Vor über 2000 Jahren gab es noch keine Spezialisten wie Kinderärzte, Zahnärzte oder Augenärzte. Ein Arzt war für alle Beschwerden zuständig. Für die Behandlung von Wunden und Schmerzen haben die Mediziner häufig Arzneien aus Kräutern und Mineralien benutzt. In das Innere eines Menschen horchte ein Arzt buchstäblich hinein, indem er sein Ohr auf verschiedene Körperstellen legte. Heute hat er dafür ein Instrument: das Stethoskop. Früher konnte ein Arzt auch kein Bild vom Körperinneren machen, was heute mit dem Röntgengerät gelingt. Er hat den Kranken mit den Fingern abgetastet. Das alles machte der Arzt damals nicht in seiner Praxis, sondern er reiste umher und behandelte die Menschen von Ort zu Ort.
Der "Vater der Medizin"
In dieser Zeit lebte auch Hippokrates. Er wurde 460 Jahre vor Christus auf der Insel Kos geboren und stammte aus einer bekannten Arztfamilie. Viele sprechen heute noch von ihm als dem "Vater der Medizin". Über sein Leben weiß man nur sehr wenig. Aber Hippokrates hat viele Bücher hinterlassen, die uns verraten, wie er den Kranken damals geholfen hat. Er riet seinen Kollegen zum Beispiel, den Grund für eine Krankheit nicht nur im Körper zu suchen, sondern auch zu schauen, wie ein Mensch lebt und wie er sich ernährt.
Der Eid des Hippokrates
Hippokrates hat vor den Göttern einen Eid geschworen, der lange Zeit für alle Mediziner galt. In seinem Eid sagte er zum Beispiel, dass ein Arzt niemandem die Geheimnisse verraten dürfte, die er über einen Kranken weiß. Diese Schweigepflicht gilt noch heute. Hippokrates hat in seinem Eid auch festgehalten, dass ein Arzt sehr gewissenhaft sein muss und immer für die Menschen da sein soll. Auch das hat sich nicht geändert. Wenn ein Arzt im Urlaub ist, muss er trotzdem helfen, wenn es jemandem im Ferienort plötzlich schlecht geht.
Andere Punkte in dem Eid des Hippokrates sind heute nicht mehr gültig. Vor 50 Jahren haben sich die Ärzte auf eine neue Fassung geeinigt, die besser in unsere Zeit passt. Neu hinzugekommen ist zum Beispiel, dass ein Arzt alle Menschen behandeln muss, egal, welcher Religion sie angehören, wieviel Geld sie verdienen oder aus welchem Land sie kommen. Für den Arzt soll nur wichtig sein, dass wir wieder gesund werden, wenn wir krank sind.
Petra Sperling