Fernsehfreie Zone?

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Fernsehfreie Zone?
Die Meinungen gehen auseinander, wenn es um das Thema „Medienerziehung“ geht. Soll der Nachwuchs frühzeitig an den Umgang mit dem Fernseher herangeführt und dabei pädagogisch begleitet werden? Oder ist kompletter Verzicht die bessere Lösung?
Simon besucht einen Kindergarten mit angeschlossener Tagesstätte, bis ihn seine Eltern am Nachmittag abholen. Der Fünfjährige ist ein ruhiges Kind und kann sich gut alleine beschäftigen. In der Kita gibt es jetzt eine Neuerung, die bei seinen Eltern auf Unverständnis stößt: Das Betreuerteam hat einen Fernseher angeschafft. „Wir verzichten in unserem Alltag bewusst auf TV-Konsum“, sagt seine Mutter. „Bei uns zu Hause gibt es kein Fernsehgerät und auch bei den Großeltern bleibt es aus!“ Ihrer Meinung nach sollten Kindergartenkinder überhaupt nicht fernsehen.
Doch die Erzieherinnen sehen das anders: „Diese heile Welt gibt es leider nicht. Viele Kinder werden zu Hause einer ungefilterten Medienflut ausgesetzt. Dabei brauchen sie Begleitung, wofür die Eltern oft keine Zeit haben. Deshalb wollen wir hin und wieder gemeinsam etwas anschauen, damit die Kleinen lernen, mit dem Medium Fernsehen umzugehen.“
Doch Simons Mutter meint: „Mein Sohn soll die Flimmerkiste so spät wie möglich entdecken.“ Sie befürchtet, dass sich ihr Sohn nicht mehr alleine beschäftigen kann, sobald er sich ans Fernsehen gewöhnt hat.
Noch ist das neue TV-Gerät in der Kita nicht zum Einsatz gekommen, aber in Zukunft wird es gelegentlich ausgewählte Sendungen zeigen. „Wir planen etwa, kindgerechte Beiträge begleitend zu Projekttagen zu zeigen. Fernsehen als reinen Zeitvertreib wird es bei uns natürlich nicht geben“, betonen die Erzieherinnen. Simons Mutter reicht diese bewusste Reduzierung auf bestimmte Programme nicht aus. Sie denkt darüber nach, Simon an Projekttagen mit TV-Einsatz zu Hause zu behalten.
Ist es in Ordnung, wenn in der Kita hin und wieder ein Fernsehgerät eingesetzt wird? Welche Lösung halten Sie für die beste?
Das sagen unsere Leser dazu:
Kinder erfahren zu viel Medienkonsum
Ich bin strikt gegen Fernsehen in Kindertageseinrichtungen. Schließlich sollten Erzieher doch mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, dass man ohne Medien zumindestens in der Kita auskommt. Es gibt so viel bessere Möglichkeiten, Kindern etwas beizubringen, als mit TV. Außerdem sind Kinder in den meisten Familien sowieso zu viel Mediemkonsum ausgesetzt. Das sollte aber jeder für sich entscheiden. In der Kita zumindest möchte ich das nicht.
Ute Hoppe aus Rosenburg
Fantasie anregen ohne TV
Gerade im Kindergartenalter haben Kinder noch so viel Fantasie, die durch Malen, Basteln, Geschichtenvorlesen (zu jeder Jahreszeit das passende) angeregt werden sollte. Die Flimmerkiste hat da überhaupt nichts zu suchen. Ich möchte selbst entscheiden können, wann meine Kinder wie viel anschauen. Ja, Kinder müssen den Umgang mit dem Fernseher lernen, aber ich denke, das sollte den Eltern überlassen bleiben, denn jeder hat da andere Ansichten. Ich finde es viel wichtiger, dass es immer neue Angebote gibt, bei denen sich die Kinder austoben können. Egal, ob mal was experimentiert wird oder gebastelt - einfach Dinge, die man daheim nicht so oft macht.
Carina Meier aus Gersthofen
TV kann auch sinnvoll sein
Meines Erachtens kann es durchaus sinnvoll sein, den größeren Kindern im Kindergarten hin und wieder ausgewählte Sendungen zu einem bestimmten Thema zu zeigen, damit die Kinder behutsam an das Medium Fernsehen herangeführt werden. Der richtige Umgang mit diesem, besonders heute nicht ganz ungefährlichen Medium, will nämlich gelernt sein. Geeignete Sendungen können den Kindern Wissen und Erkenntnisse vermitteln, die anschließend von den Erziehern und Erzieherinnen oder auch zu Hause von den Eltern aufgegriffen beziehungsweise vertieft werden sollten. Meiner Meinung nach wäre jedoch ein wöchentlicher Einsatz des Fernsehers übertrieben, da sich schon bald eine gewisse Fernsehroutine einstellen würde. Besser wäre es wohl, sporadisch auf Fernsehsendungen zu bestimmten Themen zuückzugreifen. Ein vollständiger Verzicht auf das heute allgegewärtige Medium Fernsehen würde unserer modernen Gesellschaft nicht gerecht.
Reinhard Mayer aus Weitramsdorf







