Das Rätsel der Titanic

Ein Meeresriese geht unter

Die meisten Geschichten und Märchen, die Euch Kindern erzählt werden, haben ein glückliches Ende. Die Geschichte der TITANIC gehört leider nicht dazu – und sie ist auch kein Märchen, sondern hat sich tatsächlich ereignet. Vielleicht habt Ihr den monumentalen Film über diese große Tragödie im Kino oder als Video gesehen? Die TITANIC sank auf ihrer Jungfernfahrt, und am Ende mußten mehr als 1500 Menschen sterben, Männer, Frauen und auch Kinder. Wie konnte es dazu kommen, und was ist von der TITANIC geblieben?



Das Rätsel der Titanic
Foto: sxc.hu

Nach Amerika!
Zu Beginn unseres Jahrhunderts wanderten viele Menschen nach Amerika aus. Das ging nur per Schiff, denn Flugzeuge gab es ja noch nicht. Mit den Auswanderern war viel Geld zu verdienen. So wurden immer größere Schiffe gebaut, eines davon war die TITANIC: Sie galt als größtes, modernstes und vor allem auch sicherstes Schiff der damaligen Zeit. Der Rumpf war in 16 Kammern eingeteilt (die kannst Du auf der Zeichnung erkennen), die durch dicke Stahltüren – auch Schotten genannt – voneinander abgetrennt waren. So wollte man verhindern, daß gleich das gesamte Schiff voll Wasser läuft, wenn nur an einer Stelle ein Leck, also eine undichte Stelle auftritt. Dann könnte man einfach die Schotten der betroffenen Kammer dicht machen, und das Wasser bliebe auf diesen Raum beschränkt.

Die TITANIC galt also als unsinkbar.
Deshalb gab es auch viel zu wenig Rettungsboote für die mehr als 2000 Menschen an Bord. Darüber aber machten sich die Passagiere – ob die Reichen in ihren Luxuskabinen oder die Auswanderer in ihren Gemeinschaftsräumen unter Deck – keine Sorgen, als sie ihre Reise nach New York antraten. Im Gegenteil, viele waren sehr stolz, eine Fahrkarte für die Jungfernfahrt – so nennt man die erste Fahrt eines neugebauten Schiffes – ergattert zu haben. Anfangs verlief die Reise auch ereignislos. Dann aber häuften sich plötzlich Funk-Meldungen von anderen Schiffen: Eisberge in Sicht! Der Kapitän der TITANIC wurde von diesen Eis-Warnungen unterrichtet; trotzdem fuhr er mit Volldampf weiter. Ob er wohl dachte, daß ein Eisberg für sein "unsinkbares" Schiff nicht zur Gefahr werden könnte?



Eisberg!
Um Mitternacht geschah dann das Unglück. Aus der frostigen schwarzen Nacht tauchte ein gewaltiger Eisberg auf. Die beiden Matrosen im Ausguck bemerkten ihn und gaben Alarm, doch es war schon zu spät. Die TITANIC konnte nicht mehr ausweichen und schrammte seitlich am Eisberg vorbei. Dabei wurden gleich 5 der als wasserdicht geltenden Kammern aufgerissen, und das Wasser schoß in dicken Strahlen in den Rumpf. Bald war klar, daß die Schotten diese Wassermengen nicht aufhalten konnten und eine Kammer nach der anderen überflutet werden würde. Die TITANIC mußte sinken – es gab keine Rettung mehr. Schon neigte sich der Bug, also die Spitze des Schiffes, nach unten. Bis dahin hatten die meisten Passagiere vom Unglück selbst noch gar nichts bemerkt. Jetzt aber wurden sie jäh aus dem Schlaf gerissen: An Deck und Schwimmwesten anziehen! Matrosen machten so schnell es ging die Rettungsboote klar: Frauen und Kinder zuerst! Die Männer durften nicht in die Boote, schließlich gab es weitaus weniger Platz, als Passagiere an Bord waren. Manches Kind sah seinen Vater zum letzten Mal, als eines der wenigen Rettungsboote zu Wasser gelassen wurde. Als schließlich das letzte weggerudert war, blieben noch mehr als 1500 Menschen an Bord, darunter auch viele Frauen und Kinder. Von ihnen wurde kaum noch jemand gerettet. Wer in's eiskalte Wasser gespült wurde oder hineinsprang, der starb meist nach wenigen Minuten an Unterkühlung.

Das Wrack wird gefunden!
Das war vor rund 80 Jahren, doch die Geschichte der TITANIC fasziniert uns noch immer. Auch das größte Schiff ist eben doch nicht mehr als nur ein Krümel in der Weite des Ozeans. Erst vor wenigen Jahren ist es gelungen, das Wrack der TITANIC zu finden. Auf dem Meeresgrund in 4000 Meter Tiefe wurde es mit speziellen Tauchbooten aufgestöbert und untersucht. Dort unten ist es immer dunkel, nie dringt hier ein Sonnenstrahl hin. Nur wenig erinnert noch an die Menschen, die hier einst ertrunken sind: ein Paar Stiefel erscheint vor den Lampen des Tauchbootes, eine Brille, manchmal auch Kinderspielzeug. Ein Koffer wurde gefunden mit sauber gefalteter Wäsche und mit Briefen, die jetzt, nach mehr als 80 Jahren, erstmals gelesen werden. Die TITANIC selbst zerfällt. Bald wird nichts mehr übrig sein, was an das stolzeste Schiff seiner Zeit erinnert