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Mit allen Sinnen

Babys entdecken die Welt

Mit Händchen, Mund, Nase, Augen und Ohren machen sich unsere Kinder auf den Weg ins Leben. Wie Eltern sie dabei am besten unterstützen.

 

Welch ein klitzekleines Geschöpf! Die Fingerchen, die Mini-Füße – beim Anblick eines Neugeborenen kann man sich kaum vorstellen, dass dieser Winzling ein richtiges Kraftpaket ist. Doch sobald die Händchen einen Erwachsenen-Finger umklammern, besteht kein Zweifel mehr: Unser Baby kann beherzt zugreifen. Das muss ihm niemand erklären. Schließlich ist es ein Reflex. Ein Überlebensinstinkt, mit dem die Natur den neuen Erdenbewohner sicherheitshalber ausgestattet hat. Schon in grauer Vorzeit war es wichtig für die Nachkommen, sich an der Mutter festklammern zu können, wenn Gefahr drohte. Damit das im Notfall sicher klappte, musste das Zupacken so oft wie möglich geübt werden. Was für Eltern einer Sensation gleichkommt, ist nur eine von vielen Fähigkeiten, mit denen Babys von Geburt an verblüffen. Die Sinne stehen dabei im Mittelpunkt.

 

Riechen und Schmecken sichert das Überleben

Immer der Nase nach: Neugeborene können schon so gut riechen, dass sie herausfinden würden, wo ihre Mutter ist – wenn um den Schutz vor Hunger geht. 

Etwa 30 Millionen Riechzellen wurden bereits im Mutterleib angelegt und stehen nach der Geburt bereit. Studien zeigen, dass Babys angenehme und unangenehme Gerüche unterscheiden können. Der Geruch der Mutter ist für sie das Höchste. Kein Wunder, dass sie am liebsten in ihrem Arm schlummern. Junge Mütter sollten deshalb lieber kein starkes Parfüm benutzen, wenn sie mit ihrem Baby kuscheln.

Auch der Geschmackssinn ist schon gut ausgebildet. Obwohl Neugeborene noch keinen Zucker kennen, mögen sie es süß. Die Lust auf Süßes ist nämlich angeboren. Kein Wunder also, dass sie sich  regelrecht auf die Muttermilch stürzen – auch das mit erstaunlicher Saugkraft. Würde jemand versuchen, ihnen Bitteres oder Saures unterzujubeln, wären die Babys empört, würden wahrscheinlich sogar schreien vor Wut und ausspucken, um den ekligen Geschmack loszuwerden. Auch das hat einen Hintergrund: Es schützt die Kleinen davor, giftige oder schlechte Stoffe zu schlucken. Diese schmecken  nämlich oft bitter.

 

Mamas Stimme erkennen Babys schon im Bauch

Mal schläfrig, mal hellwach, mal staunend: Auch wenn immer wieder behauptet wird, Neugeborene könnten noch gar nicht richtig gucken, ist das falsch. Sie sehen zwar nicht weit (nur etwa 20 Zentimeter), aber sie betrachten alles, was um sie herum passiert, mit großer Aufmerksamkeit – wenn sie nicht gerade müde sind. Nach einiger Zeit lächeln sie sogar zurück, wenn man sie anlächelt. Ein toller Moment für Eltern und Kind. Um das Sehen zu fördern, ist ein sich bewegendes Mobile in Sichtweite des Babys – z.B. über dem Schlafplatz in der Wiege – gut geeignet. 

Babys haben im Bauch neun Monate Zeit, um sich an die Stimmen ihrer Mama und des Papa zu gewöhnen. Kein Wunder also, dass sie es gerne haben,  wenn die Eltern mit ihnen sprechen. Auch andere vertraute Geräusche tun den Kleinen gut. Musik, sanftes Trommeln, schlagende, rauschende oder pfeifende Töne kennen sie nämlich aus der Gebärmutter. Der Herzton der Mutter beruhigt das Kleine mit am besten. Entsprechend hilft es manchmal, wenn die Herztöne der Mutter als Aufnahme dem Baby zum Einschlafen oder nur zur Beruhigung vorgespielt werden. Ganz allgemein den Hörsinn fördern Väter und Mütter, indem sie viel mit ihrem Baby reden. Bereits in seinem zweiten Lebensmonat begreift das Kleine, dass man sich bei einer Unterhaltung abwechselt und „antwortet“ auf seine Weise. 

 

Fühlen: Minis mögen Wärme und zarte Berührungen

Auch Temperaturschwankungen kann ein Baby fühlen. Vor allem fühlt es sich von Wärme angezogen. Auch das ist ein Trick der Natur: Die Brustwarzen der Mutter sind wärmer als der Rest der Brust. So kann der Säugling sie zielstrebig erobern. Ob Streicheln, sanfter Wind beim Pusten oder zarte Berührungen – Babys sind feinfühlige Geschöpfe und reagieren darauf eindeutig. Natürlich auch, wenn ihnen etwas unangehm ist.

