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Hungrig oder?

Warum Babys schreien

Es ist Babys Art, zu kommunizieren: Schreien. Woran Eltern erkennen, was ihrem Nachwuchs fehlt.

 

Erst ein leises Glucksen, dann raschelt es, ein Schrei und plötzlich ist die Hölle los. So erleben viele Eltern vor allem nachts das Schreien Ihres Babys. Für so manchen ist es dann mit dem Schlaf vorbei. Kräftige Augenringe, fahriges Verhalten und leichte Reizbarkeit outen viele Säuglingseltern. Dabei wollen Babys ihre Eltern nicht ärgern. Das Schreien ist erst mal nur die einzige Möglichkeit, über Laute zu kommunizieren. „Schreien sagt etwas darüber aus, wie stark ein Kind erregt ist, aber nicht, warum“, erklärt der Verhaltensbiologe Dr. Joachim Bensel. In der Forschungsgruppe Verhaltensbiologie des Menschen (FVM) im badischen Kandern hat er das Schreien vieler Säuglinge erforscht. 

 

Das Schreien wird mit der Zeit weniger

Zunächst seien aber alle Säuglingseltern beruhigt, nach drei bis vier Monaten schreit ihr Nachwuchs garantiert deutlich weniger. Denn das Verständnis zwischen Kind und Eltern wie auch die Möglichkeiten, sich zu äußern, bis dahin gewachsen. Etwas anderes ist aber genauso sicher: Schreit ein Baby, ist irgendetwas nicht in Ordnung.

Das Kind dann sofort zu stillen oder anderweitig zu füttern, ist nicht empfehlenswert. Denn spätestens seit Martin Dornes „Der kompetente Säugling“ wissen wir, dass Babys sehr schnell lernen – vor allem, was ihnen guttut. In diesem Fall bestünde das Lernen darin, bei jedem erdenklichen Unwohlsein mit dem Essen zu beginnen. Allerdings ist es auch gar nicht so einfach, herauszufinden, warum ein Baby schreit. Zwar erkennen weit über 90 Prozent aller Mütter intuitiv, warum ihr Kind schreit. Doch in unseren stressigen und reizüberfluteten Zeiten kann die Intuition leicht auf der Strecke bleiben. Aber es gibt noch weitere Möglichkeiten der Diagnose.

 

Gründe fürs Schreien​

Bensel hat mit seiner Forschungsgruppe sechs verschiedene Schreigründe identifiziert:

 

1. Hunger

Quengelt das Baby, steigert es allmählich die Lautstärke, Häufigkeit und Intensität, bis es in ein schrilles Schreien übergeht und beginnt es an den Fingern und dann an der ganzen Faust zu saugen, ist höchstwahrscheinlich Hunger der Grund. Berücksichtigst du auch die Zeit bis zur letzten Mahlzeit, kommst du sicher schnell zu einer eindeutigen Diagnose. Trinkt das Baby dann kräftig, war deine Vermutung richtig. Saugt es nur zögerlich oder lehnt es die Nahrung komplett ab, war Hunger nicht der Grund.

 

2. Müdigkeit

Quengelt das Baby und beginnt dann zu schreien, während es an den Augen oder der Nase reibt, unterbricht es das Schreien durch Gähnen, lässt die Körperspannung nach, erschlaffen die Glieder, entspannen sich die Händchen, ist vermutlich Müdigkeit die Ursache. Um dies noch besser zu erkennen, hilft auch wieder die Berechnung der Zeit bis zum letzten Schlaf. Jetzt bist du gefragt, das Kind entweder leicht in den Schlaf zu wiegen, es an sich zu nehmen oder es in seinem Bettchen zu beruhigen bis es schläft.

 

3. Schmerzen

Der intensivste, lauteste und schrillste Schrei bedeutet Schmerz. Das Baby schreit so lange, bis es keine Luft mehr bekommt und holt dann rasch und tief Atem. Bei Erschöpfung verfällt es in klagendes Jammern bis zur nächsten Schreiattacke. Der Kopf ist rot, der Puls rast, die Augen sind zusammengepresst, die Lippen verkrampft und die Finger zu Fäusten geballt. Ältere Säuglinge kommen dabei auch mal ins Schwitzen.

Bei mehrtägigem Anhalten solcher Schreiattacken solltest du den Arzt aufsuchen. Jedoch kann so intensives Schreien auch andere Gründe haben – etwa, wenn auf anfängliches Quengeln und Schreien die elterliche Antwort ausblieb.

 

4. Langeweile oder „Interaktions-Hunger“

Ist das Baby nicht müde oder hungrig und die Schrei-Intensität nicht allzu hoch, sucht dein Kind vielleicht Anregung und Unterhaltung. Oftmals hat es vorher schon eine Weile gequengelt, ohne eine Reaktion zu erhalten. Sobald du deinem Kind ein Blick- oder Interaktionsangebot machst, beginnt es, sich wieder zu beruhigen.

 

5. Lärm oder zu viele Reize

Unspezifische Unmutslaute und Schreien bei starker Erregung können ihre Ursache in Lärm oder Überreizung haben. Diese Ursachen sind jedoch nicht immer leicht zu erkennen. Was dem einen Kind zu viel ist, das ist für das andere zu wenig. Hier musst du dein Kind ganz individuell kennenlernen und seine Umgebung beobachten.

 

6. Kälte und Hitze

Ähnlich wie bei Lärm und Überreizung äußert sich das Kind wenn es friert oder überhitzt. Am besten vergleichst du deine Hauttemperatur mit der des Babys. Fühlen sich Bauch und Füße kühler als deine Hand an und geht der Atem schneller, friert es. Sind Bauch und Füße deutlich wärmer als deine Hand, rötet sich der Körper oder bilden sich gar Hitzepusteln, ist es deinem Kind zu heiß.

 

In der Schreiambulanz bekommen Eltern Hilfe

Säuglinge sind hilflos und auf uns Eltern angewiesen. Sie brauchen den schützenden Kontakt mit uns. Fühlen sich die Kinder erst mal einsam, beginnen sie zu schreien. Viele Eltern geraten durch dauerhaftes Schreien ihres Säuglings in Verzweiflung. Dann hilft nur eines: Suche außerhalb der Familie nach dem Rat und der Unterstützung von Fachleuten. Kinderärzte und Hebammen (www.bdh.de) können helfen. Und für die ganz schlimmen Fälle, gibt es überall so genannte Schreiambulanzen, die du leicht über das Internet (www.schreibaby.de) finden kannst.

 

Buchtipp

Joachim Bensel: Wie Sie ihr Schreibaby verstehen und beruhigen – Entlastung für Eltern, Beruhigung fürs Baby, Oberstebrink, ISBN: 978-3-934333-40-6, 14,95 Euro.

 

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