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Achtsamkeit

Achtsam mit Baby und Kind

Wie Eltern durch Achtsamkeit im Alltag gelassener und freudiger werden.

Man könnte meinen, unsere Kinder leben es uns vor: Wenn sie spielen, sind sie ganz in ihr Spiel versunken. Sie nehmen den Moment wahr und gehen in ihm auf. Das fängt schon als Baby an: Wenn sie einen anschauen, sind sie ganz da. Wenn jemand dem Kind sein Spielzeug wegnimmt, ähnelt das einem gefühlten Weltuntergang – denn: Kinder sind jederzeit ganz im Moment.

Sind Kinder also Meister der Achtsamkeit? Nicht ganz, meint die englische Autorin Amber Hatch, praktizierende Buddhistin und Mutter von drei Kindern. Der große Unterschied zur sogenannten Achtsamkeit liege darin, dass wir uns ihrer bewusst seien – was bei Kindern im Spiel nicht der Fall ist. Und dennoch können wir uns viel von unseren Kindern abschauen. Das fängt schon im Babyalter an.

Achtsam mit Baby

Genau hinsehen, das Baby betrachten, auf jede Kleinigkeit achten, die Wärme seines kleinen Körpers spüren, seinen Duft einatmen, die kleine Falte am Handgelenk streicheln – im Umgang mit einem Neugeborenen fällt es uns leicht, achtsam zu sein. Und nur mit dieser konzentrierten Aufmerksamkeit gelingt es uns, unser Baby kennenzulernen und eine gute Eltern-Kind-Beziehung aufzubauen. In den meisten Fällen geschieht das intuitiv.

Autorin Amber Hatch hat zum Thema achtsame Erziehung ein Buch geschrieben: "Achtsam Eltern sein. Für ein gelassenes und glückliches Familienleben." Darin geht sie auch auf die Babyzeit ein. "Ein Baby zwingt uns, langsamer zu werden", so die Autorin. Viele Eltern erleben das: Was wollte man in der Elternzeit nicht alles erledigen – ein Instrument oder eine Sprache lernen, an einem Fitnesskurs teilnehmen, eine große Reise unternehmen ... Die Liste ist lang, doch schnell merken viele von uns, dass schon das Wäschewaschen zur Herausforderung werden kann, wenn alleine das Füttern eines Babys mehrere Stunden des Tages einnimmt.

Diese quasi aufgezwungene Langsamkeit führt im Optimalfall dazu, dass wir jede Aufgabe bewusst wahrnehmen und sich unser Gehirn nach und nach entspannt, weil es nicht an Reizüberflutung leidet. Wir haben also die Chance, achtsam zu sein und auf unser Baby zu achten. Doch mitunter kommen auch negative Gefühle auf, wir fühlen uns einsam – vor allem beim ersten Kind – vermissen unsere früheren Aktivitäten und Kontakte.

Auch hierin liegt eine große Chance, uns selbst besser kennenzulernen, wenn wir offen sind und negative Gefühle genauso annehmen wie positive. Dadurch sind wir achtsamer mit uns selbst. Mit etwas Übung können wir zu mehr innerer Ruhe finden, die Babyzeit mit Entspannung versehen und wirklich genießen.

Wer schon vor der Geburt des ersten Babys regelmäßig meditiert oder Yoga praktiziert hat, wird in den ersten Wochen nach der Geburt schnell feststellen, dass das kleine Wesen unsere alte Routine ganz schön auf den Kopf stellt. Doch wir können auch bei unseren alltäglichen Aufgaben mit Baby – beim Füttern, beim Windelnwechseln und so weiter – achtsam sein, indem wir uns ganz auf diese eine Aufgabe konzentrieren und bewusst in dem Moment sind.

So kann man sich auch mit Baby weiterhin in der Meditation üben und die Wahrnehmung immer mal wieder auf den eigenen Körper richten, auch wenn man keine explizit festgelegten Zeiten zum Meditieren hat.

Meditation beim Stillen

Vor allem das Stillen – ganz gleich ob mit Flasche oder Brust – bietet uns tolle Möglichkeiten, achtsam zu sein und sich ganz im gegenwärtigen Augenblick zu fühlen. Dafür achten wir beispielsweise auf unseren Atem und auf den Atem des Babys. Wir achten darauf, wie wir sitzen, mit welchen Körperteilen wir das Baby berühren und wie sich das Baby verhält. Ist es ruhig und entspannt oder verkrampft? Was berühren wir gerade mit unseren Fingern, wie fühlt sich das an? Diese bewussten Momente haben eine positive und entspannende Wirkung auf uns und auf das Baby.

