Macht doch mal mehr

Macht doch mal mehr
Oft sind Eltern nicht zufrieden mit dem Angebot im Kindergarten. Wie können sie das äußern, ohne jemanden vor den Kopf zu stoßen?
In der Regenbogengruppe ist immer was los. Ob Ostern oder Kindergeburtstag, Umweltschutz-Projekte oder Ausflüge in den Zoo mit anschließendem Tiere-Basteln – hier wird keine Gelegenheit ausgelassen, um gemeinsam kreativ zu werden.
Mit Neid gucken die Eltern der Blumen-Gruppe jeden Montag auf den Wochenplan der Regenbogenkids. Denn im Vergleich zu denen ist für ihre Blumenkinder meist gar nichts notiert. Manchmal steht in der Rubrik Aktivitäten „Freies Spielen“ oder „Wir gehen alle raus“. Doch das tun die Regenbogenkinder selbstverständlich auch, ohne dass es extra erwähnt wird.
Für die Eltern ist es offensichtlich: In der einen Gruppe engagiert sich eine Erzieherin besonders stark, in der anderen passiert gar nichts. Doch niemand möchte die verantwortliche Erzieherin direkt ansprechen – aus Sorge, dass die eigenen Kinder dann Nachteile haben könnten.
Acht Eltern haben bereits Anträge gestellt, damit ihre Töchter oder Söhne die Gruppe wechseln können – mit dem vorgeschobenen Grund, dass sie wichtige Freunde in der Regenbogengruppe hätten. Zwei Elternpaare haben ein Gespräch mit der Leiterin geführt, was aber nichts änderte. Jede Erzieherin dürfe selbst entscheiden, wie viel Aktionismus sie für richtig halte – so die Argumentation von Seiten des Kindergartens.
Drei Mütter bildeten eine Selbsthilfegruppe und renovierten den Gruppenraum der Blumenkinder am Wochenende, spendeten Bilderbücher und Bastelmaterial. Doch auch das zeigte keine Wirkung. „Wir wollten ja eigentlich nur helfen, haben aber jetzt das Gefühl, dass die Erzieherin umso weniger macht, je mehr wir uns wünschen“ – so das Fazit. „Vielleicht hätten wir etwas diplomatischer vorgehen sollen?“, überlegen die Eltern. Aber was hätten sie tun sollen?
Wie sollten Eltern sich bemerkbar machen, wenn sie unzufrieden mit dem Angebot im Kindergarten sind? Können sie brauchbare Hilfe leisten, ohne dass jemand sich angegriffen fühlt?
Das schreiben unsere Leser dazu:
Den Eltern Bilder zeigen
Ich arbeite in einem Kindergarten mit sieben Gruppen. Da kommt es schon mal vor, dass die Eltern denken, in der einen Gruppe wird mehr gemacht als in einer anderen. Ich persönlich freue mich sehr, wenn Eltern mit ihren Problemen zu mir kommen. Nur die Gruppenerzieherin kann genau erklären, was ein Kind in der Woche alles gemacht hat. Eigentlich sollten die Erzieherinnen die Arbeit mit den Kindern transparent machen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass dafür nicht immer genügend Zeit ist. Es ist auch wichtig, aktuelle Bilder mit Themen der Kinder auszuhängen. Das kommt bei den Eltern sehr gut an. Besonders bei Krippenkindern, die noch nicht so gut reden können. In meiner Einrichtung werden auch viele Bilder mit Text oder Malarbeiten in die persönlichen Ordner der Kinder eingeheftet. So können die Eltern immer verfolgen, an welchen Angeboten ihre Kinder interessiert sind. Zum Artikel: Ich finde es ganz toll, dass Eltern sich zusammentun und freiwillig den Gruppenraum renovieren. Eigentlich müsste das ein Denkanstoß für die Erzieherin gewesen sein. Sollte sie Hilfe brauchen, wären diese Mütter bestimmt bereit, sie zu unterstützen.
Heidi Veit, Kita ASB Eilenburg
Erzieher sind Fachpersonal
Ich arbeite als Ergänzungskraft im Kiga und bin gleichzeitig Mutter eines dreijährigen Kindergartenkindes und einer achtjährigen Tochter. Mir persönlich ist es sehr lieb, wenn ich auf etwaige Probleme angesprochen werde, denn meistens kann ich den Eltern erklären, warum etwas gemacht wird oder nicht. Oft ist es unmöglich, alle Anregungen auszuführen. Denn es treffen so viele Erwartungen aufeinander. Latente Unzufriedenheit führt dazu, dass Erzieher und Eltern gegeneinander arbeiten statt an einem Strang zu ziehen. Ich freue mich über Hilfe. Eltern sollten aber nicht vergessen, dass wir Fachpersonal sind. Manche Mütter und Väter meinen, sie könnten unseren Job besser machen. Das ärgert mich. Denn keiner käme auf die Idee, zum Beispiel einem Finanzbeamten helfen zu wollen, wenn er die Steuererklärung nicht schnell genug bearbeitet.
Susanne Lichte-Erdmann, Bergheim







