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Saubere Sache

Bild: Petit Amour

Saubere Sache

Heute müssen die Kleinen beim Eintritt in den Kindergarten nicht mehr windelfrei sein. Trotzdem birgt das Thema „Sauberkeitstraining“ Konfliktpotenzial – denn Eltern und Erzieher haben mitunter unterschiedliche Vorstellungen, wie Kinder „trocken“ durch den Tag kommen.

Als Julius (3) am Nachmittag vom Kindergarten abgeholt wird, halten die Erzieherinnen seiner Mutter einen Beutel mit schmutziger Wäsche entgegen: Der Dreijährige braucht zu Hause keine Windel mehr – doch ins Spiel vertieft vergisst er im Kindergarten mitunter, auf die Toilette zu gehen. Da dieses „Malheur“ häufiger vorkommt, sucht die Gruppenleitung das Gespräch mit der Mutter. Die Erzieherin schlägt vor, dass Julius zunächst eine sogenannte Höschenwindel trägt. „Die Windel kann er beim Toilettengang wie eine Unterhose selbstständig herunterziehen“, erklärt sie, „und falls doch mal etwas daneben geht, können wir ihren Sohn wickeln.“

Julius Mutter ist empört: „Eine Windel wirft unser Kind in seiner Entwicklung zurück. So arbeitet man doch gegen das Sauberwerden!“ Sie versteht nicht, warum man Julius nicht einfach öfter fragt, ob er auf die Toilette muss. Die Erzieherin kann die Einwände der Mutter nachvollziehen, verweist aber auch im Hinblick auf den Betreuungsschlüssel auf die eingeschränkten Möglichkeiten des Kindergartens: „Wir können die Kleinen nicht ständig auf die Toilette schicken. Außerdem ermutigen wir ihn ja trotz der Windel, die Toilette aufzusuchen.“ Der Vorschlag sei ihrer Meinung nach eine gute Alternative für den Übergang: Denn auch die Kinder fühlen sich besser, wenn sie nach einem Malheur nicht komplett umgezogen werden müssen – vor allem, wenn „es nicht bloß um das kleine Geschäft geht“. Zudem gibt sie zu bedenken, dass Julius Mutter ihren Sohn in Sachen „sauber sein“ vielleicht überschätzt und befürchtet, dass das ständige Einnässen den Jungen auf die Dauer frustriert.

Welche Lösung könnte Julius am besten helfen? Ist es angebracht, dass die Erzieherin auf eine Windel zurückgreifen möchte?


Das sagen unsere Leser dazu:

Eine Windelhose ist in Ordnung
In unserem Kindergarten gibt es eine Gruppe, die sehr viele Wickelkinder hat. Die Erzieher sind fast nur mit Wickeln beschäftigt und kommen nicht mehr dazu, sich um andere Kinder zu kümmern. Darum hat diese Gruppe immer ein bis zwei Praktikanten. Unsere Kleine kommt nun auch bald in diese Gruppe und ich versuche, sie vorher noch trocken zu bekommen. Leider klappt das nur bedingt. Ich bin auch dafür, daß die Kinder im Kindergarten dann eher eine Windel anziehen, wenn es zu oft daneben geht. Denn die Erzieher haben nicht auch noch Zeit, ständig den Boden zu wischen und die Kinder neu anzukleiden. Und es gibt genügend andere Kinder, die beschäftigt werden wollen. Unserer Tochter werden wir die Windeln anziehen, die sie alleine hoch- und runterziehen kann. Dann ist es für sie auch nicht zu schlimm, falls es doch mal daneben geht. Und zu Hause geht´s dann nur ohne Windel - da habe ich Zeit, mich intensiv um sie zu kümmern. Ich denke, so ist es für die Erzieher und auch für das Kind das Beste. Schließlich ist es dem Kind irgendwann unangenehm, wenn es ständig in die Hose macht und Größere es vielleicht sogar hänseln.
M. Schulz, per E-Mail

Kinder brauchen Unterstützung beim Toilettengang
Unsere Tochter war mit 26 Monaten trocken. Mit dreieinhalb Jahren kam sie in den Kindergarten. Sie trank sehr viel. Die Toilettentüren waren mit einem schweren Magneten versehen. Zudem waren die Toilettenschüsseln sehr hoch angebracht. Meine Tochter fand es ekelig, sich mit den Händen über die Brille zu hangeln. So passierte es, dass sie mittags sehr oft nass war. O-Ton der Erzieherinnen: "Es ist wohl besser, sie ziehen dem Kind wieder eine Windel an!" Sie waren einfach nur bequem!
Ich besorgte meiner Tochter einen mittelhohen Hocker, der - nicht nur - für sie bereitstand und entfernte an einer Tür den Magneten. Damit war zwar das offensichtliche Problem gelöst, doch unsere Tochter fühlte sich dort auch nicht gut. Unter einer liebevollen Betreuung und Anleitung hatten wir uns damals (vor elf Jahren) schon etwas anderes vorgestellt. Sie war dann oft krank, sodass wir sie sehr oft daheim behielten und schließlich bereits im Mai zum Ende des KiGa-Jahres kündigten. Meine Tochter wechselte dann in einen eingruppigen konfessionellen Kindergarten, der liebevoll auf die Kleinen einging. Diese Einrichtung besuchte dann auch unser Sohn, der ebenfalls sehr früh sauber war. Dort ging dann eine Erzieherin vor und nach dem gemeinsamen Frühstück, vor dem Spiel im Garten, vor dem Ausflug etc. und wann immer ein Kind sagte, dass es müsse, auf die Toilette mit! Es sollte wohl jedem/r KiGa Mitarbeiter/in geläufig sein, dass ein Kind - wenn es ins Spiel vertieft ist - schon mal vergisst, dass es muss. Ist das zu viel verlangt, die Kinder daran zu erinnern?
D. Friedrich, per E-Mail

Die Windel ist kein Entwicklungsrückschritt
Meine Tochter hatte so ihre Schwierigkeiten mit dem Gang zur Toilette. Natürlich habe ich es erst zu Hause ausprobiert und nach einiger Zeit funktionierte es auch ganz gut. Aber im Kindergarten vergaß sie durch das Spielen, Bescheid zu sagen, und ich bekam jeden Tag eine Tüte mit den nassen Sachen mit nach Hause. Ich beschloß daraufhin mit der Erzieherin, dass ich meine Tochter erst mal mit Windel in den Kindergarten schicke. Nach geraumer Zeit wurde die Windel dann im Kindergarten weggelassen und sie wurde öfter auf die Toilette geschickt. Heute klappt es sehr gut, auch wenn mal durch das Spielen ein wenig daneben geht.  Ich denke nicht, dass der kleine Julius durch das Tragen der Windel im Kindergarten in seiner Entwicklung zurückgeworfen wird. Wenn die Erzieherinnen ihn zwischendurch immer mal wieder auf die Toilette schicken, dann denke ich wird er es auch irgendwann von selber machen.
Carmen Klatt, per E-Mail




 
 
 
 
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