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Ein Fall für zwei

Warum Mutter und Kind vom Stillen profitieren

Stillen ist die natürlichste Sache der Welt. Und Muttermilch die beste Ernährung für Babys in den ersten Lebensmonaten. Aber warum ist sie eigentlich so wertvoll?

Die Muttermilch macht’s

Muttermilch ist an die kindlichen Bedürfnisse angepasst – diese Erkenntnis ist längst Standardwissen. Sie liefert dem Baby die für das Wachstum und die gesunde Entwicklung wichtigen Nährstoffe – in einer Zusammensetzung, wie sie der kindliche Organismus optimal aufnehmen und verwerten kann.

Muttermilch enthält u. a. Eiweiß, Kohlen­hydrate, Fette – und: Abwehrstoffe. Mütter geben ihren Immunschutz nämlich mit der Milch an ihren Nachwuchs weiter. Besonders das Kolostrum – die Vormilch, die in den ersten fünf Tagen nach der Geburt gebildet wird – ist reich an Proteinen und Antikörpern, die für das Immunsystem wichtig sind.

„Stillen kann das Risiko für Durchfall, Mittelohrentzündung und späteres Übergewicht beim Nachwuchs senken, das belegen viele Studien seit Jahren. ­Außerdem ist die mütterliche Milch ­hygienisch einwandfrei, richtig temperiert, immer verfügbar und obendrein auch noch kostenlos“, so Regine Gresens, Hebamme sowie Still- und Laktations­beraterin in Hamburg.

Und natürlich wirkt sich das Stillen auch positiv auf die Gesundheit der Mutter aus. So fördert es die Rückbildung der Gebärmutter. Und nicht zuletzt fördert es auch die emotionale Bindung zwischen Mutter und Kind.

Rat von der Hebamme zum Stillen

Mutter Natur hat das Stillen also clever eingerichtet. Aber so natürlich es auch ist, nicht immer klappt es auf Anhieb. „Stillen ist etwas, das Mütter lernen müssen“, so Expertin Gresens. „Früher, als es noch Großfamilien und dörfliche Gemeinschaften gab, haben Frauen ganz nebenbei gelernt, wie man das Kind hält und anlegt. Heute ist das anders. Ihnen fehlen ein bisschen die Vorbilder.“

Die Wochenbett-Hebamme ist erste Ansprechpartnerin bei Fragen rund ums Stillen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen im Rahmen der Hebammenbetreuung die Kosten für Stillberatungen bis zum Ende der Stillzeit. Stillgruppen sind ebenfalls eine gute Möglichkeit, sich Hilfe zu holen. Regine Gresens hat jahrelang Stillgruppen geleitet, in denen sich Mütter mit Kindern treffen, die älter als neun Monate sind.

„Die Frauen können Erfahrungen austauschen und Fragen stellen. Meine Funktion war, zu moderieren und fachlich zu begleiten.“ Die Mütter benötigen keine Hilfestellung mehr beim Anlegen oder bei ihrer Stillhaltung.
„Die richtige Stillposition gibt es nicht. Die Position ist dann richtig, wenn sie für die Mutter bequem ist, das Kind die Brust gut erfassen und effektiv entleeren kann und die Mutter dabei keine Schmerzen hat“, erklärt Regine Gresens.

Wichtig ist ihrer Meinung nach, dass es zu Hause einen gemütlichen Platz gibt, wo es sich entspannen lässt. Auf dem Sofa oder im Bett sollte sich die Mama mit diversen Kissen gut abstützen, ­damit sie sich nicht verkrampft. Regine Gresens: „Vielen Müttern wird gesagt, dass Schmerzen zum Stillen dazugehören. Das ist falsch! Schmerzen sind immer ein Alarmsignal des Körpers. Mütter dürfen sie unter keinen Umständen ignorieren, sondern sollten sich frühzeitig kompetente Hilfe holen.“

Milchstau & Co.

Wenn das Stillen schmerzt, kann das zu wunden Brustwarzen führen. Sie sind meist die Folge einer falschen ­Anlegetechnik. Ein anderes Stillpro­blem: Milchstau. Er entsteht durch gestaute Milch im Milchgang und macht sich durch Schmerzen und Rötungen bemerkbar. Gelegentlich kommt Fieber dazu. Was kann frau tun? Die Milch muss abfließen – die Mama sollte also ihr Baby häufig anlegen. Ist das schmerzhaft oder verweigert das Kind die Brust – weil sich infolge eines Milchstaus der Geschmack der Milch ändert –, empfiehlt die Hebamme, die Brüste von Hand auszustreichen oder die Milch abzupumpen. Quarkwickel kühlen die Brust.

Ist das Baby quengelig, weint beim Trinken und will schon nach kurzer Zeit wieder gestillt werden, kann das ein Indiz dafür sein, dass es nicht satt wird bzw. die Mama vielleicht zu wenig Milch hat. Auch in diesem Fall ­sollte das Baby so oft wie möglich angelegt werden, um die Milchproduktion anzukurbeln. Für das Stillen gilt nämlich: Die Nachfrage regelt das Angebot. Die Brüste produzieren die Milchmenge nach, die das Kind getrunken hat. Verbleibt Milch in der Brust, weil das Baby zu selten angelegt wurde oder nicht effektiv trinkt, geht die Milchproduk­tion zurück. „Es gibt aber auch Mütter, die von vornherein Probleme mit der Milchproduktion haben. Da muss man genau hingucken, ob körperliche oder hormonelle Ursachen dahinterstecken. Eine wahre Detektivarbeit!“, so Regine Gresens.