Wer glaubt, dass die Kleinsten in den ersten Wochen ihres Lebens eigentlich nur schlafen und trinken, der täuscht sich. Babys wollen ihre Sinne einsetzen. Sie sind das Rüstzeug für eine optimale Entwicklung. Das kleine Gehirn nimmt ständig etwas wahr. Die Sinne sind auf Stand-by eingestellt, um die Welt zu erobern. Dafür brauchen die Kleinen Eltern, die sie instinktiv richtig leiten. Nicht überfordern, aber auch nicht zu wenigen Reizen aussetzen. Mit einfachen Regeln klappt das am besten.

 

Wiederholungen geben Sicherheit

Sinneserfahrungen müssen nicht unbedingt abwechslungsreich sein. Gerade am Anfang des Lebens ist es wichtig, dass sich Eindrücke wiederholen. Das vermittelt dem Kind das Gefühl von Sicherheit. Die Synapsen des Gehirns werden dabei ausgebaut – die Grundlage für spätere Fähigkeiten.

 

Keine Angst vor Langeweile

Das Baby beschäftigt sich sehr lange mit den immer gleichen Spielsachen? „Wird das nicht auf die Dauer langweilig?“, fragen sich besorgte Eltern. Keineswegs. Die intensive Beschäftigung ist ein gutes Zeichen. Dem Kind deshalb so viel Zeit lassen, wie es braucht. Wenn es genug geforscht hat, verliert das Baby von allein das Interesse.

Das schaffst du! Wenn das Baby heranwächst, ist es von dem Wunsch geradezu beseelt, etwas allein zu machen. Es möchte ausprobieren, was es schon schafft. Deshalb dem Kind so viel wie möglich alleine überlassen. Ob es den Löffel greifen oder sich später selbst die Schuhe anziehen will – es sollte Vieles ausprobieren dürfen, auch wenn das Mamas und Papas Geduld strapaziert.

 

Jedes Kind muss sein eigenes Tempo herausfinden

Bitte keine Vergleiche „Sina kann schon krabbeln. Bei Leo kommt der erste Zahn. Fin konnte viel früher alleine sitzen als Malte.“ Lassen Sie sich von solchen Sprüchen nicht verunsichern. Jedes Baby oder Kleinkind entwickelt sich im eigenen Tempo – und zwar genau so, wie es zu ihm passt. Es wäre gar nicht möglich, dass alle Kinder im gleichen Alter die gleichen Schritte machen.

Sinnliche Erfahrungen fördern Im ersten Jahr sind die großen Sprünge, die das Baby macht, nach außen wenig sichtbar. Doch danach geht es in Sieben-Meilen-Stiefeln weiter: Je mehr Sinneserfahrungen das Kind macht, desto besser. Sandburgen bauen, an einer Blume riechen, etwas aus Knete formen, auf Matratzen toben, Musik hören – alles, was die Sinne anspricht, tut Kindern gut.

 

Jetzt kriegen Eltern viel zurück

Deshalb ist es auch nun so wichtig, dass die Eltern mit den Kleinen spielen. Denn die können nicht genug bekommen von ersten Fingerspielen wie „Das ist der Daumen, der schüttelt die Pflaumen” oder vom Kniereiten wie „Hoppe, hoppe, Reiter”. Klatschen oder Winke-winke wollen die Kleinkinder immer und immer wieder hören oder sehen. Es erkennt die Rhythmen verschiedener Spiele und Lieder – und genießt das. 

Und am allerbesten findet es, wenn z. B. der Rhythmus verändert wird. Wie komisch – plötzlich so langsam. Papa und Mama müssen jetzt mitmachen. Alles. Es macht Spaß und es macht hochgradig Sinn – für die Sinne. 

 

Fördern aber nicht überfordern

Um die Entwicklung des Kindes zu stärken, helfen kleine Strategien:

  1. Mehrere Sinne gleichzeitig aktivieren. So kann das Baby verschiedene Sinneserfahrungen zu einem Muster verknüpfen. Es reagiert weniger ängstlich auf etwas Neues, wenn es das mit einem bereits bekannten Eindruck verbinden kann. Wenn es zum Beispiel eine Puppe anfassen, betrachten, riechen und – so lange es noch klein ist – „probieren“ darf, indem es die Puppe in den Mund steckt, kann es dieses Erlebnis besser verarbeiten.
  2. Wird das Baby feinfühlig gefördert, werden komplexere Nervenzellennetzwerke gebaut. Lösen gezielte Stimulationen allerdings Angst aus, entwickeln sich nur Teilbereiche. Die Entdeckerfreude wird gebremst.
  3. Macht das Kind Erfahrungen, die es nicht richtig verarbeiten kann, schaltet es ab, wird bockig, brüllt oder zappelt. Häufig passiert es zum Beispiel beim Einkaufen. Da prallen so viele neue Eindrücke aufeinander, dass das Baby sie nicht mehr einordnen kann.
  4. Zu wenig Förderung darf auch nicht sein. Wird die Lust auf Neues nicht altersgemäß unterstützt oder sogar gehemmt, kann das Kind in seiner Entwicklung zurück bleiben. Auf der sicheren Seite sind Eltern, wenn sie ihren Nachwuchs spielerisch fördern und die Kinder dabei selbst bestimmen lassen, wann wo und wie viel es auf Entdeckungstour gehen will. 

 

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