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Zu viel verlangt?

Foto: Thinkstock

Zu viel verlangt?

Viele Kindergärten sind auf die aktive Hilfe von Eltern angewiesen. Das Gros der Mütter und Väter engagiert sich gerne, andere halten sich lieber zurück – eine Situation mit Konfliktpotenzial.

Sarah (26) ist mit zwei anderen Kolleginnen in ihrer Einrichtung für die Organisation der Elternarbeit zuständig. Ob Weihnachtsbasar, Sommerfest oder die Pflege des Außengeländes – der Kindergarten ist auf die Mithilfe der Mütter und Väter angewiesen. Da sich das Engagement sehr ungleichmäßig verteilt, haben die Kolleginnen in Absprache mit der Leitung einen offenen Brief geschrieben – mit der Bitte an die Eltern, sich in Zukunft mehr einzubringen. Viele der Eltern reagieren empört und machen deutlich, dass sie neben Job und Familie keine Zeit haben, „ständig einen Kuchen zu backen oder die Blumenbeete zu pflegen“. Ihrer Meinung nach haben die „Forderungen“ des Kindergartens ein zu hohes Maß erreicht – so viel Zeit können und wollen sie nicht aufbringen. Eltern, die regelmäßig mithelfen, sind von der Reaktion der aufgebrachten Mütter und Väter enttäuscht und weisen darauf hin, dass nicht alles „auf ein paar Schultern“ verteilt werden könne und es völlig angebracht sei, sich im Kindergarten zu engagieren – so verbringe man doch auch Zeit mit der Familie. Zudem würde schnell wieder Unmut in der Elternschaft herrschen, wenn die Erzieherinnen keine Feste oder Ähnliches organisieren.

Sarah (26) und ihre Kolleginnen sind verunsichert: Verlangen sie von den Müttern und Vätern tatsächlich zu viel? Wie viel Elternarbeit liegt im Rahmen? Welches Engagement sollten Mütter und Väter zeigen? Wie organisieren Sie die Elternarbeit in Ihrer Einrichtung?

Das sagen unsere Leser dazu:

Elternarbeit kommt dem eigenen Kind zugute
Unser kleiner Mann geht jetzt seid September in den Kiga. Da ich (der Papa) im sozialen Bereich arbeite und ständig Dienst habe, ist es mir nicht möglich, aktiv am Elternbeirat teilzunehmen. Denn wenn man sich darauf einlässt, sollte man seine Aufgabe auch ernst nehmen und anstehende Termine einhalten können.
Wir machen es aber so, dass wir im Gegenzug bei anderen Aktivitäten versuchen, den Kindern etwas Gutes zu tun, zum Beispiel Kuchen backen für den Kleiderbasar, bei der Erneuerung des Aussengeländes helfen etc.
Ich denke, dass die Kindergärten finanziell wirklich kurz gehalten werden und es daher wichtig ist, dass sich die Eltern einbringen. Ausserdem kommt das auch dem eigenen Kind zugute!!! Jeder Euro der gespart wird, kann an anderer Stelle für "sinnvolle" Dinge ausgegeben werden.
C. Wagner, per E-Mail

 

Elternarbeit bewahrt Kindergärten vor dem Aus
Vor Jahren musste jede Familie einen Kindergartenbeitrag entrichten. Hierzu wurde das Familieneinkommen zur Einrechnung herangezogen. Auf dieser Grundlage ist es ein Leichtes zu sagen: „Ich habe alles bezahlt und muss nichts mehr zum Kindergarten beitragen.“
Diese Zeiten haben sich geändert, der Kindergarten ist bei uns in Rheinland-Pfalz kostenfrei für alle Kinder. Jetzt erhalten die Kindergärten ihre Mittel von den Kommunen, die im Verhältnis zu früher deutlich geringer ausfallen.

Was ist hier die zwangsläufige Folge? Die Kindergärten und -tagesstätten geraten mehr und mehr in einen finanziellen Engpass. Es müssen die Gehälter der Erzieherinnen, die Raumkosten, die Energiekosten finanziert werden. Dann nutzen sich natürlich auch Spielzeuge im Laufe der Zeit ab und müssen erneuert werden. Spielsand ist auch nicht ewig „haltbar“. Allein die Vorgabe der Träger, die einzelnen Einrichtungen kostendeckend zu führen, treibt kleine Kindergärten schnell ins Aus.

Liebe Eltern! Ist es  denn nicht möglich eine „Wer-kann-was-Liste“ zu erstellen, um bei Bedarf gezielt die Eltern anzusprechen? Warum muss beim Auswechseln einer Leuchtstoffröhre jedes Mal ein kostenintensiver Elektriker gerufen werden? Kann nicht auch der handwerklich unbegabteste Vater einen Pinsel in die Hand nehmen und die Wand wieder „einfarbig“ streichen, muss es hier eine per Ausschreibung gesuchte Malerunternehmung sein? Das durch den Träger der Einrichtung gesparte Geld kann in andere Projekte wie neues Spielzeug oder Inneneinrichtung wandern.
Und liebe Eltern, wie sieht der Tagesablauf aus wenn Ihr Kindergarten aus finanziellen Gründen geschlossen werden muss?

Ich bin selber Mitglied im Elternausschuss, und für meine Frau und mich war es selbstverständlich, von Anfang an den Kindergarten sowohl per Muskelleistung und auch durch Spenden im  größerem Umfang (neuer Computer mit Monitor) zu unterstützen. Selbstverständlich möchten wir uns hierdurch nicht profilieren, sondern es geht vielmehr aus dem Antrieb heraus, dass wir in Rheinland-Pfalz keine Kindergartengebühren zu entrichten haben.
Und das „Gesparte“ geben wir gerne in Sachleistungen und Mitarbeit zurück.
Ralf Müller, per-E-Mail

 
 
 
 
Video: Das passiert in der 28. bis 32. SSW

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