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Nicht ohne meinen Bagger

Foto: Thinkstock

Nicht ohne meinen Bagger

In vielen Kindergärten dürfen die Kleinen ihr Spielzeug lediglich an einem bestimmten Tag mitbringen. Doch so manchem Sprössling fällt es schwer, sich an diese Regelung zu halten. Wie sinnvoll ist ein Spielzeugtag?

Linus fühlt sich in seiner Kindergartengruppe eigentlich rundum wohl – doch der Vierjährige kann sich morgens nur schwer von seinem Lieblingsspielzeug trennen. In der Einrichtung gilt jedoch die Regel: Autos, Teddys & Co. dürfen nur ein Mal pro Monat – am sogenannten Spielzeugtag – mitgebracht werden. Die Erzieherinnen mahnen, dass auch Linus lernen müsse, sein Feuerwehrauto daheim zu lassen. Seine Mutter findet die Vorschrift übertrieben: „Ich will meinen Sohn am Morgen nicht zwingen müssen, sein Spielzeug herzugeben – es erleichtert Linus nun mal den Abschied von zu Hause. Dieser tägliche Kampf strengt uns beide an.“

Die Erzieherinnen verteidigen die Philosophie der Einrichtung: „Wenn alle Kinder jeden Tag einen Bagger, eine Puppe oder Ähnliches mitbringen, verlieren wir den Überblick. Es geht vielleicht etwas verloren oder die Kleinen konkurrieren um das ‚spektakulärste‘ Mitbringsel.“ Daher habe sich die Einrichtung für den Spielzeugtag entschieden. Ein Mal pro Monat dürfen die Kleinen etwas von zu Hause mitbringen. Während eines Stuhlkreises können die Mädchen und Jungen ihr Spielzeug dann präsentieren. „Davon profitieren die Kleinen mehr, als wenn sie jeden Tag gedankenlos ihr ‚Kinderzimmer‘ einpacken“, argumentieren die Erzieherinnen.

Die Mutter von Linus ist enttäuscht. Sie findet die Regelung zu hart: Die ­Kleinen sollten selbst entscheiden dürfen, an welchen Tagen sie etwas mitbringen möchten – Eltern und Erzieherinnen müssten einfach gemeinsam auf einen ­angemessenen Rahmen achten. Ist ein Spielzeugtag im Kindergarten sinnvoll oder sollten die Kleinen jeden Tag etwas mitbringen dürfen? Wie halten Sie es in Ihrer Einrichtung?

 

Das sagen unsere Leser dazu:

Ein fester Spielzeugtag tut gut
Ich bin Mutter dreier Kinder, zwei (3 und 5 Jahre) von ihnen besuchen noch den Kindergarten. In dieser Einrichtung gibt es für jede Gruppe einen festen Wochentag, an dem die Kinder ein Spielzeug mitbringen dürfen. Da meine beiden Kinder in unterschiedliche Gruppen gehen, haben sie an verschiedenen Tagen Spielzeugtag. Anfangs gab es Streitereien, weil jeweils derjenige, der keinen Spielzeugtag hatte, seins nicht mitnehmen durfte. Auch für mich war es anfangs nicht leicht, wie gerne hätte ich den Weg des geringsten Widerstands gewählt und hätte beiden erlaubt, ihr Spielzeug mitzunehmen, wann immer sie es wollen! Mittlerweile sind die Kinder - und ich auch - darauf eingespielt. Sie haben gelernt, diese Regelung zu akzeptieren. Die Kinder haben mit dieser Wochentagsregelung einen festen Rythmus bekommen, lernen leichter die Wochentage und können sich gut innerhalb der Woche orientieren. Ich komme zu dem Ergebnis, dass diese Regelung eine sehr hilfreiche und weiterempfehlenswerte ist.
Astrid Ledderhose aus Calden-Fürstenwald

Es wurde immer mehr
Wir hatten das Problem mit dem Spielzeug im Kindergarten bei meinem ältesten Sohn auch. Erst wurde es geduldet. Was jedoch auch recht großzügig ausgenutzt wurde. Es war irgendwann soweit, dass die Mädchen ihre gesamte Barbiekollektion samt Reitstall, Schloss, Auto etc. mitbrachten. Die Jungen hielten mit ihrer Traktorflotte dageben. Wenn dann mal etwas kaputt ging, war das Geschrei zum Teil recht groß. Mittags ging dazu noch das große Sortieren los. Es passierte auch mal, das ein Teil nicht mit dem eigentlichen Besitzer nach Hause kam. Irgendwann kamen Erzieher wie auch Eltern zu dem Schluss, das es für alle Beteiligten besser sei, kein Spielzeug in den Kindergarten mitzunehmen, es sei denn an bestimmten Tagen. Nachdem sich sie Kinder daran gewöhnt hatten, klappte es wunderbest. Und wer sein liebstes Spielzeug seinen Freunden zeigen wollte, lud diese zu sich zum Spielen ein. Ein weiterer Vorteil aus meiner Sicht war, dass die Kinder sich auch mit ganz anderern Sachen im Kindergarten beschäftigt haben als zu Hause, da das Lieblingsspielzeug mal nicht greifbar war.
Silke, per E-Mail

Spielzeuge warten draußen
Zum Thema Spielzeugmitbringsel im Kindergarten hat unsere Kindergrippe eine für alle akzeptable Lösung gefunden. Die Kinder dürfen ihr Spielzeug mitbringen, aber die Autos, Puppen und Kuscheltiere müssen in der Garderobe auf die Sachen aufpassen und warten, bis sie nachmittags wieder nach Hause gehen. Ganz hartnäckige Kinder dürfen ausnahmsweise ihr Lieblingsspielzeug mit in die Gruppe nehmen, dort nimmt es dann Platz auf dem Schrank und sieht beim Spielen zu. Für die Kinder und die Eltern ist die Lösung absolut okay und die Kinder verstehen es auch, da das Spielzeug ja mitunter in Sichtweite ist. Und jeder Streit um das tolle, mitgebrachte Spielzeug bleibt aus.
Claudia Seidel-Oumarou, per E-Mail

 
 
 
 
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