Fliegen!

Von der ersten Ballonfahrt bis zur Erdumrundung

In 19 Tagen um die Welt

"Ich bin über die Stadt geflogen, das ging ganz leicht. Und von oben sah ich ganz klein die Menschen, Häuser und Autos." Vielleicht habt Ihr ja auch schon mal solch einen Traum gehabt, in dem Ihr fliegen konntet. Im wirklichen Leben ist das leider nicht so einfach. Erst vor ungefähr 200 Jahren gelang die erste "Luftfahrt" mit Passagieren: in einem Heißluftballon. Heute sind Ballonfahrten selten und ein teures Abenteuer. Aber Rekorde kann man mit ihnen immer noch aufstellen. Das haben uns ein Schweizer und ein Engländer vor kurzem bewiesen.



Fliegen!
Foto: pixelquelle

Nichts in der Natur fliegt von alleine, auch wenn es noch so leicht ist.
Selbst zarte Seifenblasen sinken zur Erde hinab. Für einen Ballon, der fliegen kann, gibt es also kein natürliches Vorbild. Vielleicht hatten die Menschen deshalb erst recht spät die Idee für ein Gefährt, das von der Luft getragen wird, so wie ein Schiff vom Wasser. Den ersten Ballon bauten die französischen Gebrüder Montgolfier. Sie beobachteten eines Tages, wie die heiße Luft eines Kaminfeuers kleine Papierblätter aufwirbelte. Und da hatten sie eine Idee: Wäre es nicht möglich, überlegten sie, dass man diese heiße Luft in einer Hülle einfängt, die dann genauso aufsteigt wie das Papier über dem Feuer?

Die erste Ballonfahrt
Es war möglich! Am 5. Juni 1783 erhitzten die Brüder die Luft in einer großen Stoffhülle. Und siehe da, das Experiment funktionierte: Die Hülle stieg 2000 Meter hoch und schwebte zehn Minuten am Himmel. Der Heißluftballon war erfunden! Kurz darauf reisten in einem Käfig die ersten Passagiere mit: eine Ente, ein Hahn und ein Hammel. Wohlbehalten kamen sie wieder auf der Erde an, nur der Hammel trat der Ente beim Aussteigen auf den Flügel. Darauf wagten auch die ersten Menschen eine Ballonfahrt. Einer von ihnen hieß Pilatre. Nach ihm wurden später alle kundigen Luftfahrer Piloten genannt. Die ersten Heißluftballons hießen nach ihren Erfindern Montgolfieren. Etwa zur gleichen Zeit entdeckte ein Wissenschaftler den Wasserstoff – ein Gas, das 15 mal weniger wiegt als Luft. Es steigt von alleine auf, ohne dass man es erwärmen muss. Das machten sich die Ballonfahrer zunutze. Nur wenige Monate nach dem Heißluftballon der Montgolfiers schwebte der erste mit Wasserstoff gefüllte Ballon in den Himmel. Immer mehr Menschen wollten jetzt dieses spannende Abenteuer erleben. Sie saßen während der Fahrt in einem Korb, der mit dicken Seilen an der Ballonhülle festgebunden war, und blickten staunend und begeistert auf die Welt hinunter.



Fliegen!
Foto: pixelio

Eine windige Angelegenheit
Aber wie steuerte man den Ballon? Die Flughöhe und -tiefe konnte der Fahrer recht gut bestimmen. Um aufzusteigen, musste der Ballon leichter werden. Also warf der Fahrer kleine Sandsäcke ab. Sollte er sinken, musste er schwerer werden. Dazu öffnete der Fahrer ein Ventil und ließ Wasserstoff aus dem Ballon entweichen. Viel schwieriger aber war es, mit dem Gefährt in eine bestimmte Richtung zu fahren. Schließlich treibt er immer mit dem Wind! Doch genau das nutzten die schlauen Ballonpiloten aus. Sie wussten, dass in unterschiedlichen Höhen die Winde in verschiedene Richtungen blasen. Also brachten sie ihren Ballon in die Höhe mit der gewünschten Windströmung. So machen sie es noch heute. Richtig lenken konnte man ein "Luftschiff" erst mit einem Motor. Das erste dieser Art baute 1899 der Deutsche Graf von Zeppelin. Sicher habt Ihr schon einmal ein Bild von seinen dicken, fliegenden "Zigarren" gesehen.

Die längste Ballonfahrt
Vor Kurzem gab es in der Geschichte der Ballonfahrt einen neuen Höhepunkt: Der Schweizer Bertrand Piccard und sein britischer Freund Brian Jones haben als erste Menschen in einem Ballon die Welt umrundet. Ihr Ballon hieß Orbiter 3. Über 42.000 km haben sie zurückgelegt, ohne Unterbrechung! Nach 19 Tagen sind sie in Ägypten in der Wüste gelandet. Sie waren ganz erschöpft, aber natürlich haben sie sich riesig gefreut. "Ich bin im 7. Himmel und überglücklich", lachte Bertrant Piccard nach der Landung – dabei war er doch gerade wieder auf der Erde angekommen! Er hat allen Grund, auf seine große Ballonfahrt um die Welt stolz zu sein. Schließlich hat er sie fünf Jahre lang vorbereitet, und zwei Versuche sind missglückt. Dass es am Ende doch geklappt hat, liegt vielleicht in der Familie: Sein Großvater war der erste Mensch, der mit einem Ballon 16 km hoch in die Luft gefahren ist.