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Manchmal geht's schief

Der Schwangerschaftstest war positiv, die Freude groß, doch dann setzten irgendwann Blutungen ein… Auch unsere Autorin Anke Gasch hat diese Erfahrung schon gemacht.

Als ich mit 29 zum zweiten Mal schwanger wurde, ging ich fast selbstverständlich davon aus, dass alles gut gehen würde. Ich hatte ja schon ein gesundes Kind geboren.

Doch zu Beginn der sechsten Schwangerschaftswoche schoss mir plötzlich ein heftiger Schmerz durch den Unterleib. Zuvor hatte ich mit meinem Mann gestritten. War das zu viel Stress fürs Baby gewesen? Ich legte mich erst einmal hin. Der Schmerz verschwand und mit ihm meine Sorge. Bis ich etwas Blut in meinem Slip entdeckte.

Sofort fuhren wir ins Krankenhaus. Bei der Ultraschall-Untersuchung konnte die Ärztin keine Fruchtblase erkennen. Das, beruhigte sie mich, müsse aber nichts Schlechtes heißen. Wahrscheinlich hätte ich eine Einnistungsblutung. „Zu diesem Zeitpunkt ist der Embryo noch so klein, dass er nicht immer darstellbar sein muss.“ – Das hofften wir, bis ich Unterleibskrämpfe bekam, denen schwallartige Blutungen folgten.

Im Krankenhaus riet man mir zu einer Ausschabung. Dabei werden eventuelle Gewebereste aus der Gebärmutter entfernt, die sonst Entzündungen verursachen könnten. Das Warten auf die OP glich einem Albtraum. So richtig es war, meine Seele wehrte sich dagegen, dass man mir die Reste meines Babys „herauskratzen“ wollte.

Traurigkeit und Schuldgefühle

Immer wieder begann ich zu weinen. Zum Unverständnis vieler Ärzte. „Seien Sie doch froh, dass es so früh passiert ist!“, hieß es. Und: „Wahrscheinlich hat die Natur sie so vor einem behinderten Kind geschützt.“ – Als könnte man Trauer fortreden!

Zu Hause behandelte mein Mann mich äußerst liebevoll. Doch nach einer Woche abendlicher Tränenausbrüche forderte er: „Jetzt sag mir mal, warum du so traurig bist! Es war doch noch gar nichts Richtiges! Wenn wir unseren Tom verloren hätten, könnte ich dich verstehen, aber so…“ Nichts Richtiges? Ich hatte unser Baby verloren! – Für meinen Mann hat dieses Baby aber noch nicht existiert. Er hat nicht gespürt, was in meinem Körper vorgegangen ist und wie viel Liebe ich für dieses winzige Wesen empfunden habe. So konnte er die Trauer nicht mit mir teilen.

Zudem plagten mich Schuldgefühle: Ist unser Baby gestorben, weil ich vor vier Wochen eine Kopfschmerztablette genommen habe? Hätte ich Tom nicht mehr heben sollen? Oder habe ich etwas Falsches gegessen?...

„Dass Frauen nach einer Fehlgeburt Schuldgefühle haben, ist verständlich, liegt es doch in unserer Natur, immer nach dem Warum? zu fragen. Es ist aber meist nicht nötig“, erklärt Dr. Stefani Körtge-Jung, Fachärztin für Gynäkologie, Geburtshilfe und medizinische Genetik. „Denn wenn wir schon wegen der Einnahme einer Kopfschmerztablette ein Baby verlieren könnten oder weil wir ein Geschwisterkind
tragen, wären wir bereits ausgestorben oder hätten keine ungewollten Schwangerschaften.“

Körtge-Jung arbeitet bei praenatal.de in Düsseldorf, einer Praxis für vorgeburtliche Medizin und Genetik. Dort ist sie unter anderem für die Beratung bei sich wiederholenden Fehlgeburten zuständig. Sie weiß, dass über 50 Prozent aller Fruchtabgänge vor der 16. Schwangerschaftswoche genetisch bedingt sind. Meist fehlt ein Chromosom. Oder eines ist plötzlich dreimal vorhanden. Das heißt, bei der
Verschmelzung von Ei- und Samenzelle ist ein „Fehler“ entstanden. Dann entwickelt sich der Embryo nicht weiter und wird ausgeschieden.

„Neben Chromosomenanomalien sind Blutgerinnungsstörungen eine der häufigsten Ursachen für Fehlgeburten“, sagt Körtge-Jung. „Aber auch Veränderungen in der Gebärmutter, hormonelle Störungen oder unerkannte Krankheiten wie Diabetes und Schilddrüsenfehlfunktionen können dahinterstecken – Infekte hingegen eher selten. Ein Risikofaktor ist auch das Alter der Frau. Zwischen 20 und 30 liegt die Fehlgeburtenrate bei 9-17 Prozent, mit 35 bei 20 Prozent und mit 45 schon bei 80 Prozent.“

 

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