Unfreiwillige Auszeit

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Unfreiwillige Auszeit
In vielen Kindergärten steht eine Mittagspause auf der Tagesordnung: Doch die Gestaltung dieses Rituals führt häufig zu Diskussionen – denn nicht jedes Kind hat Lust auf eine „Kuschelstunde“.
Mia (4) geht seit einem Jahr vormittags mit großer Freude in den Kindergarten. Da ihre Mutter beruflich etwas flexibler sein möchte, wechselt das Mädchen in die Ganztagsbetreuung der Einrichtung. Ein paar Tage nach der Umstellung beobachtet die Mutter zu Hause, wie ihre Tochter mit ihrer Spielzeugfamilie „Kindergarten“ spielt: Puppe Lisa möchte toben, woraufhin der Plüschhund tadelt, sie möge bitte ruhig sein – es sei doch gerade „Pause“. Mias Mutter beschließt, bei den Erzieherinnen nachzuhaken. Im Gespräch erfährt sie, dass sich alle Ganztagskinder nach dem Mittagessen auf Schlafmatten oder in einer Kuschelecke hinlegen. Wer währenddessen aufsteht oder herumalbert, bekäme – wie auch bei Mia geschehen – eine Ermahnung.
Die Mutter ist enttäuscht: Sie möchte nicht, dass man ihre Tochter entgegen ihrer Gewohnheit zum Ausruhen zwingt – einen Mittagsschlaf macht die Vierjährige schon seit Längerem nicht mehr. Als sie sich an die Leitung wendet, verteidigt diese die Prinzipien der Einrichtung: Während eines turbulenten Tages im Kindergarten bräuchten die Kleinen einfach eine „stille Zeit“. Außerdem zwinge man sie ja nicht zum Einschlafen: Eine Erzieherin lese immer aus einem Märchenbuch vor – der Großteil der Kinder genieße dieses Ritual. Auch Mia würde sich mit Sicherheit daran gewöhnen.
Die Mutter findet es übertrieben, dass die Mitarbeiter des Kindergartens die Mittagspause so wichtig nehmen. Sollen die Kleinen nicht lieber selbst entscheiden, ob sie eine „Auszeit“ brauchen? Ies sinnvoll, konsequent auf einer Mittagsruhe zu bestehen?
Das sagen unsere Leser dazu:
Mein Sohn wird zum Schlafen genötigt
Ich bin alleinerziehende, berufstätige Mutter und muss mich auch immer wieder mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Mein Sohn ist vier Jahre alt und benötigt nach meiner persönlichen Erfahrung keinen Mittagsschlaf, an den Wochenenden hält er schon lange keine Mittagsruhe mehr und um 20 Uhr ist Schlafenszeit. Da er aber ganztags in die Kita geht, wo eine Mittagsruhe (auf Matten) eingehalten wird, bekomme ich oft erst sehr spät abends meine wohlverdiente Ruhepause. Auf Nachfrage in der Kita, ob es nicht möglich Kinder sei, dass die Kinder, die keinen Mittagsschlaf benötigen, anderweitig zu beschäftigen seien, bekomme ich die Antwort: Platzmangel und Störung der anderen Kids. Dementsprechend wird auch mein Kind zum Ruhen „genötigt" und schläft dann auch irgendwann ein. Die Erzieherin meinte zu mir. „Wenn die Kinder einschlafen, brauchen sie den Schlaf". Ich finde es sehr schade, dass man sich nicht auf die Bitten und Bedürfnisse der Eltern ein wenig mehr konzentrieren kann.
Mein einziger Lichtblick ist immer wieder die Freude aufs Wochenende.
Michaela K., per E-Mail
Mittagsruhe verleidet Kindergartenbesuch
Die verpflichtende Mittagsruhe halte ich für absolut unsinnig. Es gibt Kinder, die mit zwei Jahren keinen Mittagsschlaf mehr halten, und andere brauchen ihn noch mit fünf Jahren. In unserem Kindergarten wird leider kategorisch darauf gepocht, dass Kinder bis zum Alter von fünf Jahren in die Ruhe-/ Schlafgruppe gehen müssen, zum Leidwesen vieler Eltern.
Die Folge ist, dass die Kinder, die zu Hause mittags nicht mehr schlafen, abends zur Schlafenszeit putzmunter sind, und nicht einschlafen können.
Meinem Sohn ist der Kindergartenbesuch durch diese strenge Regelung völlig verleidet, und er denkt jeden Morgen mit Schrecken an die Mittagsruhe. Leider haben auch Gespräche mit dem Kindergarten nicht zu einer Lockerung der Regel geführt.
Marion D, per E-Mail
Kinder müssen lernen, Rücksicht zu nehmen
Ich verstehe die Mutter von Mia nicht so ganz. Sollte ein vierjähriges Mädchen schon über alles allein entscheiden? Ich finde das führt zu weit. Sicherlich sollen Kinder in der Kita nicht gezwungen werden zu schlafen,
aber in unserer Gesellschaft heißt es doch auch „Mittagszeit ist Ruhezeit“. Als Mieter einer Wohnung fühle ich mich gestört, wenn in der Mittagszeit
irgendwo getobt, gebohrt oder sonst was Lautes gemacht wird. Ich finde,
Kinder sollten lernen, auch auf andere Rücksicht zu nehmen. Wenn in der Kita in der Mittagszeit Ruhe herrschen soll, müssen die Kinder sich daran halten, auch aus Rücksicht auf die Kinder, die eben noch einen Mittagsschlaf brauchen. In der Kita meiner beiden Kinder ist das so geregelt: Die Schlafkinder schlafen alle in einem Raum und die größeren Kinder, die keinen Mittagsschlaf mehr brauchen, gehen raus oder bei schlechtem Wetter in einen separaten Raum und dort werden Geschichten vorgelesen oder dergleichen.
Verena Liero, per E-Mail







