Raufen oder rangeln?

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Raufen oder rangeln?
Jungen messen gerne ihre Kräfte. Wo verläuft der Übergang vom spaßigen Rangeln zum gefährlichen Raufen?
Timo und Lasse sind ganz normale Jungen. Sie haben selten Probleme im Umgang mit anderen, toben gerne und lassen keine Rangelei aus, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt. „Wollen wir Kampfbär spielen?“, fragt der sechsjährige Lasse seinen fünfjährigen Kindergartenfreund Timo immer mal wieder. Timo willigt in der Regel sofort ein – und wenig später wälzen die beiden sich auf der Matte im Toberaum, versuchen, sich gegenseitig in den Schwitzkasten zu nehmen oder den anderen auf den Boden zu drücken.
Kürzlich kam Timos Mutter etwas früher als sonst, suchte ihren Sohn und fand ihn auf dem Rücken liegend unter Lasse, der triumphierend auf dem Jüngeren saß und sich dabei mit den Händen auf Timos Haaren abstützte, sodass der seinen Kopf nicht mehr bewegen konnte und rief: „Hör auf, meine Haare!“ – „Geh sofort da weg“, herrschte Timos Mutter Lasse an. „Ihr dürft euch doch hier nicht hauen. Was fällt euch überhaupt ein?“ Die nächste Frage richtete sie an die Erzieherin, die gerade den Raum betrat: „Wieso ist hier eine Schlägerei im Gange und niemand greift ein?“
„Wenn wir jede Rangelei verbieten würden, kämen wir ja zu nichts anderem mehr“, erklärte die Erzieherin und erinnerte an die Regeln, die im Kindergarten herrschen: Bei Spaßkämpfen ist nur erlaubt, was niemandem wehtut, und wenn einer sagt „Aufhören“, muss der andere den Kampf sofort beenden. „Den Kindern macht es Spaß, ihre Kräfte zu messen. Deshalb lassen wir sie“, lautet das Argument der Erzieherin. Lasse und Timo nicken artig. Timos Mutter ist empört: „Das ist doch nur eine faule Ausrede. Die Kinder sollten besser lernen, ihre Konflikte mit Worten zu lösen, als aufeinander loszugehen.“ Hat sie recht?
Das sagen unsere Leser dazu:
Gar nicht erst diskutieren
Ich finde es überflüssig, überhaupt darüber zu diskutieren, ob Schlägerein Spaß machen oder nicht. Einer ist immer der Unterlegene. Kinder – gleichgültig ob Jungen oder Mädchen – sollten von Anfang an lernen, dass jede Form von Gewalt verboten ist. Bei Erwachsenen fragt doch auch niemand, ob es ein „lustiges Kräftemessen“ oder Körperverletzung ist, wenn einer den anderen schubst, schlägt und mit Kraft auf den Boden drückt.
Melanie Kaiser, per E-Mail
Zu viel Macht für die Starken
Erwachsene machen es sich nur bequem, wenn sie einfach nicht hinsehen und die Kinder sich selbst überlassen – nach dem Motto „Wenn es denen Spaß macht, sollen sie doch tun, was sie wollen.“ Mit diesem Argument überlassen sie den körperlich Stärksten die Macht im Kindergarten. Welcher kleine Junge traut sich schon zuzugeben, dass ein Älterer ihm weh tut? Wenn ich im Kindergarten oder anderswo sehe, dass zwei Kinder miteinander kämpfen, gehe ich grundsätzlich hin, verbiete ihnen, weiter zu machen, und frage nach dem Grund fürs Raufen. Häufig stecken ungelöste Konflikte dahinter.
Elisabeth T., Stuttgart
Ein Zeichen für fehlende Bewegung
Wenn wir mit unserer Vorschulgruppe einen Ausflug machen, fällt es auf, dass die Jungens viel unruhiger sind als die Mädchen. Viele fangen zum Beispiel beim Warten an einer Ampel sofort an, andere anzurempeln oder sogar zu schubsen. Ich halte das für ein Zeichen von mangelnder Bewegung. Wenn die Jungens sich draußen auf dem Spielplatz richtig ausgetobt haben, sind sie hinterher viel ruhiger. Deshalb sollte jeder Kindergarten darauf achten, dass die Kinder viel toben und rennen dürfen. Dann brauchen sie auch weniger Kämpfe, um sich abzureagieren.
Franka Schmitz, Dresden







