Meins oder deins

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Meins oder deins?
Kleine Tauschgeschäfte fördern das Miteinander, doch wenn Kinder sich gegenseitig größere Dinge schenken, führt das häufig zu Konflikten. Sollen Erwachsene eingreifen?
Emily ist untröstlich. Bis gestern war ihre Welt noch in Ordnung. Sie hatte nachmittags mit ihrer Kindergartenfreundin Leonie auf dem Spielplatz gespielt und dabei ein Tauschgeschäft gemacht, mit dem beide Mädchen erst einmal glücklich waren: Die Fünfjährigen hatten ihre Teddys getauscht – nach dem Motto: Ich schenke dir meinen und du mir deinen. Gesagt, getan – Emily nahm Leonies „Brummel“ mit nach Hause und Leonie Emilys „Bärli“.
Doch im Bett überkam Emily die große Sehnsucht nach Bärli.
Ohne ihn konnte sie nicht einschlafen.
„Den darfst du doch nicht einfach
verschenken. So was macht man doch nicht“, erklärte Emilys Mutter und schlug
ihrer Tochter vor, gleich am nächsten Morgen dafür zu sorgen, dass
der Tausch rückgängig gemacht wird. Emily ging zufrieden in den Kindergarten –
bis sie Leonie traf. Die hatte „Bärli“ zu Hause gelassen,
wollte ihn auf keinen Fall wieder hergeben und bestand darauf: „Geschenkt ist
geschenkt, wieder holen ist gestohlen.“ Emily brach in Tränen aus
und suchte Trost bei ihrer Erzieherin.
Während Kinder beim Tauschen von Sammelbildchen oder anderen Kleinigkeiten viel Freude haben, hört der Spaß bei größeren Tauschaktionen oder Geschenken schnell auf. Wie sollen Erzieher sich in solchen Situationen verhalten?
Das sagen unsere Leser dazu:
Tagestausch mit Option auf
Verlängerung
Ich würde eingreifen und den Kindern
vorschlagen, erst einmal nur für eine Nacht zu tauschen. So bekommen sie ein
Gefühl dafür, wie es ist, plötzlich ein neues Spielzeug oder Stofftier zuhause
zu haben. Hat es am nächsten Tag beiden Kindern gefallen und ist die
Tauschmotivation noch immer da, würde ich das Tauschen für einen Tag noch zwei
weitere Male wiederholen - jeweils mit ein paar Tagen Zeit dazwischen. So
werden die Kinder in ihrer Entscheidung sicherer, ob es wirklich für immer sein
soll. Zusätzlich würde ich ihnen erklären, dass alle großen Spielsachen, die
man zum Beispiel zum Geburtstag geschenkt bekommen hat, die sehr teuer waren
oder die man schon ganz lange hat, etwas Besonderes sind und daher auch die eigenen
Eltern gefragt werden müssen, ob das Tauschen für immer in Ordnung ist.
Kerstin Voß, per E-Mail
Schnorren bitte nicht erlauben
Mit zwölf Jahren ist unser Sohn in
einem Alter, in dem er auf viele Spielzeuge aus der Kinderzeit verzichten
könnte. Als der vierjährige Sohn einer Bekannten das bei einem Besuch mitbekam,
bettelte er den ganzen Nachmittag: „Schenkst du mir das Feuerwehrauto?“ – „Kann
ich die Lok haben? Ich gebe dir auch ein Kaugummi dafür.“ Weil die Mutter des
Vierjährigen das Vorhaben offensichtlich unterstützte, statt der Schnorrerei
ein Ende zu bereiten, habe ich meinem Sohn schließlich verboten, etwas zu
verschenken oder sich auf Tauschangebote einzulassen. Als unser Besuch weg war,
sagt mein Sohn mir, dass er für dieses Verbot sehr dankbar gewesen sei. Denn
allein hätte er es einfach nicht geschafft, nein zu sagen. Meiner Meinung nach
brauchen Kinder die Hilfe von Erwachsenen, wenn sie mit Tauschangeboten
konfrontiert werden.
Melanie H., per E-Mail
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