Gelegentlich treten Babys in den „Stillstreik“ und verweigern die Brust. Das ist in der Regel immer auf eine äußere Ursache zurückzuführen, etwa wenn das Kind in einer fremden Umgebung gestillt wird oder die Mutter plötzlich ungewohnt riecht, zum Beispiel durch ein neues Deo. Möglicherweise erschwert auch ein Schnupfen dem Nachwuchs das Trinken. Auch hier hilft die Nach­frage bei der Hebamme.

Stillen oder nicht?

Stillstreik, Milchstau & Co. sind ein Argument, weshalb Mütter das Stillen vorzeitig beenden beziehungsweise sich grundsätzlich dagegen entscheiden. „Wenn Mütter massive Stillprobleme haben, rate ich immer dazu, sich von einer Stillberaterin professionell beraten zu lassen. In manchen Situationen kann es auch besser sein, dem Kind die Flasche mit abgepumpter Muttermilch zu geben“, sagt Regine Gresens. „Aber auch, wenn Mütter unter einer schweren Erkrankung leiden und Medikamente einnehmen müssen, können das triftige Gründe, nicht die Brust zu geben. Allerdings gibt es oft auch hier noch andere Möglichkeiten, zum Beispiel auf ein stillverträgliches Medikament umzustellen oder das Kind teilzustillen.“

Viele Frauen lehnen das Stillen nach Meinung der Expertin auch ab, weil sie schlicht falsche Vorstellungen haben. „Die Frauen denken, Stillen ist schwierig, anstrengend, schmerzhaft, auszehrend. Und dass sie großen Verzicht üben müssen. Wenn dann auch noch der Vater das Stillen nicht unterstützt …“ Der Papa. Man mag glauben, dass er beim Stillen gar keine Rolle spielt. Tut er aber! Väter tragen maßgeblich zum Stillerfolg beziehungsweise -misserfolg bei. Studien belegen das.

Untersuchungen zeigen: Hat der Vater eine negative Einstellung zum Stillen, war das Risiko, dass die Mutter nicht stillte, um das 22-fache erhöht im Vergleich zu Frauen, deren Partner dem Stillen positiv gesonnen war. „Die meisten Väter befürworten das Stillen. Sie sind gut informiert und unterstützen ihre Frauen“, weiß Regine Gresens aus Erfahrung.

Abstillen

Irgendwann kommt der Zeitpunkt, da heißt es, Abschied zu nehmen von Mamas Brust. Wann genau, bestimmen Mutter und Kind. Im ersten Lebenshalbjahr sollten Säuglinge mindestens bis zum Beginn des fünften Monats ausschließlich – also ohne Zugabe von Flüssigkeiten und anderer Nahrung – gestillt werden. Das gilt auch für Kinder mit erhöhtem Allergierisiko. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) sowie das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) sprechen sich für eine ausschließliche Stilldauer von vier bis sechs Monaten aus und dem Säugling dabei „nach Bedarf“ die Brust zu geben – also dann, wenn er Hunger hat. Zwischen dem fünften und sechsten Lebensmonat, spätestens mit Beginn des siebten Monats, sollten Eltern dann mit Beikost beginnen.

Schritt für Schritt ersetzt man nun eine Milchmahlzeit nach der anderen durch einen Brei. Da das Baby weniger Milch trinkt, nimmt die Milchproduktion ab und das Brustdrüsengewebe bildet sich langsam in seinen ursprünglichen Zustand zurück. Regine Gresens: „Das Abstillen sollte nicht von heute auf morgen erfolgen. Es sollte ein allmählicher Prozess sein, der dem Körper der Mutter Zeit gibt, die Milchproduktion zurückzufahren und dem Körper des Kindes Zeit gibt, sich noch unter dem Schutz der Muttermilch an die neue Nahrung zu gewöhnen.“

Stillen & Job

Viele Frauen stillen ab, um schnell wieder in den Beruf zurückzukehren – schlechtes Gewissen inklusive. Wichtig zu wissen: Laut Mutterschutzgesetz stehen Müttern Stillpausen am Arbeitsplatz zu – mindestens eine Stunde beziehungsweise zweimal eine halbe Stunde; bei einer Arbeitszeit von mehr als acht Stunden sogar 90 Minuten. Mütter dürfen sich also die Zeit nehmen, um ihr Baby zu stillen beziehungsweise Milch abzupumpen.

Unsere Expertin

Regine Gresens, Hebamme, Still-/Laktationsberaterin (International Board Certified Lactation Consultant, IBCLC) und Beauftragte für Stillen und Ernährung des Deutschen Hebammenverbandes, Hamburg, www.stillkinder.de

Buchtipp zum Thema Stillen

Weitere Infos im Buch „Intuitives Stillen”, Regine Gresens, Kösel Verlag, 15,99 Euro oder: www.stilkinder.de

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