Ellenbogen vom Tisch

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Ellenbogen vom Tisch
Knigge ist wieder in: Die meisten Eltern wollen, dass ihre Kinder sich gut benehmen. Schon wer ein paar Grundregeln beherrscht, steht gleich viel besser da. Die können sie ihrem Nachwuchs selbst beibringen oder sie in einen Knigge-Kurs schicken.
„Warum ich hier bin? Weil ich später mal Steuerberater und Wirtschaftsprüfer werden will – wie mein Papa“, erklärt Dominic (10) selbstbewusst, „und wenn ich dann mit Kollegen essen gehe, muss ich ja wissen, wie man sich benimmt.“ Dominics Eltern sind mit ihrem Sohn aus Vaterstetten bei München nach Hamburg geflogen – extra für einen Benimmkurs im Hamburger Nobelhotel „Vier Jahreszeiten“. Allerdings klingt ihre Begründung für die Teilnahme etwas anders als die von Dominic: „Wenn Eltern gutes Benehmen fordern, dann geht´s bei den Kindern doch zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus“, sagt Dominics Mutter und hofft, dass das im Benimm-Kurs anders ist.
Kurz darauf gilt für alle Eltern dasselbe wie für Hunde beim Schlachter: „Wir müssen leider draußen bleiben“. Meike Slaby-Sandte, die Benimm-Lehrerin schließt die Tür und begrüßt 12 Kinder im „Kleinen Festsaal“. Funkelnde Kronleuchter und ein riesiger Wandteppich - ganz schön vornehm hier drin. Erste Übung: Der Dame aus der Jacke helfen. Dominic meldet sich freiwillig und kriegt´s gut hin, obwohl er sich mächtig recken muss, um bei Philippa (14) an die Schultern zu kommen. Die anderen Kinder sitzen mucksmäuschenstill und scheinen froh zu sein, dass sie nicht gleich etwas vormachen müssen.
Was dann folgt, ist „Knigge-Kür“: Vor der Dame die Treppe runter gehen (sie könnte stolpern, dann muss der Gentleman sie auffangen), Servietten falten, Besteck richtig hinlegen – exakt einen Finger breit von der Tischkante entfernt. Wichtiger für Kinder ist es jedoch, die „Knigge-Pflicht“ drauf zu haben, und die können Eltern ihnen auch prima selbst beibringen. Aber nur kontinuierlich Schritt für Schritt und bloß nicht mit einer überraschenden „Manieren-Offensive“, etwa an der Festtafel zu Omas 80. Geburtstag.
Am besten klappt es mit wenigen, aber präzisen Grundregeln, aufgeteilt in vier Bereiche. Wichtig: die Grundregeln immer wieder in Erinnerung rufen und nicht davon abweichen – auch wenn nach der 372. Ermahnung „Ellbogen runter vom Tisch!“ sich bei vielen Eltern Zweifel breit machen, ob der eigene Nachwuchs das jemals kapiert. Er wird – aber nur, wenn seine Eltern selbst in Sachen Manieren mit gutem Beispiel voran gehen...
1. Bei Tisch
Die Vokabeln „Bitte“ und „Danke“ sollten dem Nachwuchs automatisch über die Lippen kommen – auch im Rummel eines Kindergeburtstags. Ebenso wie Tischmanieren. Deshalb: nicht schmatzen, geredet wird nur mit leerem Mund! Messer und Gabel können auch Kinder schon am oberen Ende anfassen, zum Mund zu führen, anstatt das mit dem Gesicht fast auf dem Tisch zu liegen und dabei die Nudeln in den Mund zu schaufeln.
Nachschlag erwünscht? Dann bitte nicht mit dem Besteck auf dem Tellerrand trommeln und „Mehr!“ brüllen, sondern Messer und Gabel auf dem Teller gekreuzt ablegen. Für Kenner und Kellner das Zeichen: „Ich hätte gerne noch mehr.“ Parallel abgelegtes Besteck heißt: „Bin fertig.“ Das können Eltern mit Kindern bereits üben, sobald sie im Hochstuhl sitzen. Je früher machen sie es später richtig.
2. Wenn Kinder Gäste haben oder woanders zu Besuch sind
Am besten schon ein paar Höflichkeitsübungen machen, bevor das Kind erstmals allein bei Nachbarn oder Freuden zu Besuch ist: Kinder sollten laut und freundlich „Guten Tag“ oder „hallo“ sagen (auch am Telefon!), den eigenen Namen wenn nötig gleich dazu. Und wer begrüßt oder verabschiedet wird, dem schaut man in die Augen, gibt selbstbewusst und fest die Hand reichen. Tiefe Diener und Knicks jedoch sind out.
Sind Jungs und Mädchen irgendwann zum ersten Mal Gastgeber, dann führen sich einige von Ihnen als unsympathische „Bestimmer“ auf, dirigieren, neben wem sie sitzen wollen, was gespielt wird und werfen obendrein die Gäste wieder raus, wenn ihnen die Lust am Besuch vergangen ist. Ds asollten Eltern von vornherein verhindern und die Nachwuchs-Gastgeber im Gegenteil darauf verpflichten, ihrer Gäste am Ende des Besuchs an die Tür zu begleiten und zu verabschieden.
3. Gesprächskultur pflegen!
Wenn Kinder durch ihre Erzählungen andere Menschen verhöhnen oder bloßstellen, ist dies grob unhöflich. Eltern sollten nicht nur beim Nachwuchs darauf achten, sondern auch bei sich selbst: Raus mit der Häme aus dem Alltagssprachschatz und stattdessen eine gute Gesprächskultur in der Familie pflegen: so lernen Kinder zuzuhören, auf Argumente von anderen einzugehen, ihnen nicht ins Wort zu fallen.
4. Auch außer Haus gut benehmen!
Ja, älteren Menschen hilft man über die Straße, bietet ihnen seinen Platz in der Bahn an und liest ihnen das Straßenschild vor, wenn sie es nicht erkennen können. Und vordrängeln an der Supermarktkasse oder in der Post ist verboten. Auch, wenn Kinder noch so süß sind oder sich daraus einen Spaß machen wollen. Ganz wichtig: Eltern sollten sich für Ihre Kinder einsetzen, wenn Erwachsene sich auf ihre Kosten vordrängeln wollen.
Keine Sorge, das läuft nicht sofort alles glatt – übrigens auch nicht beim Knigge-Kurs im „Hotel Vier Jahreszeiten“: Dort serviert Oberkellner Alex Donaté die Suppe und Benimm-Trainerin Slaby-Sandte verhindert, dass diese „Flügel“ bekommt: „Nicht so doll pusten, wenn ihr die heiße Bouillon auf dem Löffel habt, sonst spritzt sie anderen Gästen ins Gesicht.“ Und vorm Trinken den Mund mit der Serviette abtupfen!“ „Weiß ich ja alles“, raunt Maria (11), „aber manchmal vergesse ich's eben und dann muss ich zu Hause zehn Cent in die Tischkasse zahlen.“
Benimm-Bücher:
Von Cramm, Dagmar: Kinder-Knigge für Eltern, Südwest-Verlag 2007, 10,95 Euro (gut lesbares, umfassendes, aber kurzes Buch für Eltern)
Benimm-Kurse für Kinder
Der Kurs „Kleiner Knigge für Kinder“ findet alle paar Monate im Hamburger Hotel Vier Jahreszeiten statt. Dauer: Vier Stunden. Preis: 135 Euro.
Mehr Infos: www.hvj.de







