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Lilli darf nicht mehr zu Lisa

Lilli darf nicht mehr zu Lisa 

 

Sollen Erzieher es unter­stützen, wenn Eltern ihren Kindern den Umgang mit angeblich falschen Freunden verbieten wollen?

Es war ein kleiner Krach, wie er normalerweise täglich unter Kindern stattfindet: Lisa wollte Mutter-Kind spielen und Lilli dachte gar nicht daran, das Puppenbaby herzugeben, das Lisa unbedingt haben wollte. Die Mädchen gerieten in Streit, argumentierten hin und her („Ich hatte es zuerst“ – „Aber du hast es jetzt lange genug“), bis eine Erzieherin eingriff und einen Kompromissvorschlag machte: „Könnt ihr nicht Vater-Mutter-Kind spielen und das Baby gehört euch zusammen?“

Weil weder Lisa noch Lilli Vater sein wollten, schied die Lösung aus. „Wie wäre es denn, wenn jeder das Baby eine halbe Stunde lang für sich allein bekommt?“ Die Mädchen akzeptierten den Vorschlag. Und alle glaubten, der Konflikt sei friedlich gelöst.

Bis Lillis Mutter die Erzieher am nächsten Tag um ein Gespräch bat. Sie berichtete, dass sie und ihr Mann ihrer Tochter jetzt endgültig den Umgang mit Lisa verboten hätten, denn Lisa unterdrücke die kleinere Lilli, wo es nur gehe. Lisa würde immer nur bestimmen und Lilli mit Abbruch der Freundschaft drohen. Die Kleine traue sich gar nicht mehr in den Kindergarten; gestern hätte Lisa ihr ja auch noch „das Baby“ weggenommen.

„Nachmittags werden die beiden sich nicht mehr treffen“, erklärte die Mutter. „Wir möchten, dass Lilli und Lisa auch im Kindergarten getrennte Wege gehen. Achten Sie bitte darauf, dass die beiden nicht mehr zusammen spielen.“ Die Erzieher reagierten verblüfft: „Wie sollen wir das denn machen? Die beiden Mädchen mögen sich doch offensichtlich.“

 

Das sagen unsere Leser dazu:

 

 


Vorschläge machen und Lilli stärken

Ich bin selbst Vater zweier Kinder im Kitaalter und kann die Situation gut nachvollziehen. Natürlich ist der angedrohte Liebesentzug eine schmerzhafte Sache, doch so etwas passiert einem nicht nur einmal im Leben. Und genau darum geht es doch bereits in der Kita: Kinder müssen den Umgang im sozialen Gefüge lernen. Die Erzieher haben meiner Meinung nach völlig richtig reagiert, indem sie den Kindern Lösungsstrategien aufgezeigt haben. Das sollten die Eltern auch tun. "Wegrennen" halte ich hier für die falsche Lösung. Was ist, wenn die nächste Freundin ihr auch wieder droht oder "das Baby" wegnimmt? Irgendwann wird Lilli nur noch ganz allein spielen können. Besser ist meines Erachtens, ihr Vorschläge zu machen, wie sie sich verhalten könnte. Wenn zum Beispiel ein Kind kommt und die Puppe wegnimmt, kann sie einfach erklären: „Dann spiele ich eben mit jemand anderem.“ Meistens lässt das Interesse am Spielzeug schlagartig nach, wenn es nicht mehr so gefragt ist. Mein Tipp: Stärken Sie Lilli!

Thomas Tränkner, Berlin

 

Die Erzieher verstehen ihre Arbeit richtig

Besser als unsinnige Verbote sind Lösungsvorschläge, wie sie von den Betreuern gemacht wurden. Im Leben geht doch sehr oft darum, Kompromisse zu finden. Bestärken Sie Ihr Kind lieber darin, mal nein zu sagen und seine Wünsche durchzusetzen. Fürs Leben ist das ein besserer Dienst als dem Kind etwas zu diktieren. Das Kind wird sich später selbst seine Freunde aussuchen und wie soll es  das Aussuchen lernen, wenn die Eltern ihm jetzt diesen Lernprozess (was tut mir gut, was will ich) nehmen. Haben Sie Geduld und Vertrauen - wenn Ihr Kind sich so unterdrückt fühlt, wird es sich selbst abwenden und neu orientieren. Notfalls gibt es noch die Betreuer, die ja ganz offensichtlich ihre Arbeit verstehen und einschreiten, wenn es nötig wird. Meine Fragen an die Eltern: Hatten Sie noch nie Streit mit Ihrer besten Freundin? Oder lassen Sie sich wegen einer Unstimmigkeit scheiden? Sicher nicht! Streiten will gelernt sein - und auch das Vertragen danach.

M. Weber, per E-Mail

 
 
 
 
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