Geschmackssache

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Geschmackssache?
Beim Frühstück im Kindergarten gehen die Gewohnheiten mitunter stark auseinander: In manchen Einrichtungen ist die Mahlzeit ein gemeinsamer Programmpunkt – andere überlassen den Kindern die Entscheidung, wann sie ihre Brotdose auspacken.
Sophie besucht seit dem letzten Sommer den Kindergarten. Mittlerweile hat sich die Dreijährige gut eingelebt und auch ihre Eltern sind mit der Einrichtung zufrieden. Nur eines stört sie: Es gibt am Morgen kein gemeinsames Frühstück. Die Kleinen nehmen sich ihr mitgebrachtes Brot und setzen sich – sobald sie hungrig sind – in einen separaten Raum.
Sophies Eltern sind mit dieser Regelung nicht zufrieden: Sie finden ein Frühstück mit der ganzen Gruppe kommunikativer. Zudem befürchten sie, dass ihre Tochter beim Spielen vergisst, ihr Obst und Brot zu essen. Die Eltern suchen das Gespräch mit der Gruppenleitung. Diese verteidigt das Prinzip der Einrichtung: Die Kinder kommen morgens zu unterschiedlichen, Zeiten in die Einrichtung – da knurrt der Magen bei dem einen vielleicht eher als beim anderen. Außerdem wolle man mit der „gleitenden Frühstückszeit“ die Selbstständigkeit der Kinder fördern. Ein fester Termin am Morgen reiße die Jungen und Mädchen zudem aus dem Spiel. Einerseits können Sophies Eltern die Argumente der Gruppenleitung nachvollziehen, andererseits finden sie feste Rituale im Kindergartenalltag wichtig. Und: In großer Gesellschaft schmeckt es doch meist viel besser, oder?
Die Eltern hoffen nun auf einen Kompromiss: Die Kleinen sollen wenigstens einmal pro Woche ein gemeinsames Frühstück zu sich nehmen.
Ist das gemeinsame Frühstück im Kindergarten aus der Mode gekommen? Wie halten Sie es in Ihrer Einrichtung?
Das sagen unsere Leser dazu
Projektwoche Frühstück einführen
Meine Tochter ist 4 1/2 Jahre alt und besucht den ortsansässigen Kindergarten. In diesem ist es so geregelt, dass alle Kinder bis spätestens 8:30 Uhr im Kindergarten sein sollen, um gemeinsam zu frühstücken. Um 9:00 Uhr wird zusammen in jeder Gruppe mit den Erzieherinnen gefrühstückt. Kinder, die nach 9:00 Uhr gebracht werden, müssen schon gefrühstückt haben. Da ich morgens um 8:00 Uhr auf der Arbeit sein muss, finde ich das gemeinsame Frühstück im Kindergarten für mich eine große Erleichterung und Stütze.
Ich begrüße ich es sehr, dass im Kindergarten gemeinsam gefrühstückt wird. Das Kontra, dass die Kinder aus dem Spiel gerissen werden, um zu einer festen Zeit zu essen, finde ich nicht begründet. Die Kinder müssen ja auch zu einem bestimmten Zeitpunkt aufräumen, wenn es auf die Abholzeit zugeht. Werden die da nicht auch mitten aus dem Spiel gerissen? Die Kinder wissen: Wenn Zeit zum Aufräumen ist, kommen bald Mama oder Papa. Wäre es ein Problem zum Beispiel eine Glocke einzuführen, die die Frühstückszeit einläutet?
Ich würde daraus eine Projektwoche machen und die Eltern bitten, den Kindern ihr Frühstück einzupacken, und das ganze eine Woche lang machen. Danach sollten die Erzieherinnen bei den Kindern nachhaken, ob es ihnen gefallen hat und bei den Eltern nachfragen, ob es für sie einzurichten wäre, das Frühstück zukünftig immer mit in den Kindergarten zu geben. Vielleicht wäre damit ein Anfang gemacht und man kann testen, ob es auch für die Erzieherinnen ein nicht zu großer Umstellungsprozess in ihrem täglichen Ablauf ist. Denn immerhin müssen das Frühstück dann täglich mit den Kindern zelebrieren
Mareike Pfänder, per E-Mail
Hauptsache Frühstück
Ich finde ein gemeinsames Frühstück genauso wichtig wie ein gleitendes Frühstück. Bei uns in der Einrichtung handhaben wir es so, dass die Kinder ein Mal pro Woche (festgelegter Tag) ein gemeinsames Frühstück zu sich nehmen und die restlichen Tage ein gleitendes Frühstück stattfindet. Diese Struktur haben wir schon seit Jahren und bisher waren alle sehr zufrieden mit dieser Situation.
Helena Rehm, per E-Mail
Mahlzeiten sind Familienangelegenheiten
Unsere Tochter geht von 8:00 bis 12:00 Uhr in den Kindergarten. Sie frühstückt vorher und bekommt um 13:00 Uhr ihr Mittagessen zu Hause. Da unser Kindergarten ein Frühstücksangebot von 8:00-9:30 und das Mittagessen von 11:30-12:30 Uhr anbietet, haben sie die um 10:00 Uhr übliche Frühstückspause wegfallen lassen und uns verboten unserer Tochter dafür etwas zu Essen mitzugeben. Deswegen muss sie immer hungern. Eine Diskriminierung traditioneller Familien? Gemeinsame Mahlzeiten sind das kommunikative Zentrum der Familie und bilden den Kern der familiären Gemeinschaft. Deswegen sind für uns Frühstück als auch Mittagessen wichtige Familienangelegenheit, die wir auf keinen Fall dem Kindergarten überlassen möchten.
Thorsten Heßmann, per E-Mail







