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Mythen-Check

Taugt Kokosöl als natürlicher Sonnenschutz?

Pflanzliche Öle wie Kokosöl schützen vor Sonnenbrand – so zumindest wird es derzeit in vielen Eltern-Foren und auf Instagram behauptet. Klingt zu schön, um wahr zu sein, oder?

Ich reise für mein Leben gerne und habe einen kleinen Sohn. Nicht verwunderlich also, dass ich bei Instagram vielen Familien mit Reisefieber folge. In der letzten Zeit wird auf zahlreichen Profilen immer wieder Kokosöl als natürlicher Sonnenschutz angepriesen. Kann das wirklich funktionieren?

Zugegeben: Es hört sich total verlockend an. Denn als Mutter eines Zweijährigen kenne ich das Problem mit Sonnenschutzmitteln nur allzu gut. Chemische UV-Filter lasse ich nur ungerne an die Haut meines Kindes – abgesehen davon, sind viele auch giftig für Korallen und andere Meeresbewohner. Mineralische Sonnencremes hinterlassen häufig einen weißen Film auf der Haut und sind mitunter nur schwer zu verteilen. Was besonders nervig ist, wenn das Kind ohnehin keine Lust auf stressiges Eincremen hat. Wie gut wäre es also, wenn Kokosöl oder andere pflanzliche Öle als natürlicher Sonnenschutz taugen würden? 

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Die wissenschaftliche Lage dazu ist dünn, sehr dünn. Googelt man das Thema, wird auf vielen Seiten einfach behauptet, dass Kokonussöl vor Sonnenbrand schützt und deshalb besonders verträglich für Babys und Kleinkinder ist. Meistens gibt es die Anleitung, wie man natürlichen Sonnenschutz selber anrühren kann, gleich dazu. Quellen werden jedoch nicht genannt. 

Deshalb frage ich bei einem Experten nach. "Ich bin da sehr skeptisch. Mir ist nicht bekannt, dass Kokosöl oder ein anderes pflanzliches Öl einen Lichtschutzeffekt hat", gibt Dr. Herbert Kirchesch, Dermatologe aus Puhlheim, zu bedenken. "Ich kenne auch kein Sonnenschutzprodukt, das Kokosöl als UV-Filter verwendet. Ich vermute, dass Kokosöl wenig bis gar keinen Lichtschutzeffekt hat. Von daher kommen meiner Meinung nach pflanzliche Öle als Sonnenschutz nicht in Frage." 

Bei meiner Recherche finde ich genau eine einzige Studie aus Indien, die den Lichtschutzfaktor von Ölen untersucht hat. Allerdings wurde sie nur in-vitro, also im Labor, durchgeführt. Wie die Öle auf der Haut von Menschen wirken, wurde nicht untersucht. Die Ergebnisse sind erschreckend: Keines der Öle bietet Schutz vor UVA-Strahlung, die tiefer in die Haut eindringt als UVB-Strahlung, und verantwortlich für vorzeitige Hautalterung und im schlimmsten Fall Hautkrebs ist. Und die Lichtschutzfaktoren im UVB-Bereich sind sehr niedrig (siehe Tabelle). So niedrig, dass ich meinen Sohn damit niemals der Sonne aussetzen würde. Das sieht auch Dr. Kirchesch so: "So lange es Eltern möglich ist, sollten sie Babys und Kleinkinder ganz aus der Sonne raushalten. Oder aber mit einem möglichst hohen Lichtschutzfaktor eincremen." 

Eine Übersicht der Lichtschutzfaktoren von pflanzlichen Ölen

Öl Lichtschutzfaktor
Kokosöl 7
Olivenöl 7,5
Mandelöl 4,6
Sesamöl 1,7
Rhizinusöl 5,7
Eukalyptusöl 2,6
Lavendelöl 5,6
Senföl 2
Orangenöl 3,9
Teebaumöl 1,7
Pfefferminzöl 6,7
Zitronengrasöl
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Unser Experte:

Dr. Herbert Kirchesch, Arzt für Dermatologie, Venerologie, Allergologie, aus Puhlheim

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Unsere Autorin

Jana Kalla

Jana Kalla ist freiberufliche Journalistin und war viele Jahre lang hauptsächlich im Beauty-Kosmos unterwegs.

Seit sie einen eigenen kleinen Sohn hat, ist ihr Leben nicht nur um einiges turbulenter geworden, es hat auch dazu geführt, dass sie ihr Themenspektrum erweitert hat. Und was könnte es Schöneres geben, als über Windeln und Wimperntusche zu schreiben?

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