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So sind Babys sicher im Auto unterwegs

Einkaufstipps für Kindersitze

Der Experte für Sicherheitsfragen bei Autokindersitzen - Oliver Mecky - gibt Tipps, wie Kinder im Auto am sichersten unterwegs sind.

Warum die i-Size-Norm die beste ist

Die neue EU-Zulassungsrichtlinie i-Size gilt ab 2018 verbindlich. Seitenaufprallschutz, Kompatibilität zwischen Auto und Kinderrückhaltesystem und das rückwärts gerichtete Fahren (verpflichtend bis 15 Monate) sind darin klar definiert. Zwar ist die i-Size-Norm aktuell noch nicht zwingend vorgeschrieben, jedoch ist der Transport in i-Size-Kindersitzen nachweislich sicherer für das Kind. Allerdings sind gebrauchte Fahrzeuge meistens nicht für i-Size zertifizierte Sitzsysteme geeignet: In der Regel hat der mittlere Sitzplatz hinten keine Isofix-Halterungen – ist damit auch nicht i-Size-tauglich. Bei vielen Autos ist der Mittelplatz schmaler als die äußeren Plätze. Das behindert beim korrekten Anschnallen, gerade wenn hinten drei Kindersitze mitreisen sollen. Die Kindersitzhersteller haben auf ihren Websites Typenlisten, die zeigen, welche Sitze für welche Autos geeignet sind.

 

Es hat sich einiges getan in Sachen Sicherheit im Auto. Besonders für Kinder, die mitfahren. Gesetze schreiben inzwischen vor, dass Kinder in einem Alter bis zu 12 Jahren oder einer Körpergröße von 150 cm im Kindersitz mitreisen müssen. Eltern, die ihre Kinder nicht anschnallen, handeln unverantwortlich und gefährden das Leben und die Gesundheit des Kindes. Denn die Gurt- und Sicherheitssysteme im Auto sind für Erwachsene konzipiert und schützen Kinder nur ungenügend bis gar nicht. Wesentlich für den Kauf des richtigen Sitzsystems sind Größe und Gewicht des Kindes.

wireltern.de: Warum sollte es am Anfang immer eine Babyschale sein?
Oliver Mecky:
Für Neugeborene ist die Babyschale zunächst die praktischste und sicherste Variante. Sie kann von Geburt bis zu einem Gewicht von rund 13 Kilogramm (Gruppe 0+ nach ECE R44.04) bzw. einer Körpergröße von 85 cm (bei i-Size-Produkten) verwendet werden. Damit hat sie zwar eine kürzere Nutzungsdauer als andere Konzepte, bietet dafür aber mehr Sicherheit – und mehr Komfort, da das Baby nicht für jede Fahrt umgebettet werden muss: Denn in den ersten Monaten dient die Babyschale nicht nur als Autositz, sondern als multifunktionales Transportmittel für Neugeborene im Alltag. Sie kann problemlos getragen oder auf das Fahrgestell des Kinderwagens aufgesetzt werden. Zudem lassen sich Babyschalen sehr einfach und flexibel in allen Autos befestigen, vorzugsweise eingeklickt in eine Basisstation oder in Ausnahmefällen fixiert mit dem Drei-Punkt-Gurt des Autos.

Wann sind die Kleinen aus der Babyschale herausgewachsen?
Oliver Mecky:
Der Kopf des Kindes muss unbedingt geschützt sein. So ist die Babyschale erst zu klein, sobald der Kopf signifikant über den oberen Schalenrand hinausragt. Spätestens dann ist es Zeit für ein größeres Modell. Wachsen die Beine über den Sitz hinaus, ist das noch kein Problem für die Sicherheit des Kindes. Es empfiehlt sich daher, das Kind beim Kauf des Sitzes immer mitzunehmen, um eine „Anprobe“ vor Ort durchzuführen. So kann auch gleich der Sitzkomfort getestet werden.

Warum sollen die jungen Mitfahrer möglichst rückwärts sitzen?
Oliver Mecky:
Um eine größtmögliche Sicherheit beim Transport des Kindes im Auto zu gewährleisten, gilt: Je länger das Kind rückwärts mitfährt, desto besser. Denn mit Reboard-Kindersitzen wird die Energie bei einem Frontalunfall durch die Kindersitzkonstruktion deutlich reduziert, wodurch die empfindliche Nackenregion besser geschützt wird als bei vorwärts gerichteten Rückhaltesystemen. Der „i-Anchor“ von Joie wächst z. B. durch eine siebenfach verstellbare Kopfstütze und eine simultane Gurthöhenregulierung mit dem Kind mit und kann so bis zu einer Größe von 105 cm, was etwa einem Alter von vier Jahren entspricht, rückwärts genutzt werden. Das ist übrigens in Skandinavien längst gängige Praxis. Ein hohes Sicherheitsrisiko besteht für den kleinen Passagier, wenn Kindersitze nicht richtig installiert sind.

