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Sollen Geschwister in die gleiche Gruppe?

Foto: www.colourbox.de

Sind große Brüder oder Schwestern wichtige Vertraute oder lästige Konkurrenten für Kindergarten-Einsteiger?

Für den dreijährigen Kilian ist sein Bruder Sebastian der Größte. Er bewundert alles, was der Fünfjährige schon kann, und hat vor allem ein Ziel, wenn der Ältere Freunde zu Besuch hat: Er will dabei sein. Und das, obwohl er sich meist mit Handlangerdiensten begnügen muss.

Er soll den Ball aus dem Gebüsch holen, bekommt beim Wettrennen mit der Carrerabahn das schlechteste Auto und beim Malen nur das blasse Braun, das sonst keiner will. Am Computer darf er nichts anfassen und muss mit einem Meter Abstand zugucken, wie die Großen „daddeln“.

Kilian selbst stört das offenbar nicht. Er scheint froh, wenn Sebastian ihn nicht mit rüden Worten wegschickt. „Hau ab, du Nervensäge“, gehört da noch zu den harmlosen Großer-Bruder-Sprüchen. Mama und Papa sehen das mit gemischten Gefühlen. Klar, sie wissen, dass Geschwister nicht immer nett zueinander sind. Aber sie haben den Eindruck, dass Kilian zu oft untergebuttert wird.

Sie möchten, dass ihr Jüngster eigene Freunde findet, die nicht älter sind als er, und mit denen er auf gleicher Ebene spielen kann. „Solange Sebastian dabei ist, bleibt Kilian immer nur das fünfte Rad am Wagen. Das macht doch keinen Spaß“, sagt die Mutter.

Für die Eltern steht deshalb fest: Wenn Kilian demnächst in den Kindergarten kommt, soll er auf jeden Fall in eine andere Gruppe als Sebastian – obwohl die Kita Drei- bis Sechsjährige in altersgemischten Gruppen gemeinsam betreut.

Die Erzieher haben Verständnis für den Wunsch der Eltern – nur Kilian hält gar nichts davon. Er hat bereits angekündigt: „Wenn ich nicht bei Sebastian sein darf, gehe ich gar nicht in den Kindergarten.“
 

Das schreiben unsere Leser dazu:

Auch eine Chance für den großen Bruder
Ich kann nur ermuntern, die beiden Jungs in getrennten Gruppen unterzubringen. Kilian hat so die Chance, sich unvoreingenommen weiterzuentwickeln und seinen Platz in seiner Gruppe zu finden. Er ist dann nicht mehr nur "der kleine Bruder von", sondern zählt als eigene Person, was sehr wichtig für ihn ist. Natürlich ist das für ihn erst einmal beängstigend und er reagiert mit Abwehr und Trotz. Trotzdem wird er sich schnell einleben und dann pudelwohl fühlen. Wenn er möchte, kann er ja auch mal seinen Bruder in dessen Gruppe besuchen (wobei ich vorab mit den Erzieherinnen sprechen würde, um permanentes "Anhängen" zu vermeiden). Im Übrigen darf man nicht vergessen, dass die Trennung auch für Sebastian eine Chance ist. Er wird sich womöglich wieder richtig auf seinen kleinen Bruder freuen, ihn gerne mal besuchen und spielen, ohne in die Rolle des großen Bruders zu rutschen, der immer aufpassen muss oder Verständnis für den Kleinen zeigen soll.

Petra Hildebrand, per E-Mail

 

Proteste aushalten und einen neuen Weg gehen

Kilian und Sebastian haben aus meiner Sicht Erfahrungen miteinander, die viele teilen. Ich finde die Idee der Eltern wunderbar, Kilian in einer anderen Kitagruppe anzumelden. Dort könnte sich zeigen, ob er vielleicht von sich aus eher den Kontakt zu älteren Kindern sucht. Dann könnte er sich eigene Freundschaften aufbauen und so zu eigenem Selbstbewusstsein gelangen. Die Konflikte zu Hause werden dadurch sicher nicht weniger, aber sie werden nicht im Ungleichverhältnis ausgetragen. Die Eltern sollten die Proteste von Kilian aushalten und ihn liebevoll auf seinem neuen Weg begleiten. Als Mutter von drei Söhnen (inzwischen 22, 16 und 11 Jahre) und als Grundschullehrerin habe ich viele ähnliche Situationen erlebt, die das Familienleben vor eine harte Probe stellten. Die Zusammenarbeit mit der Kindereinrichtung erscheint hier äußerst wichtig, da die Kinder sich dort oft ganz anders zeigen als zu Hause. Auch Sebastian könnte übrigens entlastet sein, wenn er eigene Spielideen mit seinen Freunden ungestört vom kleinen Bruder umsetzen kann.

Katrin, per E-Mail

 

Mit einem Vertrauten schneller einleben

Ich denke auch gerade darüber nach, ob meine kleine Tochter demnächst zu ihrer großen Schwester in die Gruppe soll, und glaube, dass die Kleinen sich leichter von der Mutter und vom gewohnten Umfeld abnabeln können, wenn sie zu ihren Geschwistern dürfen. Den Jüngeren genügt ja oft schon die Anwesenheit eines vertrauten Menschen, um sich in einer neuen Umgebung schneller wohl zu fühlen.
Das Thema Unterbuttern erledigt sich meist von selbst, wenn die Großen in die Schule kommen.

Christine Westner, per E-Mail

 

Eine eigene kleine Welt für das jüngere Kind

Als unsere Jüngere nicht zu ihrer großen Schwester in die Gruppe durfte, waren alle erst einmal enttäuscht. Doch im Nachhinein bin ich sehr froh, dass unsere kleine Luisa ihre eigene Gruppe bekommen hat und sich dort auch einen eigenen Freundeskreis aufbauen konnte. Mittlerweile ist Katharina nämlich in der Schule und Luisa hat ihren eigenen Bereich, auf den sie sehr stolz ist. Man sollte also bei der Überlegung immer bedenken, dass die Kinder sich spätestens beim Schuleintritt ohnehin trennen müssen. Dann ist es auf jeden Fall besser, wenn das jüngere Geschwisterkind sich nicht zurückgelassen fühlen muss, da es sich bereits seine eigene kleine Welt geschaffen hat.

A.Mosig-Miers, per E-Mail

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