Vor verschlossenen Türen

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Vor verschlossenen Türen
In den meisten Kindergärten gibt es feste Zeiten, zu denen Eltern ihren Nachwuchs bringen dürfen. In einigen Einrichtungen schauen die Erzieherinnen jedoch genauer auf die Uhr – wer zu spät kommt, muss warten.
Seit Kurzem gibt es im Kindergarten der Zwillinge Tim und Hanna eine neue Regel: Punkt neun Uhr werden die Pforten geschlossen. Den Kindern, die später kommen, bleibt nur die Klingel. Außerdem dürfen sie erst nach dem Morgenkreis in ihre Gruppe. So lange müssen die Eltern bei ihrem Nachwuchs bleiben und warten. Die Erzieherinnen begründen ihr Vorgehen damit, dass sich eine Nachlässigkeit eingeschlichen habe: „Einige Eltern erscheinen häufig erst nach neun Uhr. Wenn die Kleinen dann verspätet in die Gruppe kommen, bringt das Unruhe in unseren Morgenkreis.“ Mit der Maßnahme möchten die Erzieher für mehr Disziplin bei den Eltern sorgen. Den Stuhlkreis sehen sie als ein wichtiges Ritual, das nicht gestört werden darf.
Für die Mutter von Tim und Hanna bedeutet die neue Regelung allerdings noch mehr Hektik am Morgen: „Ich muss nicht nur die Zwillinge, sondern auch ein Kleinkind ausgehfertig machen. Beim Wickeln, Anziehen und Frühstücken haben wir jetzt noch mehr Stress, damit wir es rechtzeitig in den Kindergarten schaffen.“ Trotz aller Eile trifft die Familie manchmal erst nach neun Uhr ein. „Mit drei kleinen Kindern kann ich einfach nicht immer pünktlich im Kindergarten sein,“ erklärt die Mutter.
Zwar zeigen die Erzieherinnen Verständnis, aber es bleibt dabei: Um neun Uhr wird abgeschlossen. Schließlich müssen sie auf einen geregelten Tagesablauf achten. Die Mutter der Zwillinge meint, dass es auch andere Möglichkeiten gibt – zum Beispiel den Stuhlkreis stattdessen eine halbe Stunde nach hinten zu schieben.
Wie flexibel sollte ein Erzieherteam bei den Bringzeiten sein?
Das sagen unsere Leser dazu:
Pünktlichkeitszwang kann zum Psychstress ausarten
Unser Kindergarten ist, was Pünktlichkeit angeht, auch sehr unflexibel. Ich finde, man sollte ein tolerantes "akademisches Viertel" akzeptieren. Denn schließlich sollte der Kindergarten Eltern unterstützen und entlasten. Wenn das jüngste Kind nochmal eben in die Windel gemacht hat und ein anderes noch nicht mit dem Frühstück fertig ist, kann es für die ganze Familie zum Psychostress werden, wenn man auf gar keinen Fall zu spät in den Kindergarten kommen darf. Bei uns ging das so weit, dass meine Tochter den Kindergarten schier verweigert hat, weil ihr morgens der Druck zu groß war. Kindergartenkinder sind noch keine Schulkinder und können noch nicht mit Zeiten umgehen. Da merken die Kleinen nicht, wenn sie mal wieder zu sehr trödeln. Und: Muss man in diesem Alter denn schon militärisiert werden?
Daniela Treder aus Heiligenrot, per E-Mail
Zuspätkommer sind benachteiligt
In unserer Kita gibt es feste Zeiten. Bis neun Uhr sollen alle Kinder angekommen sein, denn dann beginnt der Morgendkreis beziehungsweise die Angebotsphase. In dieser Zeit ist es wichtig, dass nicht jeden Moment die Tür aufgeht und ein "Zuspätkommer" stört. Die Kinder wollen ihre Ruhe haben und nur so können sie richtig lernen. Keiner wird abgelenkt und die Konzentration läuft Hochtouren.
Außerdem bilden sich in dieser Zeit die Spielpartner. Ein "Zuspätkommer" hat es häufig schwer, sich dort noch einzuklinken. Ich kann Eltern nicht verstehen, die die Zeit nicht einhalten können. Ich frage mich dann, wie schaffen die Kinder es später pünktlich zur Schule oder zu anderen Terminen? Ich denke, es ist eine Strukturfrage. Diese kann man, wenn man will, auch bewältigen!
