihm unser Problem schilderte. Er erklärte mir dann, dass meine Tochter wahrscheinlich ein Problem damit hat, dass ihr Geist sich schneller entwickelt hat als ihre Seele. Das heißt, sie war für ihre Seele zu schlau. Sie konnte zwar viele Sachen aus ihrem Umfeld sehr gut verstehen, aber seelisch nicht verarbeiten. Das fing schon damit an, dass sie zum Beispiel sehr gut verstand, dass man im Kindergarten nicht immer mit jeder Freundin gleichzeitig spielen kann, sie konnte es aber seelisch nicht verarbeiten, wenn die eine Freundin mit der anderen spielte - ohne sie.
Wir beschlossen dann gemeinsam mit dem Kindergarten, dass unsere Tochter für acht Wochen Urlaub vom Kindergarten bekommt. Von diesem Tag an wurde alles anders. Sie blühte sichtlich auf und ich natürlich mit. Wir wurden beide wieder ausgeglichener. Ich habe es aber auch bewusst vermieden, mich in der Zeit, in der sie eigentlich im Kindergarten wäre, mit ihr zu beschäftigen. Ich habe ihr erklärt, dass ich ja trotzdem meine Arbeit machen muss. Sie hat es akzeptiert und alleine gespielt. Die ersten drei Tage, an denen sie wieder in den Kindergarten ging, waren hart. Wir haben vorher viel darüber gesprochen und sie wusste, dass sie nach dem Urlaub wieder in den Kindergarten muss. Als sie dann merkte, dass ich dieses mal wirklich nicht nachgebe, hat sie den Schalter umgelegt. Seitdem geht sie wieder sehr gerne und es gab bis jetzt keine Tränen mehr.
Egal wie Sie sich entschieden - ob für oder gegen eine Auszeit - , wenn sie wirklich voll und ganz hinter Ihrer Entscheidung stehen, ist es auch die richtige Entscheidung für Ihr Kind. Haben Sie Zweifel, wird dies Ihr Kind merken und entsprechend reagieren.
Sabine Schweiger, per E-Mail
Impulse geben und Spielverhalten beobachten
Dass ein Kind wegen der Kita mal Tränen vergießt, ist nicht ungewöhnlich und sollte nicht überbewertet werden. Wichtiger ist es, die Hingründe zu kennen und sich einmal in die Lage des Kindes zu versetzen. Für Maxi ist es sicherlich hilfreich, wenn sich die Mutter zu Beginn kurz mit ihm im Gruppenraum aufhält und ihn beruhigt. Diese Phase sollte aber nicht lange dauern und nach und nach verkürzt werden. Wichtig ist, dass dem Kind Impulse gegeben werden, wodurch es abgelenkt ist, neue Sichtweisen erhält und sich ausprobieren kann - wie zum Beispiel durch Experimente. Das Kind sollte außerdem in seinem Spielverhalten von einer Erzieherin beobachtet werden, da man dabei merken kann, welche Probleme es lösen möchte, worauf man anschließend empathisch eingehen und vermitteln kann, dass eine Kita doch nicht zum Weinen ist.
Steven Krötz, per E-Mail
Den Grund für Maxis Verhalten herausfinden
Eine Auszeit ist keine Lösung. Es ist wichtig, den Grund für Maxis Verhalten zu finden. Für ihn ist der Kindergarten durch die jetzigen Erfahrungen negativ belegt, und das würde sich durch eine Auszeit eher verstärken. Wann gab es die ersten Anzeichen für sein Verhalten? Fällt es vielleicht zeitlich mit dem Weggang der Schulanfänger zusammen? Wie ist die Altersstruktur der Gruppe jetzt? Kann es sein, dass Maxi unterfordert ist und sich langweilt, weil er nun keine Spielkameraden mehr finden kann, die seine Spielideen schon verstehen?
Christine, per E-Mail
Das Bedürfnis nach einer Pause akzeptieren
Unser Sohn gehört zu den Menschen, die tatsächlich zwischendurch immer mal Pause von ihren Mitmenschen brauchen. Das hat im Kindergarten angefangen und das zieht sich hin bis in die Schulzeit. Anfangs waren wir etwas erstaunt, weil auch er (wie Maxi) nicht in den Kindergarten wollte. Dabei hat er klipp und klar gesagt, dass er keine Lust hat. Meistens handelte es sich nur um einen oder zwei Tage. Es ist nie vorgekommen, dass er tagelang zu Hause geblieben ist. Auch heute passiert das nicht. Er weiß, dass Schule wichtig ist und würde die Situation nie ausnutzen. Wir haben sein Bedürfnis akzeptiert, seine Begründung ist verständlich. Uns Erwachsenen wird manches auch zu viel. Nur geben wir es ungern zu, machen die Augen zu und ziehen unser Tagesprogramm durch. Für viele von uns ist es ein Zeichen der Schwäche. Unser Sohn weiß, wo seine Grenzen sind. Und das ist auch gut so.
Martina Bölke, per E-Mail