Worauf ist zu achten?
Oliver Mecky:
Tatsache ist, dass laut dem schwedischen Kindersitzportal carseat.se bis zu 80 Prozent aller Eltern mit unsachgemäß montierten Kindersitzen fahren. Eltern sollten daher vor der Anschaffung eines Kindersitzes unbedingt eine gründliche Beratung in Anspruch nehmen – entweder im Fachhandel, bei Automobilclubs oder unabhängigen Dienstleistern wie der Kreisverkehrswacht. Gerade in älteren Autos fehlt oft noch das Isofix-System zur Befestigung des Kindersitzes. Dann ist es besonders wichtig, dass die Eltern wissen, wie der Fahrzeuggurt korrekt um den Sitz geführt wird, denn er allein sorgt für den Halt des Sitzes und folglich für die Sicherheit des Kindes.

Hat der Wagen eine Isofix-Vorrichtung, muss es dann zwingend ein Sitz nach der i-Size-Norm sein?
Oliver Mecky:
Sollten im Wagen bereits Isofix-Bügel installiert sein, rate ich beim Kauf für Kinder bis 105 cm Größe auch zu einem i-Size-zertifizierten Kindersitz. Eltern sollten nicht erst bis 2018 warten, um sich den besseren Sicherheitsschutz für den Wagen anzuschaffen. Wir von Joie haben eine i-Size-Informationswebsite erstellt, auf der die wichtigsten Fragen zu i-Size anschaulich beantwortet werden.

 

Unser Experte - Oliver Mecky

Der 44-Jährige ist Geschäftsführer der Joie GmbH. Der gebürtige Hamburger ist selbst Vater zweier Kinder. Der Diplom-Kaufmann hat in seiner 14-jährigen Laufbahn mehrere führende Posten in der Branche für Kinderprodukte bekleidet. Auch in sozialen Projekten übernimmt Oliver Mecky Verantwortung und engagiert sich mit der Joie GmbH für krebskranke Kinder.

 

Woran erkenne ich bei einem älteren Wagen, ob eine solche Isofix-Vorrichtung eingebaut ist?
Oliver Mecky:
Bei modernen Fahrzeugen sind Isofix-Sitzplätze mit einem genormten Symbol gekennzeichnet. Bei älteren Fahrzeugmodellen sind die fahrzeugseitigen Isofix-Verankerungspunkte zwischen Sitzfläche und Rückenlehne versteckt und müssen erst gesucht werden. Ein Blick ins Fahrzeughandbuch oder eine Nachfrage beim Fahrzeughersteller hilft, um sichergehen zu können. Grundsätzlich weisen diese Sitze eine höhere Crash-Sicherheit auf, und eine Fixierung des Sitzes mit Isofix – sei es nun direkt oder über eine Basisstation – reduziert die Fehlerhäufigkeit bei der Installation drastisch. So zeigen drei farbliche Kontrollanzeigen bei unserer Basis, der „i-AnchorFix Base“, ob der Sitz korrekt eingeklickt ist. Die Besitzer älterer Autos müssen an und unter den Sitzen prüfen, ob die Vorrichtung werkseitig eingebaut wurde. Sie ist beim VW Golf schon seit 1997 Standard.

Wie sieht es mit dem Gurtverlauf aus?
Oliver Mecky:
Eltern müssen auf den korrekten Sitz der Gurte achten, sowohl bei den in den Sitz integrierten Gurtsystemen als auch bei der Sicherung mit dem Fahrzeuggurt. Für eine optimale Schutzwirkung muss der Schultergurt mittig verlaufen und im Bereich des Beckens am Beckenknochen anliegen. Zudem sollte das Kind immer straff angegurtet sein, sodass maximal eine Hand zwischen den Gurt und den Körper passt.

Sie raten vom Kauf gebrauchter Kindersitze ab. Aber viele Familien müssen ja aufs Geld achten.
Oliver Mecky:
Das ist auch verständlich, aber bei gebrauchten Sitzen ist leider nicht nachzuvollziehen, ob der Sitz schon einmal in einen Unfall verwickelt war. Schon das Runterfallen aus einem Meter Höhe, z. B. auf Beton, kann die Materialstruktur des Sitzes schädigen. Es könnten von außen nicht sichtbare Schäden, z. B. an der Schalenkonstruktion oder den Befestigungspunkten, entstanden sein. Die sind ein echtes Sicherheitsrisiko. Deshalb unbedingt eine Babyschale oder den Kindersitz beim Fachhändler kaufen.

Und wenn ich zwei Kinder habe, können beide nacheinander den Sitz nutzen?
Oliver Mecky:
Wenn die Eltern hundertprozentig wissen, dass der Sitz nicht in einen – auch kleinen Unfall – verwickelt war, spricht theoretisch nichts dagegen. Und deshalb sollten sie in den Urlaub für den Mietwagen möglichst auch den eigenen Sitz mitnehmen. Zumindest müssen die Eltern bei dem Autovermieter nachfragen, ob die Leihsitze den beschriebenen Normen entsprechen. Natürlich ist es immer besser, einen Kindersitz zu benutzen als keinen. Der muss aber vor Ort z. B. auf korrekten Gurtverlauf überprüft werden.

Interview: Christian Personn

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Unsere Autorin

Irlana Nörtemann

Irlana Nörtemann ist seit vielen Jahren mit Herzblut Redakteurin bei Junior Medien. Zu ihren Aufgaben zählt auch Content Management.

Als Mutter eines Jungen lässt sie ihre Alltagserfahrungen in ihre Artikel mit einfließen. Die Schwerpunkte liegen dabei auf den Themen Reise und Gesundheit.

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