Für ein schreiendes Baby da sein

Auch wenn das Baby schreit, kommt es ganz auf unsere Einstellung an, wie wir damit umgehen. Die meisten Eltern trösten ihr Baby intuitiv, indem sie es auf den Arm nehmen, es streicheln und beruhigend mit ihm sprechen. Unsere innere Haltung dabei wird das Baby spüren. Es ist nicht immer leicht, das Schreien eines Babys auszuhalten – manchmal wünschen wir uns nur, dass es endlich aufhört.

Doch das Baby profitiert viel mehr davon, wenn wir es auch mit seinem Schreien so annehmen, wie es ist und ihm dadurch vermitteln, dass Gefühle – auch negative – normal sind und sein dürfen. Amber Hatch rät dazu, das Baby nach Möglichkeit nicht gleich abzulenken, da wir ihm dadurch signalisierten, wir hätten lieber ein fröhliches Baby.

Wer achtsam ist, fragt sich nicht, wann das Schreien vorbei ist, sondern ist entspannt und akzeptiert die Unruhe des Babys. Das wird es viel schneller beruhigen als wenn man selbst gestresst und womöglich sogar wütend darüber ist, dass man es nicht schafft, das Kind schnell zu beruhigen. Natürlich ist es im übermüdeten Zustand alles andere als leicht, ruhig und entspannt zu bleiben. Doch je mehr man sich in Achtsamkeit übt, desto besser gelingt es.

Achtsamkeit hilft bei Wehen

"Ich hatte nicht viel Ahnung von Meditation", schreibt die Autorin in der Einleitung ihres Buches über die Geburt ihrer ersten Tochter, "aber ich wusste, dass mich das Loslassen der Gedanken zu etwas ganz Besonderem geführt hatte." Direkt unter der Geburt schaffte sie es, sich von den angstmachenden Gedanken zu lösen und sich stattdessen nur dem Gefühl der Wehen hinzugeben.

Damit ging der Schmerz nicht weg, aber er wurde erträglicher. Und die Autorin lernte, dass es oft nicht Kontrolle ist, die uns Sicherheit gibt, sondern im Gegenteil die Hingabe, Demut und das Annehmen. Mit deren Hilfe gelingt der Alltag leichter, auch wenn es etwas dauert, bis wir diese Gefühle erfolgreich in unser Leben integriert haben. Sie erkannte, dass Achtsamkeit eine Methode sei, die Realität anzunehmen.

Stress im Familienalltag

Im Alltag mit Kindern tauchen für Eltern immer wieder Fragen auf wie "Wie verhalte ich mich selbst im Alltag?" und "Welche Werte will ich meinen Kindern mitgeben, was muss ich ihnen also vorleben und vermitteln?"

Der Familienalltag in der heutigen Zeit ist häufig geprägt von einem mehr oder weniger ausgeprägten permanenten Stresslevel. Vor allem, wenn beide Eltern berufstätig sind. Dabei ist Stress nicht nur ein von außen auferlegtes Problem, sondern in großem Maße Einstellungssache. Was können wir also zur Stressbewältigung tun? Wir alle wünschen uns doch ein gelassenes, fröhliches Leben als Familie. Genau das erscheint aber mitunter schwer umsetzbar.

Ganz einfach achtsam sein

"Achtsamkeit hilft uns, innerlich ruhig zu bleiben", so die Autorin, "und unseren Kindern mit dieser Ruhe zu begegnen, ohne uns von ihrem Drama anstecken zu lassen. Sie verschafft uns auch Distanz zu unserem eigenen Drama." Das Gefühl der Achtsamkeit kennt jeder, selbst wenn man den Begriff dafür nicht kennt. Wir können lernen, Achtsamkeit bewusst mehr einzusetzen, um im Alltag gelassener zu sein.

"Wenn wir unsere Aufmerksamkeit immer wieder auf den gegenwärtigen Moment richten, praktizieren wir Achtsamkeit", fasst die Autorin zusammen. Die einfachste Übung dafür ist es, sich auf den eigenen Atem zu konzentrieren. Sobald wir merken, dass unser Geist, unsere Gedanken abschweifen und wir uns dann wieder auf den Atem konzentrieren, sind wir achtsam. Dies sollten wir als Prozess anerkennen – Achtsamkeit lernen wir nicht von heute auf morgen. Aber es tut gut, sie in kleinen Schritten in unseren Alltag zu integrieren.

Autorin: Irlana Nörtemann

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Unsere Expertin

Irlana Nörtemann

Irlana Nörtemann ist seit vielen Jahren mit Herzblut Redakteurin bei Junior Medien. Zu ihren Aufgaben zählt auch Content Management. Als Mutter eines Jungen lässt sie ihre Alltagserfahrungen in ihre Artikel mit einfließen. Die Schwerpunkte liegen dabei auf den Themen Reise und Gesundheit.

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