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Vorsorge

Die U-Untersuchungen U1 bis U9

Zehn Vorsorgeuntersuchungen bieten Eltern die Sicherheit, Probleme in der Entwicklung ihres Kindes rechtzeitig zu erkennen. Eine Chance, die Eltern unbedingt wahrnehmen sollten. Wir haben mit einem Arzt über die U-Untersuchungen gesprochen und zeigen dir alle Termine im Überblick.

Jedes Kind durchläuft in seiner Entwicklung aufeinander aufbauende Stadien. Dennoch können diese bei jedem Baby und Kleinkind unterschiedlich schnell und in vielfältiger Ausprägung verlaufen. Das führt bei jungen Eltern oft zu Verunsicherungen: “Warum kann dein Kind schon krabbeln und unsere Leonie noch nicht? Ist es normal, dass mein Kind noch nicht sprechen kann – es ist doch schon fast ein Jahr alt?“

U-Untersuchungen geben Eltern Sicherheit

Die Früherkennungsuntersuchungen, die dein Kind von der Geburt bis zum sechsten Lebensjahr begleiten, geben dir Sicherheit. Hier wird in regelmäßigen Abständen überprüft, ob dein Baby eine altersgerechte Entwicklung durchmacht. Außerdem wird es auf Auffälligkeiten in Verhalten, Sprache und der Entwicklung untersucht, um eine mögliche Krankheit oder Fehlentwicklung frühzeitig festzustellen.

Denn die Früherkennung ist wichtig – nur auf diese Weise kann bei einer möglichen Erkrankung eine frühzeitige Behandlung erfolgen, die ein Baby vor ernsthaften Folgen für die weitere Entwicklung schützen oder diese mindern kann. Im Falle von Schwächen auf bestimmten Gebieten der Entwicklung, wie zum Beispiel der Motorik, kann ein Kind bei Früherkennung auch gezielt gefördert werden. So steht einer gesunden kindlichen Entwicklung nichts im Wege.

Die U-Untersuchungen sind nicht verpflichtend, aber trotzdem sehr wichtig, findet Professor Dr. Harald Mau: "Selbstverständlich belasten die
Untersuchungen die Kinder in keiner Weise. Sie sind vielmehr beruhigend für Mütter und Väter. Denn in den meisten Fällen lautet das Untersuchungsresultat dass sich das Kind altersgemäß entwickelt. Also bieten die U-Untersuchungen den Eltern Sicherheit und Bestätigung."

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Das gelbe Heft als Leitfaden

Direkt bei der ersten Früherkennungsuntersuchung, der U1, erhältst du von der Hebamme oder dem Arzt das gelbe Kinderuntersuchungsheft. Dieses Heft sowie den Impfausweis für dein Baby solltest du zu jeder Untersuchung mitbringen. Hier werden alle Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen eingetragen. Die U1 bei Neugeborenen findet bereits direkt nach der Geburt statt. Bei der U2 sind Mutter und Kind oft noch im Krankenhaus. So kann die Untersuchung noch vor der Entlassung in der Klinik erfolgen. Alle folgenden U-Untersuchungen (U3 bis U9) werden in der Regel vom Kinder- und Jugendarzt durchgeführt. 

Es gibt zehn U-Untersuchungen, die für dein Baby und Kleinkind von der Geburt bis zum sechsten Lebensjahr empfohlen werden. Zur Übersicht haben wir dir hier die Termine für die U-Untersuchungen von der U1 bis zur letzten U9 zusammengestellt:

  • U1: direkt nach der Geburt
  • U2: am 3. bis 10. Lebenstag
  • U3: in der 4. bis 5. Lebenswoche
  • U4: im 3. bis 4. Lebensmonat
  • U5: im 6. bis 7. Lebensmonat
  • U6: im 10. bis 12. Lebensmonat (dein Baby ist ca. 1 Jahr alt)
  • U7: im 21. bis 24. Lebensmonat (dein Kind ist ca. 2 Jahre alt)
  • U7a: im 34. bis 36. Lebensmonat (dein Kind ist ca. 3 Jahre alt)
  • U8: im 46. bis 48. Lebensmonat (dein Kind ist ca. 4 Jahre alt)
  • U9: im 60. bis 64. Lebensmonat (dein Kind ist 5 Jahre alt) 

Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nutzen fast alle Eltern in den ersten beiden Lebensjahren die Möglichkeit der Gesundheitsprophylaxe. Danach sinken die Teilnahmezahlen jedoch drastisch. Die U8 und die U9 werden nur noch von 63 Prozent wahrgenommen. "Dabei sind gerade diese beiden Untersuchungen angesichts des bevorstehenden Schuleintritts der Kinder wichtig", sagt Professor Dr. Harald Mau, Direktor der Klinik für Kinderchirurgie an der Berliner Charité.  "Für jede Vorsorgeuntersuchung sind bestimmte Zeiträume angegeben, innerhalb derer sie durchgeführt werden sollten. Denn die Früherkennung und Behandlung mancher Erkrankungen ist nur in einer bestimmten Altersspanne erfolgversprechend. So ist beispielsweise die U3 in der vierten bis sechsten Lebenswoche eingeplant, um eine mögliche Fehlstellung der Hüftgelenke rechtzeitig zu entdecken und zu therapieren. Die Untersuchungen U8 und U9 haben eine besondere Bedeutung, weil Kinder im Vorschulalter wichtige Entwicklungsschritte – in Sprache, Motorik und sozialen Fähigkeiten – durchmachen."

Eltern sollten die Termine in der jeweiligen Altersspanne also unbedingt einhalten, damit mögliche Entwicklungsstörungen frühzeitig erkannt werden können. Werden die U-Untersuchungen in den vorgegebenen Zeitspannen durchgeführt, übernimmt die Krankenkasse alle Kosten. Am besten lässt du dir immer gleich in der Praxis den nächsten Termin geben, wenn du mit deinem Kind bei einer der U-Untersuchungen gewesen bist. Wenn möglich, sollte immer ein Kinder- und Jugendarzt aufgesucht werden, so Dr. Mau: "In einer Kleinstadt kann es durchaus vorkommen, dass ein Allgemeinmediziner auch schon mal die Rolle des Kinderarztes übernehmen muss und kann. Steht jedoch ein Kinderarzt zur Verfügung, ist er der bestmögliche Ansprechpartner für die Gesundheit des Kindes. Eltern sollten sich auch nicht direkt an einen Spezialisten wenden: Erste Anlaufstelle, wenn ein Kind zum Beispiel humpelt oder schlecht sieht, muss der Kinderarzt sein. Er kann durch seine speziellen Kenntnisse der kindlichen Entwicklungsphysiologie verhindern, dass möglicherweise nur ein Symptom behandelt wird, nicht jedoch die Ursache. Der Kinderarzt stellt eine umfassende ursächliche Diagnose und überweist bei Bedarf an einen Facharzt."

Der Apgar-Test

Schon in den ersten Minuten nach der Geburt erwartet das Baby die erste medizinische Untersuchung, der sogenannte Apgar-Test. Er wurde von der US-amerikanischen Ärztin Virginia Apgar entwickelt, die feststellte, dass das Leben vieler Neugeborener zu retten ist, wenn man sie direkt nach der Geburt untersucht. Beim Apgar-Test wird der körperliche Zustand des Babys eine, fünf und zehn Minuten nach der Entbindung beurteilt, um zu sehen, wie gut es den Geburtsstress überstanden hat. Zwei bis vier Stunden nach dieser Untersuchung folgt dann schon die nächste, nämlich die U1. 

U1 (nach der Entbindung)

Im Rahmen der U1 Untersuchung überprüfen der Arzt oder die Hebamme den allgemeinen Gesundheitszustand des Babys. Sie wiegen und messen das Neugeborene und untersuchen alle lebenswichtigen Funktionen wie die Atmung und das Herz-Kreislauf-System. Der Arzt horcht Herz und Lunge ab, überprüft die Haut-Durchblutung, die Muskelspannung und die angeborenen Reflexe. Außerdem werden äußerlich erkennbare Fehlbildungen untersucht und Vitamin K-Tropfen zur Vorbeugung gefährlicher innerer Blutungen verabreicht. Bereits zwischen der 36. und 72. Lebensstunde wird dem Baby aus der Ferse oder einer Vene ein Blutstropfen entnommen. Er dient als Grundlage verschiedener Tests, die wichtig sind für die Früherkennung von Stoffwechsel- und Hormonstörungen.

