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Sinnvolle Strafen

Foto: Thinkstock

Gibt es sinnvolle Strafen?


Wenn es in der Kita drunter und drüber geht, müssen Erzieher mitunter konsequent durchgreifen und kommen ohne kleine Sanktionen nicht aus. Doch was sind eigentlich pädagogisch wertvolle Strafen?

Der Gruppenraum präsentiert sich verwüstet. Er ist nicht nur etwas unordentlich wie sonst, wenn die Kinder zwei Stunden dort gespielt haben, vielmehr herrscht Chaos! Hier wurde offenbar gezielt Sabotage betrieben: Kisten sind ausgeschüttet, Bastelmaterial liegt herum, in zwei Matratzen offenbaren sich Löcher – und einer Puppe wurden die Haare abgeschnitten. Marie, Maximilian und Dominik waren nach dem Mittagessen allein in diesem etwas abgelegenen Zimmer und haben offenbar bewusst Unsinn gemacht. Mit Unschuldsblick („Das waren wir nicht“) kommen sie nicht durch. Zur Rede gestellt, geben sie schnell zu: „Ja, wir haben hier getobt.“ Toben ist allerdings nicht verboten und hinterlässt normalerweise keine Spuren der Verwüstung, wenn man sich an die Regeln hält. Auch das müssen die drei Fünfjährigen schließlich eingestehen und erklären kleinlaut: „Ja, wir haben Mist gemacht.“

Nachdem kein Zweifel mehr an ihrem Vorsatz besteht, überlegen die Erzieher gemeinsam: Welche Strafe wäre angemessen?

  • Den Schaden wieder gut machen? Das geht nur in Maßen. Denn was richtig kaputt ist, das kann niemand reparieren.
  • Die Kinder alleine aufräumen lassen? Das würde wohl bis zum Abend dauern.
  • Ein intensives Gespräch führen? Das reicht manchen Teammitgliedern nicht.
  • Die Eltern um Kostenerstattung für die Matratzen und die Puppe bitten? Besser nicht, denn die Frage, ob man die drei konsequenter hätte beaufsichtigen müssen, ist nicht eindeutig geklärt.
 

Das sagen unsere Leser dazu:


Die Kinder müssen mithelfen, den Schaden zu beheben
In dem Raum ist einiges geschehen. Die Kinder hatten zu viel Zeit, um unbemerkt so viel anzurichten. Hier müsste in Zukunft unbedingt häufiger nachgesehen werden. In meiner Kindergartenarbeit habe ich immer wieder gemerkt, dass es sinnvoll ist, Kinder bei der Behebung des Schadens mit einzubeziehen. Somit kommen sie aus der „Sünderhaltung“ heraus und können aktiv werden. Dies gibt einen enormen Schub, und Fünfjährige haben ja viele Ideen. Eine Erzieherin müsste moderierend zur Seite stehen und eine zweite müsste Absprachen festhalten. Dies ist etwas aufwändig, lohnt sich aber.
Die Frage ist, wer den Kindern bei der Behebung des Schadens helfen kann:
Wer könnte beim Aufräumen zusätzlich helfen? Wer von den Erzieherinnen kann Nähen oder Flickstücke besorgen? Wer kann sich um eine neue Frisur der Puppe kümmern?
Bei der Gesprächsrunde empfehle ich einen Redestein, den der in der Hand hält, der am Sprechen ist.
Auch beim Nachfragen, ob die Personen zur Mithilfe bereit sind und bei der Durchführung, muss eine Erzieherin unterstützend zur Seite stehen. Ich bin überzeugt, die Kinder gehen gestärkt aus dieser Sache heraus und werden den Raum in Zukunft pfleglich behandeln.
Und das Schönste ist hierbei für mich: Niemand hat sein Gesicht verloren, wie es bei manchen Strafen der Fall ist.
Andrea Neu, Erzieherin und Mutter von einjährigen Zwillingen, per E-Mail


EIn Spielzeug abgeben
Dass beim Spielen mal etwas kaputt geht, ist normal. Das ist daheim und im Kindergarten so. Wenn jedoch ein Zimmer bewusst oder mutwillig zerstört wird, muss es Konsequenzen gegen. Das müssen auch schon Kinder lernen. Mein Sohn weiß, wenn er aus reiner Wut oder Langeweile zerstört, wird ihm ein Teil vom Taschengeld einbehalten, damit er merkt, was Dinge kosten.
In dem von Ihnen beschriebenen Fall wäre es sinnvoll, wenn die Kinder ein Spielzeug, das sie gerne haben, dem Kindergarten schenken, als Ersatz.
Es sollte auch mit den Kindern geredet werden, um ihnen die Ausmaße ihres Handelns zu erklären. Vielleicht kann man auch mir den Eltern reden, dass sie eine Matratze ersetzen oder reparieren.
Nur, weil die Erzieherin mal kurz nicht im Raum ist, heisst das nicht, dass die Kinder alles blind zersören dürfen.
Nicole Handal per E-Mail


Kleine Dienste, um den Schaden wieder gutzumachen
Ich bin als Sozialpädagogin in der Familienhilfe tätig und habe manchmal mit ähnlichen Fällen zu tun. Meine Vorgehensweise wäre folgende, egal ob im Kindergarten oder in einer Familie.
1. Gemeinsames Aufräumen, eventuell auch noch am nächsten Tag, wenn die Zeit nicht ausreicht. Jetzt kann alles, was noch intakt ist, wieder in die Regale geräumt werden.
2. Alles was kaputt ist, kommt in eine Kiste.
3. Am nächsten Tag würde ich mit den Kindern besprechen, was sie selbst tun könnten. Ich erwarte, dass sie einen Beitrag leisten, um den Schaden wieder gut zu machen. Zum Beispiel, dass sie dreimal beim Fegen helfen, oder ähnliches. Die Kinder entwickeln hier manchmal tolle Ideen. Dabei sind alle Ideen nicht erlaubt, die mit Geld zu tun haben. Danach ist der Fall erledigt, und die Erzieher müssen demnächst auch besser aufpassen.
Ruth Winkelhaus, per E-Mail

 

 
 
 
 
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