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Unser Sohn ist ein Kindergarten-Rambo

Foto: www.colourbox.de

Zu Hause ist Julian ein ausgeglichener Junge, in der Kita fällt er durch Aggressionen auf. Soll er den Kinder­garten wechseln?

An manchen Tagen traue ich mich kaum in den Kindergarten“, berichtet Julians Mutter verzweifelt. Wenn sie nach­mittags müde und abgehetzt von der Arbeit kommt, um ihren vierjährigen Sohn abzuholen, wird sie selten freundlich empfangen.

Meist bekommt sie als Erstes zu hören, was Julian wieder angestellt hat – zum Beispiel, dass er ein anderes Kind getreten und gehauen oder jemandem etwas weggenommen hat. Jetzt soll er sogar eine Erzieherin bespuckt haben.

Gelegentlich rufen abends andere Eltern bei Julians Familie an und wollen sich über den „kleinen Rambo“ beschweren. Doch solche Gespräche bringen alle Beteiligten nicht weiter – genauso wenig wie die regelmäßigen Vorladungen im Kindergarten, in denen die Erzieher Julians Eltern raten, auf ihren Sohn einzuwirken, damit er im Kindergarten nicht so aggressiv auftritt.

Doch Mutter und Vater wissen nicht, was sie tun sollen. Sie haben Julian natürlich schon oft gesagt, dass man andere Kinder nicht haut. Offenbar hält er sich in seiner Gruppe jedoch nicht an die Regel. Die Vorfälle im Kindergarten spielt Julian herunter („ich habe das nur gemacht, weil die anderen angefangen haben“).

Zu Hause ist er ruhig und ausge­glichen. Ansonsten redet der Vierjährige nicht viel. Fehlen ihm vielleicht die Worte, um sich ohne Gewalt zu wehren? Provozieren ältere Kinder ihn? Haben die Erzieher ihn schon auf dem Kieker? Julians Eltern erscheint die Situation so verfahren, dass sie überlegen, ihren Sohn in einen anderen Kindergarten zu schicken. Ist das sinnvoll?
 

Das schreiben unsere Leser dazu:

Ein neues Kind befragen
Zu Hause steht Julian wahrscheinlich im Mittelpunkt. Niemand provoziert ihn mit Worten. Es kann ja sein, dass er im Kindergarten gar keinen Streit anfängt, sondern andere Kinder ihn ärgern. Es gibt Jungen und Mädchen, die sehr versteckt und gezielt auf andere losgehen. Das kriegen die Erwachsenen oft gar nicht mit. Und dem einen macht es was aus, dem anderen nicht. Es könnte hilfreich sein, ein Kind zu befragen, das neu in die Gruppe gekommen ist. Das kann die Situation vielleicht objektiver beurteilen.

Brigitte König, per E-Mail


Beobachtungen schriftlich festhalten

Als Mutter eines fünfjährigen Sohnes und als Erzieherin kenne ich beide Seiten. Deshalb mein Tipp an die Kita-Mitarbeiter: Konfrontieren Sie die Eltern nicht täglich mit den Problemen (beide Seiten wissen ja, dass es nicht leicht ist). Versuchen Sie statt dessen, öfter auch die positiven Seiten des Kindes mit Beispielen zu belegen. Sonst ist es ja kein Wunder, dass die Mutter Angst vorm Abholen hat. Beobachten Sie das Kind genau und halten Sie das schriftlich fest, um es den Eltern zeigen zu können und um Prozesse sichtbar zu machen. Vielleicht kann ein Fachdienst (zum Beispiel eine Psychologin) dazu geholt werden. Mein Rat an die Eltern: Bitten Sie um ein Gespräch statt gleich den Kindergarten zu wechseln. Denn das bedeutet nicht, dass dort alles besser wird. Ein Wechsel sollte nur als letzte Möglichkeit in Betracht gezogen werden.

Andrea Hofer, Penzberg


Julian braucht regelmäßige Beschäftigung

Es ist sicher nicht notwendig, den Kindergarten zu wechseln. Denn in der nächsten Gruppe wird Julian die gleichen Probleme haben. Vielleicht ist etwas vorgefallen, das ihn bedrückt und er will mit seinen Aggressionen nur Aufmerksamkeit erregen? Eine kleine Auszeit oder ein klärendes Gespräch zwischen den Eltern, den Erziehern, dem Störenfried und den betroffenen Kindern wäre aufschlussreich. Die Kinder können Julian sagen, wie sie sich fühlen, wenn er so aggressiv ist, und er kann loswerden, was ihn bedrückt. Wenn das nichts bringt, sollte er möglichst jeden Tag beschäftigt werden. Vielleicht merkt er dadurch, dass andere für ihn da sind, und erzählt irgendwann von alleine, was ihn beschäftigt.

Carina Meier, Gersthofen

 
 
 
 
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