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Sinnesspiele

Babymassage

Regelmäßige Babymassagen prägen das Körpergefühl und fördern Bindung und Kommunikation zwischen Kindern und Eltern.

Ihren Ursprung hat die Babymassage vermutlich in Indien, wo Mütter seit Jahrtausenden ihre Babys mit liebevollen Berührungen im Leben willkommen heißen. Babymassage hat nicht ausschließlich einen Nutzen. Vielmehr handelt es sich um ein Zusammenspiel verschiedener Aspekte, die sich positiv auf das Baby auswirken. Und nicht nur das – auch die Eltern haben etwas davon: Sie erfahren, was es bedeutet, sich wirklich Zeit zu nehmen und ohne Ablenkung für ihr Kind da zu sein. Das sorgt auch bei den Großen für Entspannung.

Babys wollen berührt werden. Sie haben ein Bedürfnis nach Nähe, Wärme und Körperkontakt. Über ihren Körper erfahren und erleben sie sich und ihre Welt. Berührung ist außerdem Sprache – zärtliche Berührungen drücken häufig so viel mehr aus als Worte. Und auch das Baby kommuniziert fleißig mit und schult so die Eltern im Umgang mit ihm. Sie lernen, Körpersignale des Babys sensibler wahrzunehmen und zu beachten. So unterstützt die Babymassage eine Bindung, die für die Entwicklung äußerst bedeutsam und lebenslang wichtig ist. Schon ein paar Minuten dieses intensiven Kontakts wirken harmonisierend.

Auch bei konkreten Beschwerden wie Blähungen oder Schlafstörungen und Unruhe kann die Babymassage helfen.

Jetzt kann’s losgehen

Eine Babymassage folgt keinen Gesetzen. Wer es schafft, sich auf seinen Instinkt zu verlassen und aufmerksam zu sein, tut meistens das Richtige. Wichtig ist, auf das Baby zu hören und ihm die Massage nicht „aufzudrängen“. Eltern müssen akzeptieren, wenn das Baby nicht will. Darüber lernt der Sprössling, dass seine Bedürfnisse ernst genommen werden, und es entsteht Vertrauen. Schön ist, wenn Mama und Papa aus der Massage ein Ritual werden lassen. Beispielsweise immer zu einer bestimmten Uhrzeit. Die immer gleiche entspannende Musik oder gesungene Lieder stimmen das Baby auf das nun folgende „Programm“ ein und geben Sicherheit und Orientierung. Abgedunkeltes Licht lässt Gemütlichkeit aufkommen. Und natürlich fühlt der Nachwuchs sich auf einer weichen Unterlage in einem warmen Raum am wohlsten. Das kann auf einem Handtuch auf dem Bett oder auf einer Kuscheldecke auf dem Fußboden sein. Gerne auch auf Mamas oder Papas Beinen liegend. Wichtig: Die Position sollte auch für die massierende Person angenehm sein. Die Hände der Eltern sollten nicht zu kalt sein – eventuell mehrmals schnell aneinander reiben – und ein möglichst geruchsneutrales Baby-Massageöl verwenden.

In der Regel handelt es sich bei der Babymassage um eine sanfte Streichmassage. Am schönsten ist es, wenn die Streichbewegungen langsam, ruhig und gleichmäßig vonstattengehen. Babys lieben es, wenn die Massage an den Beinen beginnt, da Arme und Brustregion oft sehr berührungsempfindlich sind. Grundsätzlich wirken Massagegriffe von der Körpermitte nach außen hin entspannend, während Griffe, die von außen zum Körper hinführen, anregend wirken. Berührungen, bei denen beispielsweise beide Hände den Kopf des Babys umschließen, vermitteln Sicherheit und Geborgenheit. Kitzeln hat bei einer Massage nichts zu suchen, denn hier ist das Baby ausgeliefert und angespannt.

Wo kann ich’s lernen?

Die Deutsche Gesellschaft für und Kindermassage e. V. (DGBM) bietet bundesweit Babymassagekurse mit jeweils etwa fünf Einheiten á 90 Minuten an .

