Schritt für Schritt

Laufen lernen

Der eine ist ein Schnellstarter, der andere lässt sich noch ein bisschen Zeit. Aber eins haben alle Kinder gemeinsam: Irgendwann machen sie sich auf den Weg.

 

Mit Spannung betrachtet Martina ihren Sohn: Langsam zieht sich Tom am Sofa hoch. Er hält sich nur noch mit einer Hand fest, lässt los und – plumpst auf seinen Popo. Der Kleine gluckst fröhlich. Martina lächelt ihrem Sohn zu und ist dabei ganz in Gedanken: Sollte Tom mit seinen 15 Monaten nicht endlich laufen?
In der Krabbelgruppe bildet er mittlerweile das Schlusslicht. Andere Mütter sprechen Martina schon darauf an. Ihr Mann sagt, sie solle abwarten und Tom Zeit lassen. Eigentlich findet Martina das auch. Wenn da nicht diese Unsicherheit wäre, ob das eigene Kind vielleicht in der Entwicklung hinterherhinkt.

 

Der Zeitpunkt ist variabel

Ob schon mit zehn oder erst mit 17 Monaten: Wann ein Kind zu laufen beginnt, lässt sich nicht vorhersagen. Jedes Baby ist anders und folgt in der Entwicklung seinem eigenen Tempo.
Die Kommentare anderer sollten sich Eltern nicht zu Herzen nehmen und auch nicht versuchen, ihren vermeintlichen Spätzünder zu drängen – es wird nichts bringen. Stattdessen sind eine große Portion Humor, Zuversicht und Vertrauen in das eigene Kind wesentlich bessere Begleiter.
Wenn die Unsicherheit aber doch wächst, schadet ein Besuch beim Kinderarzt sicherlich nicht. Er kann feststellen, ob der Krabbler sich zu langsam entwickelt oder motorisch auffällt. Solange aber alles in Ordnung ist und das Kind insgesamt in seinen Fähigkeiten Fortschritte macht, brauchen die Eltern sich nicht zu sorgen und es heißt abwarten: Noch früh genug können die Erwachsenen hinter ihrem Spross durch die Wohnung flitzen.

 

Auf allen Vieren

I do it my way – manche Kinder entwickeln mitunter ihre ganz eigenen Techniken sich fortzubewegen: das Bein nachziehen, auf dem Popo rutschen oder wie eine Schnecke über den Boden kriechen. Aber keine Angst, alle diese etwas merkwürdig anmutenden Techniken münden irgendwann in einem aufrechten Gang.
Unterstützung brauchen die Kleinen dabei nicht, vor allem nicht von einem „Gehfrei“, der sogar Gefahren birgt. Wenn Kinder in diese rollenden Gestelle wie in einen Hochstuhl eingepfercht sind, stellen sie ihre Füße nicht richtig auf und müssen kein Gleichgewicht halten. Sie können sich nicht abfangen, wenn sie fallen und erreichen zudem unkontrollierbare Geschwindigkeiten.
Auch Teppichkanten und Treppen sind potentielle Stolperfallen, bei denen sich Kinder verletzen können. Diese Geräte fördern das Laufen nicht, im Gegenteil: Sie schaden der motorischen Entwicklung.


 

Eins nach dem anderen

Sitzen, robben, krabbeln, hochziehen: Das ist die Route, die die meisten Kinder einschlagen, bevor es mit dem Laufen so richtig klappt. Bis Ende des siebten Monats sitzen viele Babys schon ohne Hilfe. Wenn das Kind zunächst noch zusammensackt, sollte es nicht durch Kissen abgestützt werden, um sitzen zu bleiben – dann ist es einfach noch nicht bereit dazu.
Zwischen dem achten und zehnten Monat wird der Knirps sicherer beim Sitzen und beginnt zunehmend, sich durch Rutschen und Kriechen fortzubewegen. Auf wackligen Beinchen kann es sich an Möbelstücken hochziehen und so für eine kurze Zeit selbstständig stehen.
Bis zum Ende des elften Monats krabbelt das Kleinkind schon routiniert durch die Wohnung, wird zum Entdecker und erweitert seinen Radius immer mehr. Einige Babys lassen das Krabbeln jedoch ganz aus und ziehen sich gleich zum Stehen hoch.

 

Kindersichere Umgebung

Achtung Falle: Sobald die Kleinen beginnen zu krabbeln und sich alleine fortzubewegen, sollten sie niemals unbeaufsichtigt sein. Außerdem wird es jetzt Zeit, die Wohnung auf mögliche Tücken abzuklopfen.
Es ist gar nicht verkehrt, dabei selbst auf alle „Viere“ zu gehen und aus der Babyperspektive zu schauen, was den Kleinen potentiell gefährlich werden kann. Herunterhängende Tischdecken laden ein, daran zu ziehen und dabei Geschirr herunter zu reißen.
Was sind Stolperfallen und was könnte das Kind zudem umstoßen? Auch umherliegende Kabel, der Herd, das Bügeleisen oder ungesicherte Steckdosen müssen für Kinder unerreichbar sein. Besonders Treppen benötigen am Beginn und am Ende eine spezielle Sicherung, beispielsweise durch Schutzgitter, denn ein Sturz hat möglicherweise lebensgefährliche Folgen.

 

Übung macht den Meister

Rund um den ersten Geburtstag ist es dann bei einigen schon soweit: Unter freudigen Blicken von Mama und Papa macht der Spross seine ersten breitbeinigen Schritte, um dann ziemlich schnell wieder auf den gepolsterten Popo zu fallen. Jetzt ist der Knoten geplatzt und es geht daran, an der Feinmotorik zu feilen.
Manche Kinder lernen erst einige Monate später, sich auf zwei Beinen fortzubewegen, auch das ist völlig normal. Meist konzentrieren sich die Knirpse ohnehin zunächst entweder auf das Laufen oder Sprechen – so sprechen manche früh, laufen aber spät und umgekehrt. Diese Entwicklung ist so individuell wie ein Kind selbst.

 

Zeig her deine Füßchen

Viele Eltern wollen ihrem Spross gleich Schuhe anziehen – doch diese Anschaffung kann noch warten. Es ist am gesündesten, wenn die Kleinen barfuß laufen. Die kleinen Füßchen brauchen viel Bewegungsfreiheit,  um mit allen Nerven den Boden zu erspüren.
Die Kinder müssen ausprobieren, wie sie sich sicher auf ihren Beinen halten können, sie üben Koordination und Balance. Bekommt der weiche Fuß zu viel Unterstützung rundherum, kann das die Entwicklung der Muskeln und Sehnen hemmen.
Bei kalten oder rutschigen Fußböden sind so genannte Stoppersocken, Strümpfe mit Antirutschbeschichtung, eine gute Alternative. Ihr erstes Schuhwerk brauchen die kleinen Wanderer erst dann, wenn sie draußen laufen oder kleine Strecken zurücklegen.

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