Begegnung mit einer anderen Welt
Werdende Väter im Gefühlschaos
Wenn der Schwangerschaftstest ein positives Ergebnis signalisiert, schwanken die Gefühle zwischen Freude und Angst. Und zwar nicht nur bei den Frauen, sondern auch bei den Männern. Denn egal wie groß der Wunsch, Vater zu werden, vorher auch war – ab jetzt wird alles anders.
Stolz sind die meisten Männer, wenn sie erfahren, dass sie Vater werden. Gleichzeitig taumeln sie zwischen Glück, Freude, Angst und Panik. In die überschwängliche Freude mischen sich auch Zweifel: Kann ich das? Bin ich nicht noch zu jung? Oder vielleicht schon zu alt? Die Gedanken der Männer kreisen darum, was Vaterwerden und Vatersein alles mit sich bringen, worauf es ankommt und wie sie ihren eigenen Weg rund um die Schwangerschaft und die Geburt finden können.
Männer erleben anders
Doch zunächst ist für sie von außen betrachtet alles sehr irreal: Die Frau sieht zu Beginn der Schwangerschaft noch aus wie immer. Aber der weibliche Körper ist gerade in der ersten Phase mit all den hormonellen Umstellungen beschäftigt, die das Kinderkriegen mit sich bringt. Und die Hormone spielen bei manchen Frauen durchaus verrückt. Für den zukünftigen Vater nicht immer eine leichte Situation. Der emotionale Kontakt zum Kind besteht für ihn zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich in der Fantasie. Erste sinnliche Eindrücke beschränken sich auf die schemenhaften Umrisse der Ultraschallaufnahmen und die Erlebnisberichte der Frau. So beschäftigen sich viele Männer eher mit der Verantwortung, die auf sie zukommt, oder mit beruflichen und finanziellen Fragen: Werde ich ein autoritärer Vater oder möchte ich eher ein liebevoller Vater sein? Will ich viel arbeiten oder möglichst viel Zeit mit meinem Kind verbringen? Wie teilen wir die Erziehungs- und Erwerbsarbeit auf? Und wie viel Geld braucht man für ein Kind?
Doch auch wenn der Körper der Partnerin nach einigen Wochen deutliche Anzeichen einer Schwangerschaft zeigt und der Bauchumfang zunimmt, ist es für viele Männer immer noch schwer zu begreifen, dass dort das eigene Kind heranwächst. Gegen Ende der Schwangerschaft wird das Kind im Bauch der Frau so groß, dass es meist auch für den Vater zu ertasten ist. Es dreht und streckt sich, und manchmal zeigt sich ein Fuß oder eine Hand als Ausbuchtung am Bauch. „Dann erst wird die Vorstellung vom Kind für viele Männer ,greifbar´“, weiß Volker Baisch, Geschäftsführer des Vereins Väter e. V. „Männer und Frauen machen aufgrund der körperlichen Gegebenheiten sehr unterschiedliche Erfahrungen während der neun Monate: In Mamas Bauch wächst das Baby. Aber was passiert im Innern des Mannes? Wichtig ist daher, dass das Paar viel miteinander redet. Der Mann sollte seine Partnerin zum Frauenarzt und zum Geburtsvorbereitungskurs begleiten. So erfährt er von Komplikationen und Ängsten der Frau und kann sein Kind ,schwarz auf weiß´ sehen.“
Schwangerschaft & Geburt: auch ein Männerthema