Tipp

Auch größere Geschwister helfen gern mal bei der Massage mit. In der Regel sollten Baby und Massierender aber ungestört zu zweit sein.

Buchtipps

Bärbel Hauswald und Sabine Bohlmann: „Die schönsten Babymassagen und Kuschelspiele“, Gräfe und Unzer, 19,99 Euro.

Heidi Velten und Bruno Walter: „Harmonische Babymassage. Sinne wecken und Entwicklung fördern“, Urania, 12,99 Euro.

 

„Lächeln heißt ja.“

Junge Familie spricht mit Beate Börner, Kinderkrankenschwester, DGBM-Kursleiterin für Baby- und Kindermassage und Referentin für Kindergesundheit, über die Vorzüge einer Babymassage.

Junge Familie: Was bringt Babymassage?

Beate Börner: Babymassage ist die natürlichste Sprache der Eltern zu ihrem Baby. Der Tastsinn ist bereits in der 8. Schwangerschaftswoche aktiv. Wenn ein Kind geboren wird, ist Berührung eine lebenswichtige Grundlage, so wie das Atmen. Von Natur aus werden Babys über das Wickeln, Tragen und Stillen intensiv berührt. Darüber hinaus kann eine gemeinsame Babymassage die Bindung zusätzlich unterstützen. In einem DGBM-Kurs erhalten Eltern Einblicke und Hintergrundwissen über die Körpersprache ihres Babys, wie sie auf die Signale des Kindes situationsgerecht antworten können. Das heißt, die Eltern erkennen, in welcher Nuance das Baby schreit: Hat es Hunger oder möchte es Zuwendung haben?

Das Baby lernt über eine regelmäßig durchgeführte Massage seinen Körper besser kennen, das Körpergefühl kann sich ausreichend entwickeln. Das ermöglicht dem Kind eine gute motorische und geistige Entwicklung. Die Eltern spüren ebenfalls positive Veränderungen, denn Berührung setzt auch in ihrem Körper sogenannte Glückshormone (Oxytocin) frei. Die Belastungen einer jungen Familie in den ersten Monaten mit Familiennachwuchs sind sehr hoch. Babymassage hilft beiden, Eltern wie Kind, sich zu regulieren, zu entspannen und sich einfach besser kennenzulernen.

Gilt auch der Umkehrschluss: Wenn ein Baby nicht massiert wird, schadet es ihm?

Wenn ein Baby keine Massage erhält, sondern nur den einfachen natürlichen Umgang mit Berührung, wird es dennoch gedeihen und wachsen. Es wird nur dann in seiner Entwicklung gehemmt, wenn es vernachlässigt wird und zu wenig Berührung erfährt. Studien zeigten, dass solche Babys sich nicht optimal entwickeln und ihr weiteres Leben dadurch beeinträchtigt werden kann.

Was muss man bei der Babymassage beachten?

Jedes Baby bringt mit seinen Eltern eine eigene Familiengeschichte mit in den Babymassagekurs. Somit ist jede Berührungsgeschichte individuell. Eine DGBM- Kursleiterin ist auf diese individuellen Massagesituationen geschult und hat somit die Möglichkeit, die Massage mit den Eltern und dem Baby gemeinsam zu begleiten. Das Wichtigste ist, die Signale des Babys zu erkennen: Ist es bereit für eine Massage? Und ebenso die Frage an die Eltern: Sind sie bereit, eine Berührung respektvoll zu geben? Anschließend wird dem Baby die Erlaubnisfrage gestellt, das Baby antwortet über die Körpersprache. Ja heißt: lächeln, Blickkontakt, nein heißt: nörgeln, angespannter Körper. Langsam und behutsam wird ein Körperteil massiert. Bei regelmäßiger Anwendung können auch mehrere Körperteile hintereinander, immer zu den Bedingungen des Kindes, massiert werden. Das Baby beendet die Massage wiederum über die entsprechenden Körpersignale. In den Kursen können Eltern sich über die Freuden, Sorgen und Nöte, die der Alltag mit einem Baby mit sich bringt, austauschen.

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