Julia Vogel, Magdeburg, per E-Mail
Regelung ist vernünftig
In der Kita meines Sohnes beginnt der Morgenkreis um 9:30 Uhr. Es gelten die gleichen Regeln, die Tür wird dann verschlossen und wer zu spät kommt, muss etwa 15 bis 20 Minuten warten. Ich denke, das ist eine gute Maßnahme, um Eltern und Kinder zu erziehen. Erstens wartet keiner gern vor der Tür, zweitens ist nach kurzer Zeit der Morgenkreis ein wichtiger Bestandteil des Tagesablaufes für unser Kind. Drittens, sind wir doch mal ehrlich, oft sind es ja gar nicht die Kinder, die so bummeln!!!
Nach all dem, was ich so täglich in unserem Kindergarten erlebe, finde ich diese Regelung nicht schlecht. Im Elternbeirat haben wir sogar schon darüber diskutiert, ob wir nicht die Zeit auf 9:00 Uhr vorschieben sollten, da es auch besser für uns Mütter wäre, da die meisten Kinder bereits 12.30 Uhr wieder abgeholt werden. Doch da sind wir noch nicht wirklich einig geworden. Da die Mütter mit zwei und mehr Kindern berechtigt Zweifel anbringen, dann noch die entsprechende Flexibilität zu haben.
Ich habe jetzt ebenfalls ein zweites Kind bekommen und schaffe es bisher immer noch pünktlich 9:00 Uhr im Kindergarten zu sein. Ich denke, das ist auch eine Frage des „Wollens“. Der Mutter mit Zwillingen in ihrem Heft pflichte ich natürlich bei, dass es nicht immer klappen wird. Aber ich denke, da klappen auch ein paar andere Dinge nicht immer, und das liegt einfach an den drei Kindern, die in relativ kurzem Abstand kamen. Da braucht man so oder so Hilfe von außen, um alles zu schaffen. Warum kann man dann nicht die Organisation umstellen?
Frau Bach, per E-Mail
Eltern müssen Pünktlichkeit vorleben
Ich finde die Regelung mit den Öffnungszeiten sehr gut. Alleine die "Ausrede" mit dem Stress am frühen Morgen kann ich als Zwillingsvater nicht nachvollziehen. Ich habe meine Zwerge jeden Morgen pünktlich am Tisch sitzen und da gibt es gar keine Diskussion über irgendwelche Uhrzeiten.(Meine Frau ist dann schon aus dem Haus und meine Arbeit beginnt um 8 Uhr.)
Wenn diese Mutter auf die Arbeit müsste oder zum Bus, Bahn, Flugzeug
usw.... wenn interessiert da ob daheim Stress war ...? Und wie sollen Kinder Pünktlichkeit lernen, wenn die Eltern es nicht vorleben? Wenn die Kinder in die Schule kommen, dann klingelt die Schulglocke und Schule beginnt. Die Dame soll mal ihren täglichen Ablauf kontrollieren und den Kindern Regeln beibringen (vielleicht sich selbst als Erstes).
Mein großer Tipp für einen reibungslosen Morgen:
Abends die Klamotten rauslegen... (gibt morgens keinen Kampf am Kleiderschrank).
Den Frühstückstisch schon mal vordecken (bis auf die frischen Sachen).
Mutter/Vater sollte morgens etwas früher aufstehen und schon fertig sein wenn die Kids aufstehen (Tisch fertig decken, Pausenbrote machen, Kindergartentasche packen, Mann/Frau verabschieden - falls früher aus dem Haus muss), dann hat das Elternteil die volle Zeit für die Kinder.
Die Kinder müssen dann einen Rhythmus bekommen für Aufstehen, Waschen,
Anziehen, Frühstück, Zähneputzen, (Fertig-)Anziehen und aus dem Haus
gehen.
Also Fazit: Regeln müssen sein - denn ohne Regeln können Kinder nicht gedeihen. Denn diese Art der "Erziehung" zieht sich meist über den ganzen Tag bis abends Ins-Bett-Gehen angesagt ist ...ob das dann pünktlich klappt?
Martin Grein aus Runkel/Lahn, per E-Mail