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U2 (3. - 10. Lebenstag)

Bei der U2 werden alle Körperregionen gründlich untersucht. Das Messen und Wiegen des Babys ist auch bei diesem Termin obligatorisch. Vitamin K-Tropfen beugen weiterhin gefährlichen Blutungen vor. Der Arzt bespricht mit den Eltern darüber hinaus die Rachitis-Vorbeugung durch Vitamin D und verschreibt entsprechende Tabletten, die auch Fluorid zur Zahnhärtung enthalten. Falls die Blutentnahme zur Feststellung bestimmter Stoffwechsel- und Hormonstörungen bei der U1 noch nicht durchgeführt wurde, wird diese jetzt spätestens bis zur Vollendung des dritten Lebenstages vollzogen. Zudem sind das Stillen sowie die Vorbeugung von Allergien Thema der U2. Eltern erfahren, worauf sie in den nächsten Wochen achten müssen, z. B. auf die Farbe und Beschaffenheit des Stuhls ihres Kindes oder vorbeugende Maßnahmen, den plötzlichen Kindstod zu verhindern. Seit einiger Zeit wird im Rahmen der U2 ein Hörscreening angeboten. So erkennen Mediziner viele Formen der Schwerhörigkeit, bevor die Kinder auffällig werden.

U3 (4. - 6. Lebenswoche)

Diese Untersuchung konzentriert sich auf die korrekte Entwicklung der Sinne und schließt auch das Hüftscreening mit ein, bei dem der Kinderarzt mittels einer Ultraschall-Untersuchung schaut, ob der Hüftkopf korrekt in der Hüftpfanne sitzt. Rechtzeitig erkannt, lässt sich die sogenannte Hüftdysplasie zumeist mit wenig Aufwand korrigieren und erspart den Kleinen später schmerzhafte Behandlungen. Nochmalige Vitamin-K-Gabe.

Im Rahmen der U3 wird der Kinderarzt auch erstmalig das Thema Impfen ansprechen. Wenn nach den Vorgaben der Ständigen Impfkomission (STIKO) geimpft werden soll, werden die ersten Impftermine festgelegt, mit denen dann während der U4 gestartet wird. 

U4 bis U7 (bis zum 24. Lebensmonat)

In der U4 bis U7 kontrolliert der Arzt, ob das Kind sich angemessen entwickelt und wächst. Hierzu gehört das regelmäßige Abhören und Wiegen sowie die Überprüfung der sensomotorischen Entwicklung. Außerdem wird bei der U4 - wenn gewünscht – die erste Impfung durchgeführt. 

U7a (34. - 36. Lebensmonat)

Die U7a ist eine zusätzliche Vorsorgeuntersuchung und wurde vor einigen Jahren neu eingeführt, weil zwischen der U7 und der U8 eine relativ große Zeitspanne liegt. Und gerade im Alter zwischen zwei und vier Jahren entwickeln sich Kinder besonders schnell. Im Mittelpunkt der U7a stehen die sprachlichen und motorischen Fähigkeiten des Kindes. Zudem überprüft der Arzt den Impfstatus und macht einen Sehtest. 

U8 (43. - 48. Lebensmonat)

Zusätzlich zur körperlichen Entwicklung liegt bei der U8 der Schwerpunkt auf der geistigen Entwicklung, der Sprache und der Feinmotorik. Kann sich das Kind schon verständlich ausdrücken? Hat es ein Verständnis von sich selbst und anderen? Kann es Kleidungsstücke selbstständig zuknöpfen? Entwickelt es sich altersgerecht?

U9 (60. - 64. Lebensmonat)

Die U9 ist besonders wichtig, da sie im Jahr vor der Einschulung erfolgt. Der Kinderarzt prüft neben der altersentsprechenden Feinmotorik auch das Sprachverständnis und achtet auf ein gutes Hör- und Sehvermögen. Die U9 ist aber nicht gleichzusetzen mit der Schuleingangsuntersuchung, die Ärzte des Gesundheitsamts vor dem Schuleintritt bei allen Kindern durchführen, um die Bildungsfähigkeit zu testen.

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