Musikalische Früherziehung Musik für Babys

Die Welt der Klänge spielerisch zu erfahren und zu entdecken wirkt auf Babys beruhigend, stimmt sie fröhlich und fördert noch dazu ihre Entwicklung …

Eltern machen das ganz in­stinktiv: Wenn das Baby weint oder unruhig wird, beginnen sie leise zu summen oder zu singen. Wiegen es im Takt sanft hin und her. Der Effekt: Das Kind entspannt sich, beginnt zu lächeln oder schläft ein. Der Einfluss der Musik auf das Wohlbefinden der Kleinen, aber auch der Großen, ist enorm: Musik wirkt nämlich direkt auf die Teile im Gehirn, die für die Entstehung von Emotionen zuständig sind – sie fördert die Ausschüttung von Glückshormonen (Endorphinen) und kann Herzfrequenz, Muskelspannung, Blutdruck und Atmung beeinflussen. Je nach Art der Stücke – schnell und laut oder sanft und langsam – kann sie anregend oder beruhigend sein und sogar Schmerzen lindern.

Für Babys beginnt die musikalische Früherziehung schon im Mutterleib – hier hören sie 24 Stunden am Tag den Takt des Herzens ihrer Mama, den Klang ihrer Stimme und werden durch ihre Bewegungen sachte geschaukelt. Schon jetzt ist es auch sinnvoll, dem Kind etwas vorzusingen, eine klingende Spieluhr auf den Bauch zu legen oder einfach schönen Melodien zu lauschen. Ist der Säugling dann auf der Welt, reagiert er auf diese Musik häufig besonders positiv. Ein Instrument ist jederzeit ein tolles Geschenk. Neben diesen kleinen Dingen zu Hause bringen Mama und Papa ihrem Liebling dann später beispielsweise auch mit Angeboten wie dem „Musikgarten“, einem Eltern-Kind-Kurs, die Welt der Klänge auf spielerische Weise gezielt näher.

Den Alltag zum Klingen bringen

„In den Kursen machen Kinder schon ab den ersten Monaten bis etwa zum fünften Lebensjahr in Begleitung ihrer Eltern erste Erfahrungen mit Musik“, erklärt Sandra Lindner, Hebamme, Diplom-Psychologin und Heilpraktikerin für Psychotherapie.

Das Konzept der Musikpädagogik ist seit Jahren der Hit. Dr. Lorna Lutz Heyge entwickelte das Programm des „Musikgartens“ 1992 in den USA, die ersten Kurse in Deutschland gab es 1994. „Dabei wird das musikalische Erleben auf unterschiedliche Weise ausprobiert, etwa in Verbindung mit Bewegung oder indem selbst Musik gemacht wird“, so Sandra Lindner.

Gemeinsames Singen, Klatschen, Tanzen und Stampfen in der Gruppe gehört ebenso dazu wie das Spielen einfacher Instrumente wie Klanghölzer, Rasseln, Triangeln und Trommeln sowie musikalische Kinderspiele. Mütter und Väter erhalten in den Stunden außerdem viele Anregungen, um auch den Alltag voller Freude mit Toben, Baden, Wickeln oder Schmusen zum Klingen zu bringen.

Gemeinsam macht Musik am meisten Spaß. Foto: Getty Images

Babys sind empfänglich für Rhythmen und Melodien

Experten und verschiedene Langzeitstudien bestätigten in den letzten Jahren, dass frühkindliche Erfahrungen mit Musik eine wesentliche Bedeutung haben. Die Kleinen werden für Rhythmen und Melodien empfänglicher, nehmen Geräusche um sich herum häufig anders wahr und entwickeln ein intensiveres Verhältnis zur Welt der Töne.

Zudem fördert Musik – sei es zu Hause oder in einer Musikschule – die ganzheitliche Entwicklung in den Bereichen der sozialen Kompetenz, Kreativität und Intelligenz. Dafür braucht es nicht unbedingt direkten Unterricht. Kinder, die mit viel Musik aufwachsen und von unterschiedlichen Melodien umgeben sind, lernen schneller laufen und sprechen und kommen später in der Schule oftmals besser mit. Untersuchungen zeigten außerdem, dass klassische Musik beispielsweise die Gewichtszunahme und das Wachstum zu früh geborener Babys begünstigt.

Wichtig: Beim Musizieren mit den lieben Kleinen sollte kein übersteigerter Ehrgeiz im Vordergrund stehen. Vor allem geht es darum, gemeinsam eine schöne Zeit zu verbringen und Spaß zu haben. Das stärkt die innige Bindung zwischen Mama, Papa und Kind. Und nicht zuletzt ist es auch eine gute Gelegenheit, andere Eltern zu treffen und Erfahrungen auszutauschen.

Musikspaß für zu Hause

Der Besuch eines „Musikgartens“ ist für viele Eltern und Kinder ein regelmäßiges Vergnügen.

Aber auch darüber hinaus kannst du die Musik in den Alltag deines Babys einbinden. Dafür musst du nicht unbedingt super singen können, denn deinem kleinen Schätzchen ist es ganz egal, ob die Töne vielleicht schräg klingen oder auch nicht – Hauptsache, ihr beschäftigt euch als Familie gemeinsam damit.

Probiere doch einfach mal die guten, alten Volkslieder aus: „Häschen in der Grube“, „Hänschen klein“ oder „Ein Männlein steht im Walde“. Wer nicht mehr textsicher ist, findet die Texte und Noten der Lieder im Internet.

Auch bietet der Handel eine Fülle von hübsch gestalteten Büchern mit Anregungen und musikalischen Fingerspielen, ebenso gibt es eine große Auswahl an CDs mit Kinderliedern zum Mitsingen und Mittanzen.

Unsere Entwicklungs-Expertin

Hebamme Sandra Lindner. Foto: privat

Sandra Lindner

Hebamme, Diplom-Psychologin und Heilpraktikerin für Psychotherapie bei der Fundus-Hebammengemeinschaft in Hamburg

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